Südkorea will mit einem Investitionsprogramm von umgerechnet 2,4 Billionen Euro seine Spitzenposition im globalen KI- und Chip-Wettbewerb sichern. Die Summe von 4,3 Billiarden Won wurde am Montag im Beisein von Präsident Lee Jae-myung von südkoreanischen Konzernen und Ministerien als konkrete Investitionsprojekte angekündigt.
Samsung und SK Hynix investieren Billionen
Samsung Electronics versprach für die nächsten zehn Jahre Investitionen von fast 2,7 Billiarden Won (1,5 Billionen Euro). Der Lokalrivale SK Hynix will weitere 1,100 Billiarden Won (620 Milliarden Euro) investieren. Zudem stellten die Unternehmensgruppen SK und GS sowie der Internetkonzern Naver umgerechnet 310 Milliarden Euro für KI-Rechenzentren in Aussicht. Präsident Lee sprach von einem „Sprung nach vorn“ und sagte: „Wir müssen die Kernelemente der Künstlichen Intelligenz schneller als jedes andere Land sichern.“
Langfristige 3-3-5-Strategie
Die Investitionen sind Teil von Lees 3-3-5-Strategie, die Südkorea zu einer der drei weltweit führenden KI-Mächte entwickeln, wirtschaftliches Wachstum von drei Prozent erzielen und das Land unter die fünf größten Volkswirtschaften der Welt bringen soll. Derzeit liegt Südkorea laut IWF auf Platz 15. Konkret sollen Samsung und SK Hynix umgerechnet 450 Milliarden Euro in einen Chipcluster im Südwesten des Landes investieren. Bis 2029 sollen KI-Rechenzentren mit einer Leistung von acht Gigawatt in Betrieb genommen werden, bis 2035 auf 18,4 Gigawatt ausgebaut werden. Die Regierung treibt damit die Regionalisierung der Chipindustrie voran, die bisher auf Seoul und Umgebung konzentriert ist.
HBM-Chips treiben Boom an
Der Erfolg der Chipindustrie basiert auf hochgezüchteten Speicherchips für KI-Anwendungen, den sogenannten HBM-Chips (High-Bandwidth-Memory). Diese werden vor allem von SK Hynix und Samsung hergestellt. Die Nachfrage ist hoch, weltweit herrscht ein Mangel. Die Knappheit ließ die Preise steigen und erhöhte die Unternehmensgewinne. SK Hynix und Samsung zahlen ihren Mitarbeitern in den Chipsparten dieses Jahr Boni von umgerechnet mehr als 300.000 Euro pro Person.
Auswirkungen auf Börse und Wirtschaft
Der Aktienkurs von SK Hynix stieg von September 2025 bis Juni 2026 um das 11,6-fache auf 2,987 Millionen Won. SK Hynix überholte damit Samsung als wertvollstes Unternehmen des Landes. Beide Unternehmen trieben den Kospi-Leitindex auf einen Spitzenwert von 9385 Punkten im Juni 2026 – mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn. Der Anteil von Halbleitern an den Exporten stieg von 15,6 Prozent (2023) auf 24,4 Prozent (2025) und lag im Mai 2026 bei über 40 Prozent. Das Korea Development Institute hob seine Wachstumsprognose für 2026 von 1,9 auf 2,5 Prozent an, die Bank of America auf 3,1 Prozent.
Risiken und Diversifizierung
Die Abhängigkeit von KI-Chips birgt Risiken: Sollte der Glaube an KI-Technologien schwinden, könnte der Boom einbrechen. Präsident Lee versucht daher, den KI-Boom zu nutzen, um neue Industrien zu stärken. Die Regierung unterstützt die „ABCD“-Branchen: KI, Biotechnologie, Kultur und Verteidigung sowie erneuerbare Energien, Atomkraft und Start-ups. Zudem wurden Förderprogramme von Steuernachlässen auf direkte Subventionen umgestellt.



