In der Ortsgemeinde Sprendlingen in Rheinhessen ist am Sonntagabend ein Großbrand in einem Kunststoff verarbeitenden Betrieb ausgebrochen. Auf dem Gelände standen mehrere Gebäude in Flammen. Rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Hilfsdiensten, Technischem Hilfswerk (THW) und Polizei waren im Einsatz, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Der Landkreis Mainz-Bingen teilte mit, dass mehrere angrenzende Wohnhäuser geräumt werden mussten. Sechs Bewohnerinnen und Bewohner werden von den Einsatzkräften betreut.
Wegen der erheblichen Rauchentwicklung wurde die Bahnstrecke bei Sprendlingen sicherheitshalber gesperrt. Für betroffene Reisende wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Die Bewohnerinnen und Bewohner der geräumten Häuser konnten zunächst nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Gemeinde richtete eine Anlaufstelle ein, um die Menschen zu versorgen.
Löscharbeiten unter erschwerten Bedingungen
Wie die Kreisverwaltung mitteilte, standen auf dem Betriebsgelände mehrere Hallen und Nebengebäude in Vollbrand. Die Feuerwehr hatte mit einer besonderen Herausforderung zu kämpfen: Wegen der aktuellen Hitzeperiode in Rheinhessen gestaltete sich die Löschwasserversorgung als anspruchsvoll. Die Einsatzkräfte mussten lange Schlauchleitungen aufbauen, um Wasser aus entfernteren Hydranten heranzuführen. Zusätzlich sorgte das Feuer für eine massive Rauchwolke, die zeitweise weit über der Region sichtbar war.
Mehrere Drehleitungen und eine große Anzahl von Strahlrohren wurden eingesetzt, um ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern. Nach Angaben des Landkreises waren auch das THW und der Rettungsdienst mit einem größeren Aufgebot vor Ort, um die Einsatzkräfte zu unterstützen und die evakuierten Anwohner zu betreuen. Verletzte gab es nach bisherigem Stand nicht.
Warnung an sieben Ortsgemeinden
Die starke Rauchentwicklung und die Geruchsbelästigung führten dazu, dass der Landkreis eine amtliche Warnung herausgab. Betroffen waren die Orte Sprendlingen, Badenheim, Pfaffen-Schwabenheim, Biebelsheim, Planig, Bosenheim und Hackenheim. Über die Warn-Apps des Bundes und der Länder wurden die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten, Klima- und Lüftungsanlagen abzuschalten und das Einsatzgebiet weiträumig zu meiden. Die Behörden warnten zudem vor möglichen Sichtbehinderungen auf den Straßen der Region.
Die Bevölkerung wurde gebeten, sich über die offiziellen Kanäle laufend zu informieren. Besonders ältere Menschen und Personen mit Atemwegserkrankungen sollten sich vorsorglich in geschlossenen Räumen aufhalten. Nach Einschätzung der Behörden besteht bei Befolgung der Hinweise keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr durch den Brandrauch.
Ermittlungen zur Brandursache eingeleitet
Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Ob ein technischer Defekt oder ein anderes Ereignis den Brand ausgelöst hat, war am Abend noch unklar. Nach Abschluss der Löscharbeiten sollen Spezialisten die Brandstelle untersuchen. Der entstandene Sachschaden konnte zunächst nicht beziffert werden.
Der Einsatz war auch Stunden nach Ausbruch des Feuers noch nicht beendet. Immer wieder loderten Flammen aus den Trümmern auf, sodass die Feuerwehr mit Nachlöscharbeiten beschäftigt war. Nach Angaben des Landkreises könnten diese Arbeiten noch mehrere Stunden andauern, bevor eine Entwarnung gegeben werden kann.



