Papst Leo XIV. besucht Lampedusa: Appell für EU-Migrationsstrategie
Papst Leo XIV. auf Lampedusa: Appell für EU-Strategie

Papst Leo XIV. hat am Samstag die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa besucht, um der Tausenden im Mittelmeer ertrunkenen Bootsflüchtlinge zu gedenken. Der Pontifex legte auf dem Friedhof Blumen an den Gräbern verstorbener Migranten nieder und verharrte im stillen Gebet. Mit diesem Besuch knüpft Leo XIV. an die Flüchtlingspolitik seines Vorgängers Franziskus an, der die Notlage von Flüchtlingen zu einer Priorität seines Pontifikats gemacht hatte.

Segnung der Gedenktafel für Franziskus

Leo XIV. segnete eine Gedenktafel für Franziskus, nach dem nun der Ankunftsort von Migranten in Lampedusa benannt wird. Der bisher Molo Favaloro genannte Pier heißt künftig Molo Papa Francesco. Die Tafel trägt die Aufschrift: „Molo Papa Francesco – ein Ort der Ankunft, der Hoffnung und der Menschlichkeit“. Der rund 150 Meter lange Landungssteg ist einer der symbolträchtigsten Orte für Migranten im zentralen Mittelmeer. Hier gehen seit Jahren Menschen an Land, die die gefährliche Überfahrt überlebt haben – entweder aus eigener Kraft oder von Hilfsschiffen gebracht.

Begegnung mit Migranten aus dem Hotspot

Der Papst begrüßte Migranten, die für den Besuch aus dem Aufnahmelager der Insel, dem sogenannten Hotspot, zum Pier gekommen waren. Lampedusa gilt als „Ground Zero“ der europäischen Migration und ist der wichtigste Einreiseort für Migranten, die mit Booten aus Libyen oder Tunesien eingeschleust werden. Auf dem nur neun Kilometer langen Eiland spielten sich immer wieder große Dramen ab – mit Hunderten Toten, darunter viele Kinder.

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Mindestens 35.000 vermisste Migranten seit 2014

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) geht von mehr als 35.000 vermissten Migranten im Mittelmeer seit 2014 aus. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer ist vermutlich deutlich höher, da viele Schiffbrüche nie erfasst werden. Leo XIV. durchschritt auch die berühmte Porta d‘Europa, ein Denkmal in Form eines großen Tores am südlichsten Punkt der Insel, das an die Opfer der Flüchtlingskrise erinnert.

Forderung nach langfristiger EU-Strategie

Der Pontifex forderte bei seinem Besuch eine langfristige EU-Strategie für Migration. „Schutz und Integration müssen Vorrang haben – und die Ursachen von Flucht entschlossener bekämpft werden“, sagte das Kirchenoberhaupt. Europa sei aufgrund seiner geografischen Lage und institutionellen Struktur in der Lage, die Krise ganzheitlich anzugehen. Leo XIV. forderte, die Soforthilfe in einen langfristigen strategischen Plan einzubinden, „der Migranten aufnimmt, schützt, fördert und integriert und gleichzeitig auf Entwicklung hinarbeitet, damit niemand zur Auswanderung gezwungen wird“. All dies müsse unter Wahrung der Würde jedes Einzelnen geschehen.

Verantwortung von Institutionen, Zivilgesellschaft und Kirche

Die Verantwortung dafür sieht der Papst nicht allein bei den öffentlichen Institutionen, sondern auch bei der Zivilgesellschaft und der Kirche. Bereits im vergangenen Monat hatte er einen Migrations-Hotspot auf den spanischen Kanarischen Inseln aufgesucht. Er prangerte eine Politik an, die Migranten gleichgültig abweise, und warnte vor Menschenschmugglern, die Gottes Zorn auf sich zögen, indem sie die Verzweiflung der Flüchtlinge ausnutzen.

Messe und Rückflug nach Rom

Am Vormittag feierte der Papst eine Messe, bevor er mittags zurück nach Rom flog. Leo XIV. hat wiederholt betont, wie wichtig es ist, die Würde von Migranten zu wahren, insbesondere angesichts des Massenabschiebungsprogramms der Trump-Regierung in seiner Heimatstadt Chicago. Er richtet sich aber auch an die christlichen Führer Europas.

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