Die schiere Menge an Streaming-Plattformen und Inhalten führt bei vielen Menschen zu einer regelrechten Paralyse. Statt entspannt einen Film oder eine Serie zu genießen, verbringen sie immer mehr Zeit mit der Suche nach dem passenden Angebot. Die aktuelle Studie „Screens in Motion“ der Zeitschrift „TV Spielfilm“ aus dem Burda-Verlag liefert nun konkrete Zahlen zu diesem Phänomen.
Entscheidungsmüdigkeit: Fünf Tage pro Jahr nur für die Auswahl
„Die Menschen schauen mehr denn je – und gleichzeitig fällt es ihnen immer schwerer, sich zu entscheiden“, sagt Studienverantwortliche Marion Sperlich, Head of Research Media Market Insights beim BurdaVerlag. Besonders betroffen sind junge Erwachsene: Die 16- bis 29-Jährigen benötigen laut Studie pro Sitzung rund 19 Minuten für die Formatwahl. Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt das 4,8 Tage – unter der Annahme, dass täglich gestreamt wird.
In der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen sind es 15 Minuten pro Sitzung (3,8 Tage pro Jahr), bei den über 50-Jährigen sind es rund 8 Minuten (2 Tage pro Jahr). Männer suchen der Studie zufolge länger als Frauen: 15 statt 13 Minuten, was auf das Jahr gerechnet 3,8 Tagen gegenüber 3,3 Tagen entspricht.
Hintergründe der Studie „Screens in Motion“
Die Langzeitstudie wird von „TV Spielfilm Plus“ durchgeführt, einem Label, das die Angebote von „TV Spielfilm“, „TV Today“ und „Cinema“ vereint. Die aktuelle Ausgabe basiert auf einer Online-Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im März 2026 unter rund 2.000 Personen ab 16 Jahren. Laut Burda ist die Studie repräsentativ für die deutsche Online-Bevölkerung und beleuchtet seit 2018 jährlich die Entwicklungen im Bewegtbildmarkt.
Unter Bewegtbildinhalten versteht die Studie ein breites Spektrum: Filme, Serien, Dokus, Talks, Reality-Shows, Nachrichten, Sportübertragungen sowie kürzere Clips wie Musikvideos oder Videos auf YouTube, Instagram oder Facebook. Diese Inhalte können über klassische Fernsehsender, Streamingdienste, Mediatheken, Videoplattformen oder auch über DVDs, Blu-Rays, Festplattenaufnahmen und digitale Einzelabrufe (etwa bei Amazon) konsumiert werden.
Vorab-Informationen erleichtern die Entscheidung
Ein überraschender Befund der Studie: 68 Prozent aller befragten Bewegtbildnutzer geben an, dass die Entscheidung leichter fällt, wenn sie vorab etwas über einen Film oder eine Serie gelesen haben. Dies deutet darauf hin, dass Empfehlungen, Kritiken oder Trailer die Qual der Wahl deutlich mindern können.
Die zunehmende Entscheidungsmüdigkeit ist ein wachsendes Problem in der Streaming-Landschaft, die von Diensten wie Amazon Prime Video, Apple TV, Disney+, HBO Max, Joyn, Netflix, Paramount+, RTL+, YouTube, ZDF, ARD-Mediathek, Arte und 3sat geprägt ist. Die Studie zeigt, dass die Fülle an Optionen nicht nur die Auswahl erschwert, sondern auch wertvolle Lebenszeit kostet.



