Mindestens zwölf Tote bei Waldbrand in Spanien – 23 Vermisste
Zwölf Tote bei Waldbrand in Spanien – 23 Vermisste

Bei einem verheerenden Waldbrand in der südspanischen Provinz Almeria sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. 23 Menschen werden vermisst, wie der Regionalpräsident von Andalusien, Juan Manuel Moreno, am Freitag im Radiosender Cadena Ser mitteilte. Der TV-Sender RTVE bezeichnete den Brand als den „tödlichsten Waldbrand des 21. Jahrhunderts“ im beliebten Urlaubsland.

Vier Tote in Auto mit Rechtslenkung – Hinweise auf britische Opfer

„Alles deutet darauf hin, dass es sich bei den Toten mehrheitlich – oder sogar ausnahmslos – um ausländische Staatsbürger handelt“, sagte der andalusische Katastrophenschutzminister Antonio Sanz. Vier Tote seien in einem Auto mit dem Lenkrad auf der rechten Seite gefunden worden, was darauf hindeute, dass es sich um britische Staatsangehörige handeln könnte. Die Identifizierung der Leichen steht noch aus. In der Nähe liegt das bei Touristen beliebte Dorf Bédar.

Fluchtversuche mit Autos endeten tödlich

Sanz erklärte, die Behörden hätten die Anwohner aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Dennoch hätten Menschen versucht, mit ihren Autos zu fliehen – und seien umgekommen. „Die Folgen sind schrecklich“, sagte Sanz. Er sprach von einer „beispiellosen Tragödie“ – es sei der Waldbrand „mit den bislang schwersten Folgen“ in Andalusien. „Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unser Herz ist bei Almería und allen Betroffenen.“

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Brandursache: Abgerissene Stromleitung

Der Brand war am Nachmittag in der Gemeinde Los Gallardos, rund 300 Kilometer nordöstlich von Málaga, ausgebrochen. Als Ursache vermuten die Behörden eine abgerissene Stromleitung, die in völlig ausgetrocknete Vegetation fiel, wie der Bürgermeister der nahegelegenen Stadt Antas, Pedro Ridao, dem staatlichen Fernsehsender TVE sagte. „Vor allem der Wind am Nachmittag hat die Ausbreitung begünstigt. Im weiteren Verlauf konnten wir sehen, wie das Feuer rasant voranschritt und Bauernhöfe, Ferienhäuser und Autos verschlang, sodass wir einschreiten mussten“, so Ridao.

Schwierige Löscharbeiten und Evakuierungen

Die Brandbekämpfung gestaltete sich schwierig, da das von zahlreichen Schluchten durchzogene Gebiet den Zugang für die Einsatzkräfte behinderte. Die ganze Nacht kämpften rund 400 Feuerwehrleute und Soldaten gegen die Flammen. Die Bewohner mehrerer Ortschaften wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht. Anwohner sprachen im Fernsehen von einem „Inferno“ und einem „Albtraum“. Auf Videos waren verzweifelte Schreie zu hören: „Was für ein Horror, was für ein Horror!“

Reaktionen aus Politik und Königshaus

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez brachte auf der Plattform X seine „große Trauer und Bestürzung angesichts der schrecklichen Folgen des Brandes“ zum Ausdruck. Auch das Königshaus von Monarch Felipe VI. schrieb auf X: „Tief betroffen über die Tragödie des Waldbrandes von Los Gallardos. Wir sprechen den Familien und Angehörigen der Todesopfer sowie allen Betroffenen unser Mitgefühl und unsere tiefe Anteilnahme aus.“

Erinnerungen an Portugal 2017

Die Tragödie weckt Erinnerungen an die verheerenden Waldbrände im benachbarten Portugal im Juni 2017. Damals starben während einer Hitzewelle mehr als 60 Menschen, die Hälfte von ihnen auf der Flucht in brennenden Autos. In Spanien wütet derzeit eine ganze Reihe von Waldbränden. Seit Jahresbeginn haben großflächige Feuer bereits mehr als 50.000 Hektar Land zerstört, wie Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) zeigen.

Klimawandel begünstigt Brände

Hitzewellen im Mai und Juni haben weite Landstriche in Westeuropa ausgetrocknet und sie in diesem Jahr besonders anfällig für Waldbrände gemacht. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erwärmt sich Europa mehr als doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt, was anhaltende Hitzeperioden immer wahrscheinlicher macht. Erst Anfang der Woche hatte ein außer Kontrolle geratener Waldbrand in Südfrankreich nahe der spanischen Grenze die Evakuierung von mehr als 10.000 Menschen erzwungen.

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Experten kritisieren mangelnde Prävention

Brandexperten beklagten erneut mangelnde Präventionsmaßnahmen und sprechen von einer vermeidbaren Tragödie. Bewohnte Gebiete ließen sich ohne größere Ausgaben besser schützen, behaupteten mehrere Forstexperten und erfahrene Brandbekämpfer in RTVE unisono. „Es ist wie ein ewiges Déjà-vu. Jedes Jahr fordern wir mehr Vorsorgemaßnahmen“, sagte Waldbrandbekämpfer Román García in RTVE. Solche Brände würden durch den Klimawandel und die globale Erwärmung begünstigt. Die zunehmende Trockenheit und der Feuchtigkeitsmangel machten Wälder und Buschland zu leicht entzündlichem Brennstoff und begünstigten die rasche Ausbreitung der Feuer.