„We'll find Happiness“: Queeres Flüchtlingsdrama über Liebe und Bürokratie
„We'll find Happiness“: Queeres Drama über Flucht und Liebe

In einer verstörenden Szene sitzt ein junger Mann vor einer kanadischen Asylkommission und soll beweisen, dass er schwul ist. Intimste Details seines Sexuallebens muss er schildern. Davon hängt ab, ob er zurück in seine iranische Heimat geschickt wird, wo ihn vermutlich der Tod erwartet. Dieser kammerspielartige Moment, in dem die Kälte bürokratischer Verfahren entwaffnend sichtbar wird, ist einer der Höhepunkte von Léa Pools neuem Film „We'll find Happiness“.

Die Handlung: Flucht aus Teheran und Ankunft in Montréal

Der Film beginnt allerdings ganz woanders, weit früher. In der Hochzeitsnacht in Teheran schleicht sich Reza (Aron Archer) aus dem Ehebett, um seinen Geliebten zu treffen. Wenige Minuten später ist aus heimlicher Leidenschaft nackte Todesangst geworden. Reza bleibt nur die Flucht. Über Spanien und Frankreich führt sie nach Montréal. Hier möchten Reza und der marokkanische Exilant Saad (Mehdi Meskar) endlich so leben, wie es für andere Paare selbstverständlich ist. Doch das Versprechen von Freiheit ist auch im Westen weit davon entfernt, sich zu erfüllen.

Erzählstruktur: Vergangenheit und Gegenwart verschränken sich

Dass das Drehbuch des Dramatikers Michel Marc Bouchard die Geschichte nicht chronologisch erzählt, erweist sich als kluge Entscheidung. Vergangenheit und Gegenwart schieben sich ständig ineinander, Erinnerungen brechen unvermittelt in Momente des Glücks ein. So wird Flucht nicht zum abgeschlossenen Kapitel, sondern zum dauerhaften Zustand. Traumata sind allgegenwärtig, lassen sich nicht einfach wegschieben.

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Pools Film handelt von Migration, Homophobie und Asylrecht, doch im Kern erzählt er von Menschen und den Zumutungen der Liebe. Saad versucht, Reza vor der Abschiebung zu bewahren, indem er eine Beziehung zu einem Mitarbeiter des Einwanderungsministeriums (Alexandre Landry) eingeht. Aus einer kalkulierten Verführung entwickelt sich langsam ein emotionales Dilemma, das der Film erfreulich lange nicht moralisch auflöst und der Dreieckskonstellation so eine emotionale Komplexität verleiht, die politischen Dramen oft abgeht.

Visuelle Kontraste und emotionale Wucht

Auch visuell findet Pool starke Kontraste. Yves Bélangers Kamera wechselt zwischen der Wärme intimer Begegnungen und den sterilen Räumen staatlicher Institutionen, ohne diese Gegensätze überzubetonen. Besonders eindringlich sind die stillen Momente des erschöpften Ausharrens. Ganz frei von Schwächen bleibt der Film allerdings nicht. Im letzten Drittel gibt es allzu viele konstruiert wirkende Wendungen, und wo der Film zuvor von Andeutungen lebte, erklärt er plötzlich mehr, als nötig wäre.

Dennoch behält „We'll find Happiness“ bis zum Ende seine emotionale Wucht. Weil es Léa Pool gelingt, einen hochpolitischen Stoff in ein Drama über Menschen zu verwandeln, die ständig gezwungen sind, Rollen zu spielen – vor Behörden und vor Fremden. Und manchmal sogar voreinander.

Das Drama mit einer Laufzeit von 101 Minuten ist eine kanadisch-luxemburgische Koproduktion aus dem Jahr 2025. Regie führte Léa Pool, die Hauptrollen spielen Mehdi Meskar, Aron Archer und Alexandre Landry.

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