Rumänien: Hacker löscht Grundbuchdatenbank – Immobilienmarkt lahmgelegt
Hacker löscht Rumäniens Grundbuch – Markt lahmgelegt

Ein Cyberkrimineller hat offenbar den gesamten Immobilienmarkt Rumäniens zum Stillstand gebracht. Wie das Onlinemedium „Risky Business“ berichtet, verschaffte sich der Hacker digital Zutritt zur rumänischen Katasterbehörde ANCPI (Agenția Națională de Cadastru și Publicitate Imobiliară). Nachdem ein Erpressungsversuch mit erbeuteten Daten gescheitert war, löschte er die gesamte Grundbuchdatenbank des Landes.

Wochenlanger Ausfall von ANCPI-Diensten

Seit dem 14. Juli funktionieren die offiziellen Apps und Webseiten der ANCPI nicht mehr. „Der Angriff legte alle Immobilientransaktionen lahm und hinderte Notare landesweit daran, Verkäufe zu beglaubigen oder Hypotheken einzutragen“, fasst die Seite „Cybernews“ zusammen. Eine Notarin machte ihren Unmut öffentlich: „Seit Dienstag kann ich keine Grundbuchauszüge mehr ausstellen, keine Verkäufe mehr beglaubigen und keine Hypotheken mehr eintragen.“

Rumänische Zeitungen berichten, dass Notare ohne Grundbuchauszug teils keine Transaktionen mehr beurkunden und Banken keine Hypothekendarlehen mehr vergeben können. In Berichten ist deshalb die Rede davon, dass der Immobilienmarkt eingefroren oder blockiert sei. Für Bürger ist die Lage besonders problematisch, weil ab dem 31. Juli eine Steuererhöhung bei Hauskäufen greifen soll und viele Neubaukäufe so geplant waren, dass sie vor diesem Stichtag abgeschlossen werden.

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Hacker bot gestohlene Daten zum Verkauf an

Laut „Risky Business“ begann der Hacker am Donnerstag, Daten zu löschen. Einen Tag später versuchte er, gestohlene Daten wie interne Dokumente und Mitarbeiterdaten der ANCPI in einem Forum zu verkaufen. Die Behörde hatte zunächst von technischen Problemen gesprochen, erklärte aber schließlich, dass sie gehackt wurde, und spricht inzwischen von einem „Cybersicherheitsvorfall“.

Die ANCPI verfügt nach eigenen Angaben über Sicherungskopien der gelöschten Daten, die sie nun wiederherzustellen versucht. In einer aktuellen Stellungnahme erklärt die Behörde, dass sie zunächst die ANCPI-Anwendungen wieder in die Regierungscloud migriert. Dieser Prozess soll bis Mittwoch dauern. Danach sollen die Daten von den zuständigen Behörden geprüft werden, erst nach dieser Auswertung könne die Behörde mitteilen, wann sie ihren Betrieb wieder aufnehmen könne.

Behörde dementiert teilweise Berichte

Die ANCPI weist in ihrer Erklärung auch darauf hin, „dass die in der Öffentlichkeit verbreiteten Informationen über die angeblichen Folgen des Cyberangriffs nicht aus offiziellen Quellen stammen und weder der Realität noch dem aktuellen Stand der Ermittlungen entsprechen.“ Gleichzeitig spricht die Behörde von „vorübergehenden Unannehmlichkeiten durch die Nichtverfügbarkeit von Diensten“. Eine kurzfristige Anfrage des SPIEGEL blieb bis zur Veröffentlichung unbeantwortet.

Hinter dem Angriff steckt mutmaßlich bekannter Cyberkrimineller

Hinter dem Angriff soll laut „Cybernews“ ein Darknet-Account mit dem Namen „ByteToBreach“ stecken, der zu Beginn des Jahres bereits ein schwedisches Regierungsportal gehackt haben soll. Laut dem Cybersicherheitsunternehmen KELA soll hinter dem Konto ein Krimineller stecken, der in Algerien lebt. Die IT-Experten bezeichneten ihn als „technisch versierten Cyberkriminellen, der sensible globale Daten von Fluggesellschaften, Banken und Regierungen verkauft“.

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