Vom Heilbad zum Stadtteil: Die Geschichte des Gesundbrunnens
Der Berliner Stadtteil Gesundbrunnen, heute vor allem als Standort des Fußballstadions bekannt, blickt auf eine lange Tradition als Wellness-Destination zurück. Eine neue Ausstellung im Museum Pankow beleuchtet die Geschichte des einstigen Kurorts, der im 19. Jahrhundert Menschen aus ganz Europa anzog. Der Name Gesundbrunnen leitet sich von einer Heilquelle ab, die bereits im 18. Jahrhundert entdeckt wurde und deren Wasser angeblich gegen zahlreiche Leiden half.
Die Blütezeit des Bäderbetriebs
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Gesundbrunnen zu einem beliebten Ausflugsziel. Ein Badehaus entstand, und bald darauf folgten Kureinrichtungen, die auf die heilende Wirkung des Wassers setzten. Die Berliner Oberschicht reiste an, um zu kuren und zu gesellschaftlichen Veranstaltungen zusammenzukommen. Laut der Historikerin Dr. Sabine Weißler, die die Ausstellung kuratiert, „war der Gesundbrunnen der erste richtige Kurort Berlins und zog Besucher aus dem ganzen deutschsprachigen Raum an.“
Der Niedergang und die neue Nutzung
Mit der Industrialisierung und dem Aufkommen moderner Medizin verlor der Kurort an Bedeutung. Die Quelle versiegte, und das Gelände wurde anderweitig genutzt. Im späten 19. Jahrhundert entstanden Wohnhäuser, und der Gesundbrunnen wurde zum Arbeiterviertel. Die Erinnerung an die Wellness-Tradition schwand. Die Ausstellung zeigt Dokumente, die belegen, wie der Wandel vom Kurort zum dicht besiedelten Stadtteil vonstatten ging.
Die Ausstellung im Detail
Die Schau im Museum Pankow, die bis zum 30. September 2024 läuft, zeigt historische Karten, Ansichten und Objekte. Ein besonderes Exponat ist eine Flasche mit Heilwasser aus dem 19. Jahrhundert. Die Besucher erfahren, dass das Wasser des Gesundbrunnens einen hohen Mineralgehalt hatte und gegen Gicht und Rheuma helfen sollte. Die Kuratorin betont: „Die Menschen damals waren überzeugt von der Heilkraft des Wassers, und der Gesundbrunnen war ein Ort der Erholung und des sozialen Austauschs.“
Der Gesundbrunnen heute
Heute erinnert nur noch der Name an die Vergangenheit. Der Stadtteil ist dicht bebaut, und von den Kuranlagen ist kaum etwas erhalten. Dennoch gibt es Bestrebungen, die Geschichte wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Die Ausstellung ist ein Beitrag dazu, die lokale Identität zu stärken. „Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, welche Bedeutung ihr Viertel einmal hatte“, so Weißler. Die Schau wird von einem Begleitprogramm mit Vorträgen und Führungen ergänzt.



