Esther Henseleit verpasst Major-Triumph im Stechen
Henseleit verpasst Major-Triumph im Stechen

Esther Henseleit hat den ersten Major-Titel ihrer Karriere bei den British Open im Stechen dramatisch verpasst. Die 27-jährige Deutsche unterlag der Japanerin Shiho Kuwaki erst am zweiten Extraloch. Dabei hatte Henseleit auf der 18. Bahn des Normal-Spiels noch einen Weltklasse-Putt zum Birdie verwandelt und damit die Verlängerung erzwungen. Doch im Stechen traf ihr Abschlag am zweiten Mal einen Zuschauer, prallte von diesem ab und landete im Busch – ein unglücklicher Moment, der über Sieg und Niederlage entschied.

Kuwaki, die ebenfalls noch nie ein Major gewonnen hatte, rettete im ersten Extraloch ihr Par und sicherte sich dann den Titel, als Henseleit nach ihrem Fehlschlag die Aufholjagd nicht mehr vollenden konnte. Für die Olympiazweite von Paris bleibt dennoch ein großer Karriere-Meilenstein: Mit dem zweiten Platz beim ältesten Golfturnier der Welt verbesserte sie ihr bislang bestes Abschneiden bei einem Major deutlich. Die British Open zählen zu den fünf großen Turnieren im Frauen-Golf, entsprechend hoch war die Bedeutung dieses Erfolgs.

Bestes Major-Ergebnis: Warum dieser zweite Platz ein Triumph ist

Wie ntv.de und die Nachrichtenagentur sid übereinstimmend berichten, war es für Henseleit das mit Abstand beste Ergebnis bei einem der fünf großen Turniere im Frauen-Golf. Zuvor hatte sie 2024 zweimal den siebten Platz belegt – mehr war bis dato nicht herausgesprungen. In Lancashire spielte die Weltranglisten-43. jedoch ein Turnier auf höchstem Niveau und ließ dabei auch einige der besten Golferinnen der Welt hinter sich.

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Das Preisgeld von 994.669 US-Dollar ist der größte Scheck ihrer Karriere. In der Weltrangliste wird Henseleit einen gewaltigen Sprung nach vorne machen – eine Entwicklung, die ihr Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben geben dürfte. Zudem hat sich die Deutsche bereits vor dem Turnier für den Solheim Cup qualifiziert, den prestigeträchtigen Kontinentalvergleich zwischen den USA und Europa.

Die Aufholjagd am Sonntag: Vom Bogey zum Erfolgsputt

Henseleits Finalrunde im Royal Lytham & St Annes Golf Club begann allerdings alles andere als traumhaft. Am dritten Loch leistete sie sich ein Bogey und musste früh um ihre Chancen bangen. Doch danach fand sie immer besser ins Spiel. An der 15. Spielbahn verpasste sie ein Eagle nur um Millimeter – der Ball umrundete das Loch, fiel aber nicht ein. Auf der 18. Bahn schließlich gelang ihr der entscheidende Birdie-Putt, der das Stechen erzwang.

Am Ende standen für beide Playoff-Damen 279 Schläge zu Buche, je 69,75 im Schnitt pro Runde. Die US-Amerikanerin Yealimi Noh, die mit drei Schlägen Vorsprung in die Schlussrunde gestartet war, musste sich mit 280 Schlägen und Rang drei begnügen. Für Noh war es dennoch ein starkes Ergebnis, sie konnte sich ebenfalls über einen großen Sprung freuen.

Pech im Stechen: Der Schicksalsmoment am zweiten Extraloch

Das Stechen begann mit einem Schock: Kuwaki verpatzte ihren Abschlag am 18. Loch im ersten Versuch, rettete aber mit einem glänzenden Par. Henseleit hatte zunächst die besseren Karten, konnte den Vorteil aber nicht nutzen. Beim zweiten Durchgang dann der Fehlschlag der Deutschen – ihr Ball traf einen Zuschauer am Kopf, prallte zurück und verschwand im Gestrüpp. Aus der unangenehmen Lage brachte sie den Ball zwar noch Richtung Grün, doch Kuwaki ließ sich die Chance nicht entgehen.

Die 23-jährige Japanerin, die sich erstmals in die Siegerlisten eines Majors eintragen konnte, feierte damit ihren bislang größten Erfolg. Es war ein würdiges Finale einer Woche, die in Erinnerung bleiben wird – nicht nur wegen des dramatischen Endes, sondern auch wegen der starken Leistungen der deutschen Starterin.

Deutscher Golf: Henseleit grüßt von der Spitze

Mit dem zweiten Platz untermauert Henseleit ihre Rolle als Aushängeschild des deutschen Frauen-Golfs. Die einzige deutsche Major-Siegerin bleibt allerdings weiterhin Sophia Popov, die 2020 sensationell die British Open in Troon gewonnen hatte. Henseleit hat gezeigt, dass sie dieser Phalanx bald entkommen kann.

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Schon Mitte September steht ihr nächster großer Auftritt an: der Solheim Cup in den Niederlanden. Bei ihrer Premiere 2024 in Gainesville im US-Bundesstaat Virginia hatte Europa mit 12,5:15,5 verloren – Henseleit wird daran gewachsen sein. Mit der starken Form aus Lancashire dürfte sie zu den wichtigsten Stützen des europäischen Teams gehören.