Im südfranzösischen Orange hat die Polizei einen grausigen Fund gemacht: In der Wohnung eines Paares wurden die sterblichen Überreste von fünf Babys entdeckt. Die Leichen lagen in Kartons, wie Ermittlerkreise am Dienstag mitteilten. Der Fund erfolgte, nachdem die 34-jährige Bewohnerin am Montag ein gesundes Baby zur Welt gebracht hatte. Die Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP zunächst nicht zu dem Fall äußern.
Fund nach Hausgeburt – Ermittlungen laufen
Die Frau hatte das Kind offenbar zu Hause entbunden. Rettungskräfte waren alarmiert worden und fanden in der Wohnung nicht nur das Neugeborene, sondern auch die Kartons mit den Leichen. Die genauen Umstände sind noch unklar. Es wird ermittelt, ob die Todesfälle über einen längeren Zeitraum erfolgten und ob das Paar die Schwangerschaften verheimlichte. Nachbarn zeigten sich schockiert: „Wir haben nie etwas bemerkt“, sagte eine Anwohnerin der Lokalzeitung „Le Dauphiné Libéré“.
Wiederholung ähnlicher Fälle in Frankreich
Erst im Februar war in Besançon im Osten Frankreichs ein ähnlicher Fall bekannt geworden. Damals entdeckte die Polizei im Gefrierschrank einer 50-jährigen Frau zwei tote Babys. Die Frau wurde festgenommen. Die Häufung solcher Taten wirft Fragen nach der psychosozialen Betreuung von Müttern und der Erkennung verheimlichter Schwangerschaften auf. Experten fordern mehr Sensibilität bei Ärzten und Hebammen.
Rechtliche Konsequenzen
In Frankreich droht bei Tötung eines Neugeborenen eine lebenslange Haftstrafe. Die Staatsanwaltschaft in Orange hat die Ermittlungen aufgenommen. Eine Obduktion soll Klarheit über die Todesursache der fünf Babys bringen. Auch die psychische Verfassung der Mutter wird untersucht. Der Fall erinnert an die berüchtigte „Affäre von Courbevoie“ aus dem Jahr 2010, als eine Frau acht tote Babys in ihrer Wohnung versteckt hatte.
Gesellschaftliche Debatte
Der Fund löst in Frankreich erneut eine Debatte über verheimlichte Schwangerschaften und Kindstötungen aus. Hilfsorganisationen fordern niedrigschwellige Anlaufstellen für schwangere Frauen in Not. „Viele Mütter haben Angst vor Stigmatisierung und suchen keine Hilfe“, sagte eine Sprecherin des Kinderschutzbundes. Die Politik müsse hier gegensteuern. Derweil warten die Ermittler auf die Ergebnisse der rechtsmedizinischen Untersuchungen.



