Der US-Schauspieler Vincent Pastore, einem Millionenpublikum bekannt als Salvatore „Big Pussy“ Bonpensiero aus der HBO-Serie „Die Sopranos“, ist tot. Er starb im Alter von 80 Jahren. Sein langjähriger Manager Robert Attermann bestätigte der „New York Times“, dass Freunde den Schauspieler am Samstag leblos in dessen Haus im New Yorker Stadtteil Bronx aufgefunden hatten.
Pastore wurde 1946 in der Bronx geboren und wuchs in einer italienisch-amerikanischen Familie auf. Sein Weg zum Schauspieler war ungewöhnlich und begann erst spät. Bevor er mit über 40 Jahren seine Schauspielkarriere startete, hatte er eine ganz andere Laufbahn: Er diente als Soldat, arbeitete als Limousinenchauffeur und Nachtclub-Manager. Laut „New York Times“ besaß er außerdem einen eigenen Club in New Rochelle im Bundesstaat New York.
Vom Chauffeur zum gefeierten Schauspieler
Die Wende kam durch die Schauspieler Matt und Kevin Dillon. Die beiden Brüder kannten Pastore aus seiner Zeit als Chauffeur und waren von seinem natürlichen Charisma derart überzeugt, dass sie ihn massiv dazu drängten, an Castings teilzunehmen. Sie sollten recht behalten: Pastore ergatterte schon bald Rollen in namhaften Produktionen.
So war er unter anderem in Martin Scorseses Mafia-Klassiker „Goodfellas“ (1990) zu sehen sowie in Woody Allens Kriminalkomödie „Manhattan Murder Mystery“ (1993). In beiden Filmen spielte er Figuren aus dem italienisch-amerikanischen Milieu – ein Rollenfach, das ihn fortan begleiten sollte. Er wurde oft als Mafia-Gangster gecastet, doch keine dieser Figuren wurde so legendär wie seine Rolle in den „Sopranos“.
„Die Sopranos“: Seine Paraderolle als „Big Pussy“
Die HBO-Serie „Die Sopranos“ feierte 1999 Premiere und entwickelte sich schnell zu einem Meilenstein der Fernsehgeschichte. Die Geschichte um den New-Jersey-Mafiaboss Tony Soprano, gespielt von James Gandolfini, gewann zahlreiche Auszeichnungen, darunter mehrere Emmy-Preise. Vincent Pastore war von der ersten Staffel an dabei und verkörperte Salvatore „Big Pussy“ Bonpensiero, einen der engsten Vertrauten von Tony.
Sein Spitzname „Big Pussy“ – angelehnt an den italienisch-amerikanischen Begriff „pussy“ für eine dicke Person – wurde schnell zur Marke. Doch die Figur durchläuft eine dramatische Entwicklung: Nachdem das FBI ihn wegen Drogengeschäften festnimmt, wird er zum Informanten. Er verrät die Machenschaften der Mafia-Familie an das FBI, um einer Haftstrafe zu entgehen. Diese Doppelrolle wird ihm zum Verhängnis.
Eine der berühmtesten Todesszenen der TV-Geschichte
Am Ende der zweiten Staffel fliegt „Big Pussys“ Verrat auf. Seine Mafia-Freunde locken ihn auf eine Bootsfahrt, um ihn hinzurichten. Was folgt, ist eine der bekanntesten Szenen der gesamten Serie: Mehrere Mafiosi zielen auf ihn, und Bonpensiero sagt nur den berühmten Satz: „Nicht ins Gesicht, ja?“ – bevor die Schüsse fallen. Diese Szene wird bis heute als einer der eindrucksvollsten Serienmomente überhaupt angesehen.
Sein Tod in der Serie markiert das Ende einer Ära – und den Höhepunkt seiner schauspielerischen Karriere. Der 1946 geborene New Yorker blieb dem Gangsterfach auch nach den „Sopranos“ treu. Er trat in zahlreichen weiteren Filmen und Serien auf, oft in Nebenrollen, aber immer mit seiner unverwechselbaren Präsenz. Sein Schaffen umfasst mehr als fünf Jahrzehnte – obwohl er erst mit über 40 Jahren begonnen hatte.
Mit Vincent Pastore verliert die Unterhaltungsbranche einen Charakterdarsteller, der sich in die Fernsehgeschichte eingeschrieben hat. Seine Darstellung des tragischen Informanten „Big Pussy“ bleibt unvergessen und wird noch Generationen von Zuschauern begleiten. Die „Sopranos“ gelten bis heute als wegweisend für das moderne Qualitätsfernsehen – und Pastore hatte daran maßgeblichen Anteil.



