Deutschland hat die ersten extrem heißen Tage des Jahres hinter sich. Am 27. Juni wurden in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt laut Deutschem Wetterdienst 41,8 Grad gemessen – der höchste jemals in Deutschland aufgezeichnete Wert. Meteorologen warnen bereits vor der nächsten großen Hitzewelle Mitte Juli. Diese Entwicklung beschert chinesischen Herstellern von Klimaanlagen einen regelrechten Boom.
Chinesische Klimaanlagen erobern den europäischen Markt
Die anhaltenden Hitzewellen in Europa treiben die Nachfrage nach Klimaanlagen massiv in die Höhe. Davon profitieren vor allem Hersteller aus China. Laut Branchenberichten stieg der Export chinesischer Klimaanlagen nach Europa im ersten Halbjahr 2024 um über 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Deutschland, wo Klimaanlagen in Privathaushalten bisher selten sind, verzeichnen Händler einen sprunghaften Anstieg der Verkaufszahlen.
„Die Nachfrage ist enorm. Viele Menschen suchen nach schnellen Lösungen gegen die Hitze“, sagt ein Sprecher des Elektronikhändlers MediaMarkt. Besonders mobile Klimageräte und Split-Anlagen aus chinesischer Produktion seien gefragt. Auch in Frankreich, Italien und Spanien, die ebenfalls unter extremer Hitze leiden, steigen die Importzahlen aus China deutlich.
Staatsmedien feiern chinesische Technologie als unverzichtbar
Die chinesischen Staatsmedien nutzen den Trend, um die Bedeutung der Volksrepublik für Europa zu unterstreichen. In einem Beitrag des staatlichen Fernsehsenders CCTV hieß es: „Ohne chinesische Klimaanlagen wäre Europa der Hitze hilflos ausgeliefert.“ Die Berichterstattung stellt die Abhängigkeit Europas von chinesischer Technologie als Beweis für die wirtschaftliche Stärke und Innovationskraft Chinas dar.
„China ist der weltweit größte Produzent von Klimaanlagen. Unsere Technologie ist führend und für viele Länder unverzichtbar“, zitiert die Zeitung Global Times einen Branchenexperten. Die Staatsmedien sehen darin einen weiteren Beleg für die These, dass ohne die Volksrepublik in vielen Bereichen nichts mehr funktioniere.
Klimawandel und Hitzerekorde befeuern den Markt
Die Hitzewelle in Europa ist Teil eines globalen Trends. Der Klimawandel sorgt für häufigere und intensivere Hitzewellen. Laut dem EU-Klimawandeldienst Copernicus war der Juni 2024 der heißeste Juni seit Aufzeichnungsbeginn. In vielen europäischen Ländern wurden Temperaturrekorde gebrochen. Dies führt zu einer steigenden Nachfrage nach Kühlung, insbesondere in Ländern, die traditionell nicht auf Klimaanlagen angewiesen waren.
In Deutschland beispielsweise hatten nur etwa 3 Prozent der Haushalte im Jahr 2020 eine Klimaanlage, wie eine Studie des Umweltbundesamts ergab. Doch die extremen Temperaturen der letzten Jahre haben das geändert. Schätzungen zufolge könnte die Verbreitung bis 2030 auf über 10 Prozent steigen. Das entspricht einem Marktvolumen von mehreren Milliarden Euro.
Kritik an der Klimabilanz von Kühlgeräten
Der Boom der Klimaanlagen ist jedoch nicht unumstritten. Umweltschützer weisen darauf hin, dass Klimaanlagen selbst zur Erderwärmung beitragen, da sie viel Strom verbrauchen und oft Kältemittel einsetzen, die klimaschädlich sind. „Die Lösung kann nicht sein, die Hitze einfach wegzukühlen. Wir müssen die Ursachen des Klimawandels bekämpfen und Gebäude besser dämmen“, mahnt eine Sprecherin von Greenpeace.
Dennoch ist angesichts der steigenden Temperaturen kaum mit einer Abschwächung des Trends zu rechnen. Für China sind die europäischen Hitzewellen ein willkommener Wirtschaftsfaktor. Die Exporte von Klimaanlagen tragen dazu bei, die chinesische Wirtschaft zu stützen, die zuletzt unter einer schwachen Inlandsnachfrage litt.
Ausblick: Hitzewelle setzt sich fort
Die Wettervorhersagen für die kommenden Wochen deuten auf weitere Hitzewellen hin. Der Deutsche Wetterdienst erwartet für Mitte Juli erneut Temperaturen über 35 Grad in vielen Regionen Deutschlands. Die Nachfrage nach Klimaanlagen wird daher voraussichtlich weiter steigen. Chinesische Hersteller wie Gree, Midea und Haier haben ihre Produktionskapazitäten bereits ausgeweitet, um die europäische Nachfrage zu bedienen.
Ob Europa langfristig auf chinesische Klimaanlagen angewiesen sein wird, hängt auch von der Entwicklung eigener Technologien ab. Bislang dominieren chinesische Produkte den Markt aufgrund ihrer günstigen Preise und der großen Auswahl. Europäische Hersteller haben es schwer, dagegenzuhalten. Der Trend zeigt: Wenn Europa schwitzt, profitiert China.



