Studie: „Hobbits“ von Flores waren wohl keine Jäger
Studie: „Hobbits“ von Flores waren wohl keine Jäger

Neue Studie stellt Jagdthese der „Hobbits“ infrage

Lange galten die winzigen Urmenschen der indonesischen Insel Flores, bekannt als „Hobbits“ (Homo floresiensis), als geschickte Jäger, die mit Steinwerkzeugen Großtiere erlegten und Feuer nutzten. Eine im Juli in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlichte Studie unter der Leitung von Elizabeth Grace Veatch vom National Museum of Natural History der Smithsonian Institution in Washington stellt dieses Bild nun infrage.

Die Forscher untersuchten die Knochen der ausgestorbenen Zwergelefanten Stegodon florensis insularis, die gemeinsam mit Hobbit-Überresten und Steinwerkzeugen in der Liang-Bua-Höhle gefunden wurden. Um die Herkunft der Bissspuren zu klären, beobachteten sie im Zoo von Atlanta einen Komodowaran namens Rinca beim Verzehr eines Ziegenkörpers. Die dabei entstandenen Bissspuren wurden digitalisiert und mit den fossilen Stegodon-Knochen verglichen.

Komodowaran als Täter identifiziert

Das Ergebnis war eindeutig: Die meisten Kratzer auf den Stegodon-Knochen stammten von Komodowaran-Bissen, während Schnittspuren von Werkzeugen nur an weniger fleischigen Stellen auftraten. Die Autoren folgern, dass die etwa 570 Kilogramm schweren und 1,5 Meter hohen Stegodons wahrscheinlich von Komodowaranen getötet wurden, die ein potentes Gift im Speichel besitzen. Die „Hobbits“ profitierten wohl erst später von den Fleischresten – für sie war der Verzehr ungefährlich, da das Gift im Verdauungstrakt seine Wirkung verliert.

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„Die Studie zeigt, dass die Hobbits nicht die Spitzenprädatoren waren, für die man sie hielt“, sagte Veatch. Stattdessen konkurrierten sie vermutlich mit größeren Raubtieren um Nahrung und ernährten sich auch von Insekten und Pflanzen.

Feuernutzung widerlegt

Um zu überprüfen, ob Homo floresiensis Feuer nutzte, griff das Team zu einer unkonventionellen Methode: Sie untersuchten rund 4500 Rattenknochen aus Eulengewöllen, die den Höhlenboden bedeckten. Verbrennungsspuren fanden sie nicht. Da eine Feuerstelle auch darunterliegende Knochen verkohlt hätte, sehen die Forscher keinen Hinweis auf Feuernutzung durch die Hobbits. Verkohlte Knochen tauchten erst in höheren Schichten auf und stammen wahrscheinlich von Homo sapiens, der die Höhle vor rund 46.000 Jahren nutzte – zu einer Zeit, als Homo floresiensis bereits ausgestorben war.

Thomas Sutikna, der die Grabungen in Liang Bua seit 2001 betreut, betonte: „Wir haben so viel mehr über Homo floresiensis und die verschiedenen damit verbundenen Aspekte erfahren, seit wir die Art erstmals entdeckt haben. Die Studie trägt dazu bei, wesentliche Aspekte des Verhaltens des Urmenschen zu klären. Dies ist entscheidend, um zu verstehen, wie diese Art über unzählige Generationen hinweg auf Flores lebte.“

Weniger komplexes Verhalten als angenommen

Die neuen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Homo floresiensis weniger komplexe Verhaltensweisen hatte als zunächst gedacht. Bisher wurden Jagd auf Großtiere und Feuernutzung nur mit großhirnigen Homininen wie Neandertalern, Homo sapiens und Homo erectus in Verbindung gebracht. Einige Forscher hatten Homo floresiensis daher mit Homo erectus in Verbindung gebracht.

Chris Stringer, Paläoanthropologe am Natural History Museum in London, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte gegenüber CNN, die Studie bekräftige eine weniger verbreitete Auffassung: Homo floresiensis könnte auf einen primitiveren Vorfahren wie Homo habilis oder Australopithecus zurückgehen. Homo habilis ist eine der frühesten bekannten Arten der Gattung Homo, während Australopithecus – darunter das berühmte Fossil „Lucy“ – zwar aufrecht ging, aber ein gehirngroßes Gehirn wie ein Menschenaffe besaß.

Veatch leitet aus den Ergebnissen ökologische Implikationen ab: Dass die Urmenschen bis vor 50.000 Jahren isoliert auf ihrer Insel überlebten, ohne jagen zu müssen oder Feuer zu benutzen, spreche Bände über die Rolle, „die diese ‚Hobbits‘ innerhalb eines Inselökosystems spielten“.

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