Die Energie und Wasser Potsdam (EWP) hat ihre Pilotanlage zur Tiefengeothermie in der Heinrich-Mann-Allee gegen Zweifel verteidigt. Das Unternehmen teilt auf Anfrage mit, dass die Anlage die Erwartungen übertreffe. Bereits seit September speist sie den überwiegenden Teil ihrer erzeugten Wärme in das Fernwärmenetz von Potsdam. Damit zeigt sich nach wenigen Monaten, dass die Technik nicht nur funktioniert, sondern auch einen Beitrag zur klimafreundlichen Wärmeversorgung leisten kann.
Pilotanlage übertrifft Erwartungen
„Die Tiefengeothermie an der Heinrich-Mann-Allee übertrifft die Erwartungen, die die EWP an das Projekt hatte“, teilte Sprecherin Lena Hillebrand den Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) mit. Schon beim Bohren war es zu einer positiven Überraschung gekommen: In der Tiefe wurde mehr heißes Wasser angetroffen als ursprünglich erwartet. Diese zusätzliche Thermalwassermenge erhöht das Potenzial der Anlage, langfristig einen größeren Teil des Potsdamer Fernwärmebedarfs zu decken.
Gleichzeitig stellt die EWP klar, dass die Anlage im üblichen Betrieb arbeitet. „Ihre aktuelle Leistung entspricht den Planungen und Berechnungen, die dem Bau der Anlage zugrunde liegen“, so Hillebrand weiter. Damit seien sowohl die technischen als auch die wirtschaftlichen Erwartungen erfüllt. Die Pilotanlage diene dazu, die Tiefengeothermie unter den spezifischen geologischen Bedingungen in Potsdam zu erproben.
Wie Tiefengeothermie funktioniert
Bei der Tiefengeothermie wird mehrere Kilometer tief in die Erdkruste gebohrt. In dieser Tiefe herrschen hohe Temperaturen, und das dort vorhandene Thermalwasser wird über eine Förderbohrung an die Oberfläche gebracht. Nachdem die Wärme über Wärmetauscher an das Fernwärmenetz übertragen wurde, wird das abgekühlte Wasser wieder in die Tiefe geleitet. So entsteht ein Kreislauf, der über lange Zeit nahezu emissionsfrei Wärme liefern kann.
Anders als viele andere erneuerbare Wärmequellen ist die Tiefengeothermie unabhängig von Sonne, Wind oder Tageszeit. Sie kann daher als Grundlast für das Fernwärmenetz dienen und dieses auch dann versorgen, wenn andere Quellen schwächeln. Dieser Vorteil macht sie für Städte wie Potsdam besonders interessant, die ihre Fernwärme langfristig ohne fossile Brennstoffe bereitstellen wollen.
Kritik und Verteidigung
Warum die EWP die Anlage ausdrücklich verteidigt, hat mit der öffentlichen Debatte um Tiefengeothermie zu tun. Immer wieder gibt es Bedenken gegenüber solchen Projekten, etwa vor seismischen Erschütterungen, Beeinträchtigungen des Grundwassers oder hohen Kosten im Falle von Fehlbohrungen. Die EWP begegnet diesen Vorbehalten mit Verweis auf die bisherigen Betriebserfahrungen: Die Anlage laufe stabil, die Leistung entspreche den Vorgaben, und unerwünschte Nebeneffekte seien nicht aufgetreten.
Der Rückhalt für das Projekt zeigt sich auch in den Planungen für die Zukunft. Unter dem Titel „Und es soll noch mehr werden“ deutet das Unternehmen an, dass die Geothermie in Potsdam weiter ausgebaut werden könnte. Eine Verlängerung des Probebetriebs oder eine Erweiterung der Anlage wären mögliche Schritte, um mehr erneuerbare Wärme ins Netz zu bringen. Das genaue Ausmaß der künftigen Nutzung steht allerdings noch nicht fest.
Bedeutung für die Energiewende
Die Fernwärmeversorgung spielt in Potsdam eine zentrale Rolle. Wie in vielen deutschen Städten hängt sie bislang noch stark von fossilen Energieträgern ab. Wenn die Tiefengeothermie in der Heinrich-Mann-Allee weiterhin zuverlässig arbeitet, könnte sie zu einem wichtigen Baustein für die angestrebte Klimaneutralität der Wärmeversorgung werden. Auch andere Städte und Versorger beobachten das Potsdamer Pilotprojekt aufmerksam, weil es zeigt, ob sich die Technologie auch im norddeutschen Untergrund lohnt.
Die EWP selbst sieht sich durch die ersten Betriebsmonate bestätigt. Man habe nicht nur die erhoffte Wärmemenge gefunden, sondern auch die technische Machbarkeit unter Beweis gestellt. Für die nächsten Schritte will das Unternehmen die Daten aus dem Probebetrieb auswerten und auf dieser Grundlage über den weiteren Ausbau entscheiden. Die Heinrich-Mann-Allee könne damit zum Pionierstandort für eine neue Form der städtischen Wärmeversorgung werden.
Ein Pilotprojekt für die Region
Die Anlage in der Heinrich-Mann-Allee ist nicht die erste ihrer Art in Deutschland, aber für Potsdam ein Novum. Der Versorger EWP hat mit der Tiefengeothermie ein Bündel von Zielen verbunden: die Abhängigkeit von Erdgas zu verringern, die CO₂-Bilanz der Fernwärme zu verbessern und zugleich Erfahrungen für künftige Projekte zu sammeln. Als Pilotanlage soll sie zeigen, ob die geologischen Voraussetzungen im Raum Potsdam für eine wirtschaftliche Nutzung ausreichen.
Die Ergebnisse seien vielversprechend, betont das Unternehmen. Die höhere als erwartete Wasserführung in der Tiefe lasse darauf schließen, dass die geothermische Ergiebigkeit am Standort größer ist als angenommen. Das wäre nicht nur für die Heinrich-Mann-Allee wichtig, sondern könnte auch für andere Orte in der Region relevant sein. Gleichzeitig bleibt die Vorsicht groß: Eine Pilotanlage ist ausdrücklich dazu gedacht, Risiken zu erkennen, bevor ein möglicher kommerzieller Regelbetrieb beginnt.



