Die Asiatische Hornisse (Vespa Velutina) breitet sich immer weiter in Deutschland aus. Imker und Naturschützer sind besorgt – doch wie gefährlich ist die invasive Art wirklich? Eine Bestandsaufnahme zeigt: Für Menschen besteht kaum Gefahr, aber für die heimische Insektenwelt und insbesondere für Honigbienen ist sie eine ernste Bedrohung.
Ursprung und Ausbreitung in Europa
Ursprünglich stammt die Asiatische Hornisse aus Südostasien. 2004 wurde sie erstmals in Europa nachgewiesen, und zwar in Südwestfrankreich – vermutlich eingeschleppt mit einer Warenlieferung. Seitdem hat sie sich rasant ausgebreitet, begünstigt durch den Klimawandel und mildere Winter. In Deutschland wurde sie inzwischen in mehreren Bundesländern gesichtet, insbesondere im Westen, aber auch in Berlin und Hamburg gab es bereits Nachweise. Die Karte der Nachweise aus den Jahren 2023 und 2024 zeigt eine deutliche Konzentration entlang des Rheins und im Ruhrgebiet.
Unterschied zur Europäischen Hornisse
Die Asiatische Hornisse ist eine kleinere Verwandte der heimischen Europäischen Hornisse (Vespa Crabro). Während die Europäische Hornisse unter Artenschutz steht und nicht getötet werden darf – bei Verstoß drohen hohe Bußgelder – gilt die Asiatische Hornisse als invasive Art und wird EU-weit bekämpft. Der Grund: Sie vermehrt sich hervorragend in Europa und bedroht die heimische Biodiversität. Die Asiatische Hornisse ist etwas kleiner: Königinnen werden etwa drei Zentimeter groß, während heimische Königinnen auf 3,5 Zentimeter kommen. Arbeiterinnen erreichen rund 2,4 Zentimeter.
Gefahr für Menschen: Gering
Für Menschen ist die Asiatische Hornisse ungefährlich. „Die Tiere haben ihre Nester oft weit oben im Baum“, erklärt Melanie von Orlow vom Naturschutzbund Nabu. „Außerdem verhalten sie sich normalerweise friedlich und defensiv, reagieren aber empfindlich bei Annäherungen unter zwei Metern an ihr Nest. Die Stiche sind nicht gefährlicher als die einheimischer Wespenarten.“ Hornissen zählen zur Familie der Wespen und sind entgegen dem Volksglauben nicht gefährlicher als normale Wespen. Allerdings sollten Allergiker weiterhin vorsichtig sein, da Stiche auch bei heimischen Arten heftige Reaktionen auslösen können.
Die größte Bedrohung: Honigbienen
Das eigentliche Problem liegt in der Nahrung der Asiatischen Hornisse. Sie jagt nahezu alles, was sie finden kann, aber Honigbienen stehen besonders hoch im Kurs. „Ihre Nahrung kann zu 80 Prozent aus Bienen bestehen“, so von Orlow. Besonders im September und Oktober, wenn andere Nahrungsquellen knapp werden, konzentrieren sich die Hornissen auf Bienenstöcke. Sie lauern an den Fluglöchern und fangen die heimkehrenden Bienen direkt ab. Das führt zu teils erheblichen wirtschaftlichen Schäden für Imker. Der Imker Thomas Hock sagt gegenüber der Welt: „Die Velutina macht unter anderem Jagd auf unsere Wildbienen, Hummeln und Honigbienen. Das sind faszinierende Tiere, aber leider eine Bedrohung für unsere Natur. Wenn die heimischen Bestäuber verschwinden, leidet darunter die Artenvielfalt. Für uns Imker ist Velutina ein existenzielles Problem.“
Erkennungsmerkmale und Meldepflicht
Die Asiatische Hornisse ist an ihrer schwarzen Grundfärbung mit einem breiten orangen Streifen am Hinterleib und einer feinen gelben Binde am ersten Segment zu erkennen. Ihre Beine sind gelb gefärbt, was sie von der Europäischen Hornisse unterscheidet, die einen gelben Hinterleib mit schwarzen Punkten und Banden aufweist. Zudem sind Asiatische Hornissen hervorragende Flieger: Sie können in der Luft ruhig stehen und sogar rückwärtsfliegen.
Wer eine Asiatische Hornisse entdeckt, sollte ein Foto machen und den Fundort notieren. Die Sichtung ist meldepflichtig. Zuständig ist zunächst die jeweilige Obere Naturschutzbehörde des Bundeslandes. Dort können die Meldungen eingereicht werden, um die Ausbreitung zu dokumentieren und Bekämpfungsmaßnahmen zu koordinieren. Imker und Bürger sind aufgerufen, wachsam zu sein, um die heimische Biodiversität zu schützen.



