Def Leppard feiert Wacken-Premiere: Rocklegende stürmt Holy Ground
Def Leppard feiert Wacken-Premiere: Rocklegende stürmt

Als um 0.01 Uhr in der Nacht zum Freitag der letzte Akkord verklungen war, hatten Def Leppard die Herzen der Metal-Fans im Sturm erobert. Die britische Rockband stand zum ersten Mal in ihrer langen Karriere auf der Bühne des Wacken Open Air – und lieferte einen Auftritt ab, der als einer der Höhepunkte des Festivals gelten darf. Der Auftritt wird in die Geschichte des Festivals eingehen.

Kurz vor dem Konzert begann es überraschend zu regnen. Die wenigen Tropfen konnten der staubigen Trockenheit des Geländes jedoch nichts anhaben. Vielleicht waren es himmlische Freudentränen, weil Def Leppard endlich auf dem Holy Ground angekommen waren. Die Band, die 1977 als Schülerband gegründet wurde und sich zu einer der erfolgreichsten Hardrock-Formationen der Welt entwickelte, verkaufte mehr als 100 Millionen Alben. Allein „Hysteria“ (1987) ging 25 Millionen Mal über die Ladentheke, „Pyromania“ (1983) fand in den USA über zehn Millionen Abnehmer. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll den Stellenwert der Band in der Rockgeschichte.

Ein besonderer Abend für Band und Publikum

Dass es ein besonderer Moment für alle Beteiligten war, war der Stimmung im ausverkauften Festivalgelände deutlich anzumerken. Eine der erfolgreichsten Hardrock-Bands der Welt gastierte auf dem größten Metal-Festival des Planeten. Der wechselseitige Respekt zwischen Musikern und Fans war spürbar. Nach der letzten Zugabe „Pour Some Sugar On Me“ bedankte sich Sänger Joe Elliott, der am 1. August seinen 67. Geburtstag feiert, auf Englisch: „Very happy indeed“ – mehr brauchte es nicht, um die Begeisterung zu beschreiben. Die Menge dankte es mit nicht enden wollendem Applaus.

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Obwohl Def Leppard einst als Teil der New Wave of British Heavy Metal in den frühen 1980er-Jahren den Metal mit aus der Taufe hoben, sind sie heute eher dem melodiösen Arena-Rock zuzuordnen. Genau das nahmen die Metalheads ihnen nicht übel – im Gegenteil: Der handwerklich und harmonisch perfekte Auftritt fand allgemeine Anerkennung. Selbst auf dem Wacken-Gelände, wo schon viele Legenden gespielt haben, sind Bands dieses Kalibers eine Rarität.

Zwischen Klassikern und neuen Songs

Die Setlist umfasste 19 Lieder und eine Spielzeit von 105 Minuten, die wie im Flug verging. Neben den Klassikern wie „Hysteria“ oder „Pour Some Sugar On Me“ präsentierten die Briten mit dem Opener „Rejoice“ auch neues Material. Letzteres wirkte allerdings ein wenig wie aus der Zeit gefallen – vielleicht ein Retroeffekt, der bei all der Vertrautheit der Musik nicht weiter störte. Als konventionell sollte man die neuen Stücke deshalb nicht abtun: Instrumentalisierung und Harmoniesetzung sind bei Def Leppard nach wie vor klassisch und hochklassig zugleich. So geriet der Auftritt zu einer Lehrstunde in Sachen Songwriting.

Besonders beeindruckend war die Virtuosität von Schlagzeuger Rick Allen. Dem 62-Jährigen wurde infolge eines schweren Verkehrsunfalls Ende 1984 der linke Arm amputiert. Die Band hielt ihm die Treue, und mit Unterstützung der NASA wurde ein spezielles elektronisches Drumkit entwickelt, das Allen mit einem Arm und beiden Beinen bedienen kann. Eine solche empathische Reaktion ist in der Musikbranche selten – und genau das kommt in Wackens Metal-Familie besonders gut an.

Perfekter Abschluss mit Cover-Song

Agil und bester Laune spielten sich Joe Elliott (Gesang), Phil Collen (68, Leadgitarre), Vivian Campbell (63, Rhythmusgitarre), Rick Savage (65, Bass) und Rick Allen durch ihr Programm. Dabei bewiesen sie auch ein gutes Gespür für Coverversionen, etwa mit dem Depeche-Mode-Welthit „Personal Jesus“. Die perfekte Mehrstimmigkeit, die bei Songs wie „Promises“ zur Geltung kam, ließ sogar vermuten, dass Def Leppard auch ein A-cappella-Album problemlos stemmen könnte. Die Chemie unter den Musikern war auch nach all den Jahren ungebrochen.

Was die musikalische Perfektion angeht, war der Auftritt auf dem Holy Ground absolute Spitze. Dass manche ältere Stücke gelegentlich etwas angestaubt klingen mögen, wird gern verziehen. Eins ist klar: Def Leppard und Wacken – da geht noch mehr. Die Vorfreude auf ein mögliches Wiedersehen ist bereits jetzt groß.

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