Berlin und Brandenburg haben eine gemeinsame Innovationsstrategie für die Hauptstadtregion bis 2035 beschlossen. Ziel ist es, in Zukunftsfeldern wie Künstlicher Intelligenz, Mobilität und Verteidigung an die europäische Spitze zu gelangen. Der Berliner Senat und die Brandenburger Landesregierung verabschiedeten das 25-seitige Grundlagenpapier am Dienstag. Es soll künftig als Basis für die Wirtschaftsförderung dienen und die Region im Wettbewerb mit Metropolen wie London und Paris stärken.
Fünf Zukunftsbereiche im Fokus
Die Strategie definiert fünf prioritäre Zukunftsbereiche: Innovative Mobilität, Digitale Technologien und Creative Tech, Gesundheit und Teilhabe, Intelligente Energiesysteme sowie Innovative nachhaltige Produktion und Materialien. Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) betonte: „Es geht darum, wie wir unsere Wirtschaftsfördermittel, die wir haben, einsetzen.“ Die Hauptstadtregion verzeichne das größte Wirtschaftswachstum in Deutschland. Gefördert werden sollen Digitalisierung, Dekarbonisierung, Maßnahmen gegen den demografischen Wandel und die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft, um die Souveränität und Unabhängigkeit der Region zu stärken.
Wirtschaftliche Ausgangslage und Wettbewerb
Laut Giffey liegt die Hauptstadtregion im Wettbewerb mit London und Paris. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf in Berlin betrug 2024 genau 127 Prozent über dem EU-Durchschnitt, in Brandenburg 86 Prozent. Zum Vergleich: Der Großraum Paris (Île-de-France) erreichte 160 Prozent, Hamburg 96 Prozent. Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) erklärte: „Unsere Vision ist klar: Wir wollen gemeinsam Zukunft durch Innovationen gestalten. Wir wollen gemeinsam ganz vorn sein.“
Förderung aus EU-Mitteln und Rolle des Mittelstands
Die Innovationsstrategie soll auch als Grundlage für die Förderung aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) dienen. Klement unterstrich die Bedeutung des Mittelstands: „Er bringt Ideen in die Anwendung, treibt Innovationen in die Fläche und schafft Wertschöpfung vor Ort. Innovationen dürfen nicht an den Stadtgrenzen enden, sondern müssen technologische Kompetenz, gute Arbeitsplätze und neue Wachstumschancen in allen Teilen Brandenburgs schaffen.“
Digitalisierung und Verteidigung: Chancen und Bedenken
Giffey wies auf den Bedarf an Rechenzentren für den digitalen Fortschritt hin, wofür Fläche und erneuerbare Energien nötig seien – hier könne Brandenburg helfen. Berlin verfüge über Hunderte Unternehmen in den Bereichen Robotik, Optik und Drohnentechnik. Klement verwies auf die Möglichkeit von Drohnentests in der Region. Auf Bedenken hin, die Region könne zu einem Rüstungsproduktionsstandort werden, stellte Giffey klar: „Auf keinen Fall.“
Beispiel Tesla und Innovationsstandort Golm
Als Beispiel für innovative Mobilität nannte Klement den US-Elektroautobauer Tesla in Grünheide, Brandenburg. Tesla plant zudem ein Innovationszentrum in Berlin. Vorgestellt wurde die Strategie im Science Park Golm, dem größten Wissenschaftsstandort Brandenburgs. Dort befinden sich Institute der Universität Potsdam, drei Max-Planck-Institute, zwei Fraunhofer-Institute sowie rund 50 forschende Unternehmen und Start-ups. „Golm ist ein Ort, an dem Innovation mit wirtschaftsbezogenem Wissenstransfer live gelebt wird“, sagte Klement. Science-Park-Chefin Agnes von Matuschka berichtete: „In Zeiten, in denen große Firmen kaum noch investieren, kommen die Start-ups zu uns.“ Viele Start-ups aus dem Inkubator hätten bereits Grundstücke erworben und planten den Bau eigener Standorte, was den Erfolg und die Schaffung neuer Arbeitsplätze belege.



