Jahrelang übersehen: Forscher entdecken neue Affenart im Kongobecken
Eine kleine Sensation in der Primatenforschung: Ein internationales Team hat eine bislang unbekannte Affenart im Regenwald des Kongobeckens identifiziert. Der sogenannte Likweli (Colobus congoensis) wurde bereits 2008 erstmals gesichtet, aber erst jetzt wissenschaftlich beschrieben. Die Entdeckung zeigt, wie viele Tierarten selbst in vermeintlich erforschten Gebieten noch unentdeckt sind.
Der schwarze Affe mit dem auffälligen orange-cremefarbenen Gesichtsfleck war zuvor für eine bekannte Art gehalten worden. Ein einzelnes Foto aus dem Jahr 2008 reichte nicht aus, um den Primaten als neu zu klassifizieren. Erst eine erneute Sichtung zehn Jahre später ermöglichte umfangreiche Untersuchungen.
Genetische Analysen bestätigen neue Art
Das Forschungsteam führte genetische Analysen, Vergleiche des Körperbaus sowie Aufnahmen der Rufe durch. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal PLOS One, bestätigten den Verdacht: Der Likweli ist eine eigene Art. Sein glänzend schwarzes Fell, der lange geschwungene Schwanz und die orange-cremefarbene Gesichtszeichnung machen ihn unverwechselbar. Mit einem Gewicht von rund sieben Kilogramm ist er zudem kleiner als viele andere afrikanische Stummelaffen. Auch seine Rufe unterscheiden sich deutlich von denen verwandter Arten.
Lebensraum auf 1700 Quadratkilometer begrenzt
Die Freude über die Entdeckung wird jedoch getrübt: Der Colobus congoensis lebt nur in einem Gebiet von rund 1700 Quadratkilometern im zentralen Kongobecken. Zwischen 2018 und 2022 dokumentierten die Wissenschaftler lediglich 114 Sichtungen – ungewöhnlich wenig für eine eigene Primatenart. Jagd und die fortschreitende Zerstörung seines Lebensraums setzen der Spezies zusätzlich zu.
„Die Entdeckung von Colobus congoensis ist sowohl ein wissenschaftlicher Triumph als auch eine ernüchternde Erinnerung daran, dass einige der seltensten Lebewesen der Erde verschwinden könnten, bevor die Welt überhaupt von ihrer Existenz weiß“, sagt Studienautorin Kate Detwiler von der Florida Atlantic University. Die Forscher empfehlen, die Art als „stark gefährdet“ auf die Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) zu setzen.
Regenwald birgt noch viele Geheimnisse
Für die Wissenschaft ist die Entdeckung ein weiterer Beleg für die unzureichend erforschte Artenvielfalt des Kongobeckens. „Selbst in Regionen, die bereits wissenschaftlich erforscht wurden, werden immer noch völlig neue Arten entdeckt“, erklärt Mitautor John Hart von der Lukuru Wildlife Research Station. Die Studie unterstreicht die Dringlichkeit, die verbliebenen Regenwälder zu schützen, bevor weitere Arten unwiederbringlich verloren gehen.



