Campus-Kino in Stasi-Zentrale: Filme über Diktatur und Freiheit
Campus-Kino in Stasi-Zentrale: Diktatur und Widerstand

Ein 135 Meter langer Tunnel, gegraben von Studierenden im Westteil der Stadt, wurde im Jahr 1962 für 29 Menschen zum Weg in die Freiheit. Der Dokumentarfilm „Tunnel der Freiheit“ des Regisseurs Marcus Vetter erzählt diese Geschichte auf bewegende Weise. Zum Jahrestag des Mauerbaus am 13. August wird der Film auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg aufgeführt. Mit dabei ist Joachim Neumann, einer der damaligen Tunnelbauer, der im Anschluss an die Vorführung über seine Erinnerungen sprechen wird. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer bietet sich damit eine seltene Gelegenheit, ein Stück Berliner Zeitgeschichte direkt von einem Beteiligten zu hören.

Dieses Ereignis markiert den Auftakt in den siebten Jahrgang des Campus-Kinos, das den Sommer über auf dem historischen Areal ein Open-Air-Kino betreibt. Das Besondere: Die gezeigten Filme werden in einen Dialog mit der Geschichte gestellt. Nach jeder Vorführung gibt es Gespräche mit Filmschaffenden, Historikern und Zeitzeugen. Die Vorführungen finden jeweils montags, dienstags und donnerstags ab 19.30 Uhr statt. Damit haben auch Berufstätige Gelegenheit, nach Feierabend in die Vergangenheit einzutauchen.

Ein Ort, der Geschichte atmet

Der Veranstaltungsort ist kein Zufall: In der Ruschestraße in Berlin-Lichtenberg befand sich bis zur Friedlichen Revolution die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Heute residieren dort das Stasi-Unterlagen-Archiv des Bundesarchivs und die Robert-Havemann-Gesellschaft, die sich der Aufarbeitung der DDR-Opposition widmet. Die historische Bausubstanz und die Erinnerung an das, was hier einst geschah, machen das Areal zu einem einzigartigen Ort für ein Kino- und Diskussionsprogramm. Wer das Gelände betritt, spürt die Last der Geschichte – und genau darauf reagiert das Programm.

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„In den Filmen ist greifbar, wie Menschen in Diktaturen leben, welche Spielräume sie finden und welche Folgen Repression bis in die Gegenwart hat“, betont Alexandra Titze, Vizepräsidentin im Bundesarchiv und Leiterin des Stasi-Unterlagen-Archivs. Die Geschäftsführerin der Robert-Havemann-Gesellschaft, Rebecca Hernandez Garcia, ergänzt: „Als Archiv der DDR-Opposition bewahren wir nicht nur historische Zeugnisse, sondern möchten die Geschichten dahinter auch für heutige Generationen erfahrbar machen.“ Das Campus-Kino schaffe dafür einen authentischen Rahmen, so die Veranstalterinnen.

Vom 3. bis 27. August: Programm und Details

Das diesjährige Campus-Kino läuft vom 3. bis 27. August 2026 und bietet eine Mischung aus Spielfilmen, Dokumentationen und einem Kinderprogramm. Der Eintritt ist selbstverständlich frei, Sitzplatzreservierungen sind nicht möglich. Für das leibliche Wohl sorgen ein Getränke- und Snackstand; die Vorführungen finden auch bei Regen statt, sodass die Gäste sich auf jeden Fall auf die Filmabende freuen können. Die Organisatoren empfehlen, rechtzeitig zu kommen, da die Plätze nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vergeben werden.

Den Auftakt macht die Tragikomödie „Wilma will mehr“: Sie begleitet eine Frau aus der Lausitz, die nach den Umbrüchen der Nachwendezeit in Wien einen Neuanfang sucht. Ebenfalls im Programm ist „Stolz und Eigensinn“, ein Film über Frauen in DDR-Großbetrieben. Diese dokumentarischen Porträts erzählen von Arbeitsalltag, Selbstbehauptung und den Erfahrungen im gesellschaftlichen Umbruch – Themen, die bis heute nachwirken. Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit dem Stasi-Unterlagen-Archiv und der Robert-Havemann-Gesellschaft zusammengestellt.

Mehr als nur Filmvorführungen

Das Campus-Kino versteht sich als Ort der Begegnung. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, mit den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen. So wird Joachim Neumann, der einst den Tunnel mitgegraben hat, vom Bau der geheimen Fluchtröhre und der Angst vor Entdeckung berichten. Solche Erzählungen lassen Geschichte unmittelbar werden und schaffen eine Brücke zwischen den Generationen. Gerade in Zeiten, in denen Zeitzeugen immer seltener werden, ist dies ein unschätzbarer Wert.

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Die Veranstaltung trägt damit zur historisch-politischen Bildung bei, die weit über einen bloßen Filmabend hinausgeht. Das Stasi-Unterlagen-Archiv im Bundesarchiv macht dabei die Hinterlassenschaften des Ministeriums für Staatssicherheit zugänglich, während die Robert-Havemann-Gesellschaft das zivilgesellschaftliche Engagement der DDR-Opposition dokumentiert. Gemeinsam bieten sie ein Programm, das zum Nachdenken anregt und dazu beiträgt, aus der Geschichte zu lernen. Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Wer in den Berliner Sommerferien einen besonderen Kinoabend erleben möchte, findet hier eine Gelegenheit, die Unterhaltung mit ernstem Hintergrund verbindet. Der freie Eintritt macht das Angebot niedrigschwellig, sodass viele Menschen teilhaben können – ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur der Hauptstadt.