Phil Collins, 75, und Noel Gallagher, 57, könnten sich Mitte November in Los Angeles bei der Aufnahmezeremonie in die Rock and Roll Hall of Fame persönlich begegnen. Collins wird für sein Solowerk geehrt, Oasis als Band. In einem Interview mit dem Musikmagazin „Mojo“ äußerte Collins die Hoffnung, dass Gallagher ihn nicht wirklich für den Antichristen halte – eine Bezeichnung, die der Oasis-Gitarrist über Jahre hinweg immer wieder verwendet hatte.
Jahrelange Fehde zwischen den Musikern
Noel Gallagher hatte Phil Collins seit dem ersten großen Interview mit dem „Guardian“ 1994 immer wieder attackiert. Damals erklärte er, es sei die Mission von Oasis, „sicherzustellen, dass Phil Collins aus den Charts fliegt – und Wet Wet Wet gleich mit“. Der einzige Weg, das zu erreichen, sei, „selbst in den Ring zu steigen und die Ratten totzutreten“. Später nannte er Collins wiederholt den „Antichristen“ und behauptete, man müsse nicht großartig sein, um Erfolg zu haben – siehe Phil Collins.
Politische Hintergründe der Rivalität
Die Rivalität hatte auch eine politische Dimension: Collins galt in den 80er und 90er Jahren als einer der wenigen prominenten Popstars mit Sympathien für die konservativen Tories. 1992 nannte ihn die Boulevardzeitung „The Sun“ als einen Prominenten, der Großbritannien verlassen würde, falls Labour an die Macht käme. Als Labour 1997 tatsächlich gewann, war Collins bereits in die Schweiz ausgewandert – nicht aus Steuergründen, wie er später betonte. Vor der Unterhauswahl 2005 rief Noel Gallagher zur Wahl von Labour auf und argumentierte: „Wenn die Tories wieder an die Macht kommen, plant Phil Collins, wieder zurückzukommen und hier zu leben. Und ganz ehrlich: Niemand von uns will das!“
Wandel der öffentlichen Meinung
Nachdem Collins gesundheitliche Probleme öffentlich gemacht hatte und US-Rapper seine Musik sampelten, begann sich die öffentliche Meinung zu wandeln. 2015 sagte Collins der „Zeit“: „Selbst ich werde irgendwann cool.“ Dem „Playboy“ verriet er, dass ein befreundeter Journalist Noel Gallagher gefragt habe, warum er ständig auf Collins herumhacke. Gallaghers Antwort: „Keine Ahnung. Ich habe irgendwann damit angefangen und einfach immer weitergemacht. Dabei habe ich im Grunde gar nichts gegen ihn.“
Collins‘ Theorie zum Auslöser
Trotz dieser Annäherung wiederholte Gallagher noch 2021 im „Tagesspiegel“ die „Antichrist“-Aussage. Auf den Hinweis, Collins sei doch ganz witzig, antwortete er: „Das lässt seine Musik nicht vermuten.“ Collins hat nun eine Theorie, welcher Song die Fehde ausgelöst haben könnte. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass Gallagher in den 80ern auf Drogen ein Genesis-Konzert gesehen habe. „Ich habe mir das jetzt noch mal durch den Kopf gehen lassen. Noel hat zwar nicht gesagt, um welchen Song es ging, aber ich vermute, dass es ‚Mama‘ war“, so Collins. Bei dem Genesis-Hit singt Collins mit bedrohlichem Lachen, während das Licht dramatisch auf sein Gesicht fällt. Collins betont jedoch: „Ich gehe davon aus, dass er nicht wirklich glaubt, ich sei der Antichrist.“
Gallaghers Erinnerung trügt
Noel Gallagher hat mehrfach einen anderen Song als Wurzel seiner Wut bezeichnet: Collins‘ Single „You Can‘t Hurry Love“ sei in den 80ern „gefühlte 147 Wochen auf Platz eins“ der britischen Charts gewesen und habe anderen, besseren Bands den Weg versperrt – ausdrücklich nannte er Paul Wellers Band The Jam. Doch Gallaghers Erinnerung trügt: Collins‘ Supremes-Coverversion war im Januar 1983 nur zwei Wochen lang auf Platz eins der britischen Singlecharts, während der bestplatzierte Jam-Song in diesen beiden Wochen nur auf Platz 24 landete.
Bevorstehendes Treffen in Los Angeles
Die Aufnahmezeremonie in die Rock and Roll Hall of Fame findet Mitte November in Los Angeles statt. Collins kennt die Zeremonie bereits: Er wurde 2010 als Mitglied von Genesis aufgenommen. Diesmal wird er zusätzlich für sein Solowerk geehrt. Vor der Zeremonie gibt es ein Festessen für alle neu Aufgenommenen, bei dem es „interessant“ werden könnte, wie Collins selbst einräumt. Er werde dort wohl Oasis begegnen. Liam Gallagher, der Sänger von Oasis, habe seiner Tochter Lily Collins („Emily in Paris“) einmal gesagt, er hasse niemanden. Collins hofft daher auf eine entspannte Begegnung.



