Von Juist nach Kourou: Der Deutsche im Raketendschungel feiert 30 Jahre Ariane
Von Juist nach Kourou: 30 Jahre Raketenbau in Französisch-Guayana

Stephan Osmann (57) hat sein Leben dem Raketenbau gewidmet. Der gebürtige Juister arbeitet seit fast 30 Jahren am europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guayana. Kurz vor dem Start der Ariane 6 spricht er über seine Arbeit als Lademeister und die Faszination Raketenstart.

Vom Mechaniker zum Lademeister der Ariane

Osmann kam 1996 als Mechaniker nach Kourou und arbeitete zunächst an der Ariane 4. Sein erster Raketenstart war der Erstflug der Ariane 5, der in einer Explosion endete. „Das war der erste Start, den ich gesehen habe, und dann geht der gleich daneben“, erinnert sich Osmann. Trotz des Schocks blieb er: „Man hat gemerkt, man wollte weitermachen, und es musste auch weitergehen.“ Europa brauche diesen eigenen Zugang zum Weltall.

Heute ist Osmann Teamleiter bei der deutsch-französischen ArianeGroup. Sein Bereich ist die Oberstufe der Rakete. Er und sein Team setzen die Fracht in die Rakete ein – bei der aktuellen Mission 36 Satelliten für die niedrige Erdumlaufbahn.

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Der Arbeitsplatz: Sauberkeit hat oberste Priorität

Osmanns Arbeitsplatz ist eine große Halle auf dem Gelände des Weltraumbahnhofs. Hier herrscht höchste Sauberkeit: Überzieher für Schuhe, Schutzkleidung, Haarnetz, Helm sind Pflicht. Smartphones und funkende Geräte müssen draußen bleiben. „Gerade Staub und Teilchen dürfen überhaupt nicht sein“, erklärt Osmann. „Die Satelliten haben Kameras, um ihre Position zu finden, und wenn da ein Korn auf dem Spiegel sitzt, entdeckt man plötzlich eine neue Galaxie.“

Der Start: Spannung kurz vor dem Abheben

Kurz vor dem Start steht Osmann am Beobachtungspunkt Toucan, rund sieben Kilometer von der Startrampe entfernt. Er schaut zur Ariane 6, spricht mit Kollegen. „Für uns ist es der Schuss. Wir schießen die Rakete ins Weltall“, sagt er. Die Anspannung kommt erst kurz vor dem Start, wenn die Rakete in die automatische Startsequenz geht. „Dann kommt langsam das Blut in Wallung“, so Osmann. Wenn die Rakete abhebt, fällt ein Teil der Anspannung ab. Die Mission ist für ihn erst zu Ende, wenn der Satellit ausgesetzt ist.

Die beeindruckendste Kampagne: James-Webb-Teleskop

Eine Mission blieb Osmann besonders im Kopf: die Vorbereitung des James-Webb-Weltraumteleskops. „Eine herrliche Kampagne“, sagt er. „Nicht nur technisch, sondern auch von der Sauberkeit eine große Herausforderung.“ Er erinnert sich an den Moment, als er vor einem der riesigen Spiegel stand: „So einen Spiegel hatte ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Das war so beeindruckend.“ Bei solchen Missionen trage man enorme Verantwortung: „Wenn da was daneben geht, sind wirklich Milliarden weg.“

Privat bleibt Osmann dem Himmel nah

In seiner Freizeit fliegt Osmann eine Cessna über den Dschungel Französisch-Guayanas. Er ist Pilot und bleibt dem Himmel auch privat nah. Trotz seiner Begeisterung für die Arbeit in Kourou will er nicht für immer bleiben: Wenn es Zeit für die Rente ist, zieht es ihn zurück nach Deutschland. „Was mich hier hält, ist nicht der Dschungel. Es ist die Rakete“, sagt Osmann.

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