Emmerich: Abriss am Weißen Haus ist wahre Katastrophe
Emmerich: Abriss am Weißen Haus ist wahre Katastrophe

Der Hollywood-Regisseur Roland Emmerich hat sich erschüttert über den Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses geäußert. Bei den Bildern der Abrissarbeiten habe er beinahe weinen müssen, sagte der 70-Jährige der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er nannte den Abriss zugunsten eines geplanten Ballsaals einen schweren Verlust. „Im Grunde ist gerade das die wahre Katastrophe. Es war ja eine Katastrophe – eine politische.“

Der Ostflügel des Weißen Hauses ist traditionell Arbeitsbereich der First Lady. Hier befanden sich nicht nur die Büros von Melania Trump und ihrem Stab, sondern auch ein kleiner Kinosaal. Emmerich, der das Weiße Haus in seinen Filmen dreimal zerstörte, zeigte sich fassungslos über den Vorgang. Seiner Ansicht nach handelt es sich nicht nur um einen architektonischen Verlust, sondern auch um ein politisches Signal.

„Gigantomanisch“: Kritik an der Ballsaal-Größe

Besonders stieß Emmerich sich an der Dimension des geplanten Neubaus. „Und zu allem Überfluss ist der Ballsaal dann auch noch viel zu groß. Warum muss dieses Ding so groß sein? Wie heißt das deutsche Wort noch mal? Gigantomanisch.“ Mit dieser Aussage knüpft der Regisseur an ein bekanntes Motiv an: In seinen Katastrophenfilmen wie „Independence Day“ und „2012“ ließ er monumentale Zerstörungen inszenieren, doch der reale Abriss historischer Substanz sei für ihn eine andere Dimension.

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Das Weiße Haus ist nicht nur Amtssitz des US-Präsidenten, sondern auch ein Symbol der amerikanischen Demokratie. Der Ostflügel wurde im 20. Jahrhundert mehrfach erweitert und diente als Arbeitsstätte der First Ladies. Dass ausgerechnet dieser Teil einer überdimensionierten Feierarchitektur weichen muss, stößt bei Kulturschaffenden auf Unverständnis.

„Melania hätte Nein sagen müssen“

Emmerich vermutet hinter dem Abriss weniger ein politisches Kalkül als eine private Entscheidung des Präsidentenpaares. „Melania hätte Nein sagen müssen“, sagte er. „Der Ostflügel war das Reich der First Lady. Da hatten sie und ihr Stab alle ihre Büros. Wo sind die jetzt? Im Ostflügel war sogar der kleine Kinosaal des Weißen Hauses.“

Auf die Frage, ob der Abriss eine Geste innerhalb der Ehe des Präsidentenpaars gewesen sei, antwortete Emmerich: „Wahrscheinlich war das eine absolut persönliche Angelegenheit. Und sie hat dazu wahrscheinlich nur gesagt: 'Was soll's. Mir ist es egal.'“ Diese Einschätzung des Regisseurs deutet darauf hin, dass er in dem Vorgehen Trumps vor allem eine politische Symbolik erkennt, die jedoch ins Private abgleitet.

Emmerichs liebste Zerstörungsszene

Gefragt nach seiner liebsten Zerstörungsszene aus seinen eigenen Filmen nannte Emmerich nicht den Klassiker „Independence Day“ von 1996, sondern den Katastrophenfilm „2012“ aus dem Jahr 2009. „Die beste Szene ist die aus ,2012', weil sie am komplexesten ist“, sagte er. „In ,Independence Day' ist es, ehrlich gesagt, ja so: Die Aliens kommen, brennen alles nieder und verschwinden wieder. Der Tsunami in ,2012' war eine viel raffiniertere Szene.“ In „2012“ wird das Weiße Haus von einer gewaltigen Flut überspült und von einem Flugzeugträger zermalmt.

Mit seinen Filmen hat Emmerich immer wieder die Apokalypse thematisiert. Dass er nun mit dem realen Abriss des Ostflügels konfrontiert ist, verleiht seiner Kritik eine besondere Note. Während er selbst für Spektakel sorgte, die Millionen Zuschauer in die Kinos lockten, zeigt er sich angesichts der tatsächlichen Zerstörung von Geschichte und Tradition betroffen.

Der Abriss des Ostflügels ist Teil umfangreicher Renovierungsarbeiten, die von Präsident Trump angeordnet wurden. Die Pläne für einen neuen Ballsaal sind bereits weit fortgeschritten. Für Emmerich steht fest: „Es war eine Katastrophe – eine politische.“

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