LinkedIn führt neue Meldefunktion gegen KI-Slop ein
LinkedIn führt Meldefunktion gegen KI-Slop ein

Neue Meldefunktion gegen KI-Müll

Wenn ein Beitrag auf LinkedIn wie ein typischer KI-Text wirkt, können Nutzer das seit kurzem direkt melden. Im Punktmenü am oberen Rand jedes Posts findet sich dafür der Eintrag „Scheint ein KI-Slop zu sein“. Mit dieser neuen Funktion will das Karrierenetzwerk gegen die Flut qualitativ minderwertiger KI-Inhalte vorgehen. Der Begriff „KI-Slop“ hat sich in der Branche etabliert und beschreibt Texte, Bilder oder Videos, die von generativer KI erzeugt wurden und in ihrer Oberflächlichkeit kaum einen Mehrwert bieten.

Wie leicht sich solche Inhalte produzieren lassen, zeigt ein Selbstversuch: Der Autor dieses Artikels bat das Sprachmodell Sonnet 4.6 darum, einen „typischen KI-Post“ eines Mittelmanagers zu schreiben. Das Ergebnis beginnt mit: „Nach unglaublichen 4,5 Jahren in der Abteilung Supply Chain Excellence freue ich mich heute, mitteilen zu dürfen, dass ich ab dem 1. September die Leitung des Bereichs Strategic Process Innovation übernehmen werde.“ Der Text ist voller Floskeln, gefühlvoller Dankbarkeit und Pathos – und er könnte genauso gut von einem Menschen stammen. Genau darin liegt das Problem für LinkedIn.

Dabei ist der Stil, den das Sprachmodell hier imitiert, keine Erfindung der KI. Er hat sich auf dem Businessnetzwerk in den letzten Jahren entwickelt – mit all seinen Beschönigungen und Überhöhungen, irgendwo zwischen PR und Quartalszahlenbericht. Der typische LinkedIn-Post folgt einem Muster: überwundene Hürden, große Dankbarkeit, weise Erkenntnisse. Das macht es für Algorithmen und Nutzer gleichermaßen schwer, Echtes von Generiertem zu unterscheiden.

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So will LinkedIn gegensteuern

Hari Srinivasan, leitender Produktmanager bei LinkedIn, hat die neue Funktion in einem Beitrag auf der Plattform angekündigt. Sie sei eine von mehreren Maßnahmen, die das Unternehmen im Kampf gegen KI-Slop umsetze. Srinivasan verweist zunächst auf bestehende Systeme, die automatisierte Beiträge aussieben. Zusätzlich sollen neue, nicht näher benannte Klassifikatoren dafür sorgen, dass LinkedIn KI-generierte Inhalte zuverlässiger erkennt und den Nutzern seltener anzeigt.

Die Meldefunktion ist ausdrücklich dazu gedacht, die eigenen Algorithmen zu verbessern: Mit jeder Markierung sollen die Modelle, die KI-Slop erkennen, nachjustiert werden. Parallel dazu will LinkedIn die hauseigenen KI-Bearbeitungswerkzeuge für Beiträge weniger invasiv gestalten. Statt „Verbessern“ setzt das Netzwerk nun auf „Korrekturlesen“, wie Srinivasan betont. So soll die individuelle Stimme des Verfassers erkennbar bleiben – und Beiträge nicht in einem generischen KI-Sound untergehen. Gerade die Bearbeitungsvorschläge von LinkedIn waren in der Vergangenheit dafür bekannt, Beiträge zu glätten und den persönlichen Ton zu verwässern.

Ein Drittel aller Kurzbeiträge ist KI-generiert

Wie groß das Ausmaß des KI-Slops auf LinkedIn tatsächlich ist, zeigt eine Untersuchung des KI-Detektors Pangram. Demnach sind 30 Prozent der kurzen Beiträge auf dem Businessnetzwerk von KI geschrieben. Bei längeren Texten mit mehr als 250 Wörtern steigt der Anteil sogar auf 41 Prozent. Zum Vergleich: Auf anderen sozialen Plattformen fällt der Anteil geringer aus, auch wenn er dort ebenfalls hoch ist. Kein Wunder, dass LinkedIn nun gegensteuert – die Glaubwürdigkeit des Netzwerks steht auf dem Spiel.

Ob die Bemühungen die Zahlen senken können, ist offen. Auch andere Dienste dürften beobachten, wie LinkedIn mit dem Problem umgeht. Bislang setzen die meisten Plattformen eher auf automatisierte Erkennung als auf Nutzermeldungen. Die Kombination aus beidem könnte jedoch effektiver sein. LinkedIn baut darauf, dass die Community bei der Bekämpfung von KI-Slop hilft – schließlich geht es um die Qualität der eigenen Timeline.

Wie absurd die Lage ist, zeigt ein weiterer Text, den Sonnet 4.6 auf Wunsch des Autors als LinkedIn-Prosa formuliert hat: „Die Wahrheit ist: Nicht alles lässt sich planen. Nicht alles lässt sich kontrollieren. Und das ist – und ich meine das ernst – eine der wertvollsten Lektionen, die mir meine Karriere bisher geschenkt hat.“ Solche Sätze mögen aufrichtig wirken, doch sie sind reine Mustererkennung. Die Meldefunktion könnte helfen, solche Worthülsen künftig zu entlarven.

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Die Ankündigung von LinkedIn zeigt, dass auch große Plattformen nicht mehr ignorieren können, wie stark generative KI die Kommunikation verändert. Ob die Meldefunktion ein wirksames Instrument ist oder nur eine symbolische Geste, wird die Praxis zeigen. Für Nutzer dürfte zumindest die Möglichkeit zählen, ihrem Ärger über offensichtlichen KI-Müll Luft zu machen – und so das eigene Feeds mitzugestalten.