Die letzte Fahrt von Salvatore "Big Pussy" Bonpensiero gehört zu den ikonischsten Szenen der Fernsehgeschichte. In der Folge "Funhouse" aus Staffel zwei der Serie "Die Sopranos" wird der Gangster, der sich als FBI-Informant verraten hat, von seinen besten Freunden aufs offene Meer gebracht und erschossen. Die Figur, gespielt von Vincent Pastore, musste sterben – der Künstler, der sie verkörperte, ist nun selbst tot. Er starb im Alter von 80 Jahren.
Ein Mann mit vielen Berufsjahren
Geboren am 14. Juli 1946 in der Bronx, New York City, wuchs Vincent Pastore als Sohn einer italienisch-amerikanischen Arbeiterfamilie auf. Sein Vater war Bauarbeiter, seine Mutter Hausfrau. Vor seiner Schauspielkarriere schlug sich Pastore mit Gelegenheitsjobs durch. Er arbeitete als Türsteher, Barkeeper und betrieb sogar zeitweise einen Nachtclub. In den 1980er-Jahren entschied er sich mit Anfang 40 für die Schauspielerei und nahm Unterricht am berühmten Actors Studio.
Seine ersten Auftritte hatte er in kleinen Filmrollen und in der Fernsehserie "Law & Order", in der er mehrere Gastrollen übernahm. Seinen Durchbruch verdankte er jedoch dem Casting zu "Die Sopranos", das ihn 1998 zum Vorsprechen einlud. Der Showrunner David Chase war von der Präsenz des bulligen Schauspielers sofort überzeugt.
Big Pussy – mehr als nur ein Spitzname
In "Die Sopranos" verkörperte Pastore den treuen, aber schwachen Kumpel des Mafia-Bosses Tony Soprano. Der Spitzname "Big Pussy" wurde zum Running Gag – seine Größe und sein Gemüt machten ihn zum unverwechselbaren Teil der Serie. In der ersten Staffel war er einer der wichtigsten Nebendarsteller, der für komische und tragische Momente zugleich sorgte.
Die Autoren entschieden sich in der zweiten Staffel, die Figur zu einem Informanten des FBI zu machen. Diese Handlungswendung wird als eine der besten der Serie betrachtet. Pastore spielte die innere Zerrissenheit des Verräters überzeugend: Seine letzte Szene auf dem Boot, in der er seine Familie anruft und weiß, dass er sterben wird, gilt als Musterbeispiel für Serien-Schauspielkunst.
Nach den Sopranos
Nach seinem Serienausstieg drehte Pastore weiterhin Filme. Er hatte Nebenrollen in "Snake Eyes" (1998) an der Seite von Nicolas Cage, "Mickey Blue Eyes" (1999) mit Hugh Grant, "The Devil's Rejects" (2005) von Rob Zombie und "The Irishman" (2019) von Martin Scorsese, wo er erneut in einer Mafia-Rolle zu sehen war. Zudem trat er in der Comedy-Show "The Big Show" auf und sprach in Videospielen wie "The Sopranos: Road to Respect".
In den 2000er-Jahren nahm er an mehreren Reunion-Projekten und Interviews teil, in denen er über seine Zeit am Set erzählte. Dabei betonte er oft, dass die Rolle des Big Pussy ihn zwar festgelegt habe, ihm aber auch Türen geöffnet habe. Er blieb bis zuletzt eng mit seinen ehemaligen Kollegen verbunden.
Tod und Reaktionen
Vincent Pastore starb im Alter von 80 Jahren. Seine Familie bestätigte den Tod gegenüber US-Medien; genauere Umstände wurden nicht genannt. Auch aus der Filmbranche gab es Beileidsbekundungen. In sozialen Netzwerken teilten Fans und Kollegen Szenen aus seiner Karriere und erinnerten an seine markante Stimme und Präsenz.
Die Serie "Die Sopranos" wird bis heute als wegweisend für das sogenannte Golden Age of Television angesehen. Vincent Pastore war ein Teil dieser Revolution, auch wenn er nie die Hauptrolle spielte.
Ein unvergessenes Vermächtnis
Mit "Big Pussy" schuf Vincent Pastore eine Figur, die das Publikum polarisierte: Er war loyal und doch verräterisch, sympathisch und doch bedrohlich. Seine Leistung trug dazu bei, dass Mafiaserien nicht mehr nur mit Klischees arbeiteten, sondern psychologische Tiefe zeigten. Auch wenn andere Schauspieler später in ähnlichen Rollen brillierten, bleibt sein "Big Pussy" ein Urbild des tragischen Gangsters.
Vincent Pastore hinterlässt eine Reihe von Fans, die ihn noch lange vermissen werden. Sein Tod ist ein Verlust für die Film- und Serienwelt.



