Die Women’s Tennis Association (WTA) führt einen verpflichtenden einmaligen Gentest für alle Spielerinnen ein, die an Turnieren der Damentour teilnehmen möchten. Dies bestätigte der Verband der Deutschen Presse-Agentur und verwies auf die aktualisierten Teilnahmebedingungen. Der Test untersucht das Vorhandensein des SRY-Gens, das auf dem Y-Chromosom liegt und eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale spielt. Die Probenentnahme kann per Wangenabstrich, Blut- oder Speichelprobe erfolgen.
Sensibles Thema mit Würde behandeln
„Die WTA ist sich bewusst, dass es sich hierbei um ein sensibles und komplexes Thema handelt und verpflichtet sich, alle Spielerinnen mit Würde zu behandeln und die Richtlinie auf respektvolle und umsichtige Weise umzusetzen“, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes. Die neue Regelung tritt an diesem Dienstag in Kraft. Bislang durften Transgender-Frauen an WTA-Turnieren teilnehmen, sofern sie ihr Geschlecht als weiblich angegeben und über zwei Jahre vor dem Wettkampf einen gesenkten Testosteronspiegel aufrechterhielten. Derzeit sind keine Transgender-Frauen bekannt, die auf der WTA-Tour aktiv sind.
Hintergrund: Debatte um Olympia-Boxerinnen
Auslöser für die verschärfte Politik war die Kontroverse um die Frauen-Boxwettbewerbe bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Die Olympiasiegerinnen Imane Khelif und Lin Yu-ting waren zuvor vom damaligen Box-Weltverband Iba von der Weltmeisterschaft ausgeschlossen worden, da sie auf Basis eines nicht näher erläuterten Geschlechtertests angeblich die Teilnahmekriterien nicht erfüllt hatten. Bei Olympia durften beide starten. Die WTA folgt mit der neuen Regelung der Linie des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).
Vergleichbare Tests in anderen Sportarten
Ähnliche Geschlechtertests haben auch andere internationale Sportverbände eingeführt, etwa in der Leichtathletik und im Boxen. Die Maßnahme soll den Frauensport schützen und faire Wettbewerbsbedingungen gewährleisten. Die WTA betont, dass die Richtlinie auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und unter Berücksichtigung der Menschenwürde entwickelt wurde.



