Nord Stream: Ein Wort kostet Pipeline-Betreiber 580 Millionen Euro
Nord Stream: Ein Wort kostet 580 Millionen Euro

Ein einziges Wort in den Versicherungsbedingungen hat die Nord Stream AG rund 580 Millionen Euro gekostet. Ein Londoner Gericht entschied, dass die Versicherer nicht für die Schäden aufkommen müssen, die durch die Sprengung der Ostseepipeline im September 2022 entstanden sind. Das Urteil ist rechtskräftig und betrifft die wirtschaftlichen Folgen des Anschlags.

Hintergrund des Falles

Vor knapp vier Jahren, am 26. September 2022, sprengte ein ukrainisches Kommando Teile der russischen Gaspipeline Nord Stream 1 und 2 in der Ostsee. Die Explosionen verursachten massive Schäden an den Röhren, die monatelang außer Betrieb waren. Die Nord Stream AG, die Betreibergesellschaft mit Sitz in der Schweiz, forderte von ihren Versicherern eine Entschädigung in Höhe von rund 580 Millionen Euro für die Reparaturkosten und entgangene Einnahmen.

Das entscheidende Wort

Das Gericht in London wies die Klage ab. Die Richter argumentierten, dass die Versicherungspolice nur Schäden durch „unfreiwillige“ Ereignisse abdeckt. Die Sprengung sei jedoch eine „vorsätzliche“ Handlung gewesen, die nicht unter den Versicherungsschutz falle. Ein einziger Begriff – „unfreiwillig“ – im Vertragstext sei ausschlaggebend gewesen. Die Nord Stream AG habe nicht nachweisen können, dass die Tat als Unfall im Sinne der Police zu werten sei.

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Reaktionen und Auswirkungen

Ein Sprecher der Nord Stream AG zeigte sich enttäuscht: „Wir respektieren das Urteil, halten es jedoch für falsch. Die Versicherungspolice deckt nach unserer Auffassung auch Schäden durch Sabotage ab.“ Die Versicherer begrüßten die Entscheidung. „Das Urteil bestätigt unsere Rechtsauffassung. Vorsätzliche Zerstörung ist nicht durch eine Standard-Police gedeckt“, erklärte ein Vertreter des führenden Versicherungskonzerns.

Die finanzielle Belastung trifft die Nord Stream AG hart. Das Unternehmen muss nun die Reparaturkosten selbst tragen. Experten schätzen die Gesamtkosten auf über eine Milliarde Euro, da auch die Wiederherstellung der Pipeline und der Betriebsausfall hinzukommen. Die Pipeline ist weiterhin außer Betrieb; eine Wiederaufnahme des Transports russischen Gases ist politisch umstritten.

Politische Dimension

Der Fall hat auch politische Implikationen. Die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines belastet die Beziehungen zwischen Deutschland, Russland und der Ukraine. Die Bundesregierung hatte die Tat scharf verurteilt und eine internationale Untersuchung gefordert. Die Ukraine bestreitet eine offizielle Beteiligung, während russische Stellen von einem „Terrorakt“ sprechen. Die Versicherungsfrage zeigt, wie komplex die rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen des Anschlags sind.

Der SPIEGEL berichtete über das Urteil am 19. Juli 2026. Die Autoren Luis Beyerbach und Christoph Giesen aus London dokumentierten den Fall, der als Präzedenzfall für ähnliche Versicherungsstreitigkeiten gelten könnte. Die Nord Stream AG prüft nun, ob sie weitere rechtliche Schritte einleiten kann.

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