Die Suche nach einer Intendanz für das Stadttheater in Brandenburg an der Havel zieht sich weiter hin. Die Stadtverwaltung will die Stelle erst ausschreiben, sobald die finanziellen Rahmenbedingungen geklärt sind. Oberbürgermeister Daniel Keip (SPD) begründet die Verzögerung mit ausstehenden Finanzierungszusagen des Landes Brandenburg und laufenden Verhandlungen zum Theater- und Orchesterrahmenvertrag.
„Leider war es aufgrund der Unsicherheit der Finanzierung bislang nicht redlich möglich, die Stelle der Intendanz auszuschreiben“, sagte Keip, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Stadttheaters ist, auf dpa-Anfrage. „Wenn wir einem Bewerber oder einer Bewerberin überhaupt nicht umreißen können, wie groß oder klein die finanziellen Spielräume sind, wäre eine Ausschreibung nicht sehr seriös.“
Erst nach der ersten Septemberwoche, in der die Verhandlungen zum Theater- und Orchesterrahmenvertrag anstehen, soll über die nächsten Schritte entschieden werden. Keip hatte im März nach seinem Amtsantritt noch angekündigt, die Intendanz möglichst im ersten Halbjahr 2026 auszuschreiben. Zugleich machte er damals deutlich, dass das Theater mehr Publikum brauche: „Wir müssen für unser Theater mehr Besucherinnen und Besucher finden und wir müssen die Brandenburgerinnen und Brandenburger wieder motivieren, in ihr Theater zu gehen.“
Vakante Theaterleitung seit Sommer 2025
Die Stelle der Theaterleitung ist seit Sommer 2025 unbesetzt. Bereits im Januar hatte der Aufsichtsrat beschlossen, die Intendantenfrage zu vertagen. Stattdessen wurde die leitende Dramaturgin Carola Söllner bis zum Ende der Spielzeit 2026/2027 als Künstlerische Leiterin berufen. Damit bleibt die Führung des Hauses zunächst in bewährten Händen, während die Suche nach einer langfristigen Lösung weiterläuft.
Zu den Bewerbern für die Intendanz zählt unter anderem die aus Brandenburg an der Havel stammende Schauspielerin Anna Loos. Sie hatte sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt beworben und dabei auf eine Krise des Theaters aufmerksam gemacht: Es würden zu wenig Tickets verkauft und das Programm sei zu dünn. Eine offizielle Ausschreibung der Stelle gab es jedoch nicht, als Loos ihre Bewerbung einreichte.
Theater finanziell von Landeszuschüssen abhängig
Das Theater in der Havelstadt verfügt jährlich über rund zehn Millionen Euro aus verschiedenen Töpfen. Das Land Brandenburg als wichtigster Geldgeber plant für 2026 eine Förderung von etwa 5,5 Millionen Euro, wie das Kulturministerium in Potsdam zuletzt im Januar mitteilte. Allerdings sind die Planungen für den Landeshaushalt noch nicht abgeschlossen, weshalb die endgültige Summe weiter offen ist.
Für die Zeit ab 2027 ist allerdings fest vorgesehen, dass das Land den Zuschuss zum Erhalt von Theatern und Orchestern über den kommunalen Finanzausgleich um acht Millionen Euro auf insgesamt 30 Millionen Euro pro Jahr erhöht. Diese Zusage gibt den Kommunen eine gewisse Planungssicherheit, auch wenn die konkrete Verteilung noch verhandelt wird.
Sanierung nach Wasserschaden wird vorbereitet
Unabhängig von der Intendantensuche steht das Theater vor einer großen baulichen Herausforderung. Ein massiver Wasserschaden im Dezember 2025 hatte den Spielbetrieb im Großen Haus lahmgelegt. Aktuell werden laut Keip die Arbeiten für die Sanierung beauftragt. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 1,4 Millionen Euro, unter anderem für Reparaturen sowie Verbesserungen an Heizung, Lüftung und Ausstattung. Eine Versicherung übernimmt knapp 500.000 Euro dieser Summe.
Ziel ist es, die Arbeiten möglichst bis Ende des Jahres abzuschließen, damit das Große Haus wieder bespielt werden kann. Trotz des Ausfalls des Großen Saals mussten nur zehn Vorstellungen abgesagt werden. „Dank des großen Engagements der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Brandenburger Theaters ist es gelungen, dass trotz Ausfall des Großen Saals des Hauses lediglich zehn Vorstellungen ausfallen mussten“, betonte Keip. Die übrigen Veranstaltungen wurden ins Kleine Haus oder an andere Spielstätten verlegt.
Herausforderungen für die künftige Intendanz
Die künftige Intendantin oder der künftige Intendant wird nicht nur die Sanierung begleiten, sondern auch das Programm neu ausrichten müssen. Das Theater hat kein eigenes Schauspiel-Ensemble, die Brandenburger Symphoniker sind dem Haus fest zugeordnet. Die Besucherzahlen sind nach Angaben von Anna Loos rückläufig – eine Entwicklung, die der neue Oberbürgermeister Keip stoppen will. Ob die Ausschreibung nach der Septemberrunde endlich starten kann, bleibt abzuwarten.
Bis dahin führt Carola Söllner das Theater als Künstlerische Leiterin weiter. Die Stadt hofft, mit der verbesserten Finanzlage und der abgeschlossenen Sanierung wieder attraktivere Bedingungen für Bewerberinnen und Bewerber schaffen zu können.



