Am Samstagabend fuhr ein 21-jähriger Mann mit einem weißen Van in eine Menschenmenge im Berliner Tiergarten, die gerade den Christopher Street Day (CSD) feierte. Eine Frau starb, 29 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Der Täter, Abdul B., floh nach dem Anschlag, wurde aber am Sonntag in einer Kleingartenanlage in Spandau aufgespürt. Bei dem Zugriff des Spezialeinsatzkommandos (SEK) lief er mit einer Stichwaffe auf die Polizisten zu und wurde erschossen. Nach Angaben der Polizei starb er noch am Einsatzort trotz Reanimationsversuchen.
Hintergrund des Täters
Abdul B. war den Ermittlern zufolge bereits polizeibekannt. Das Bundesinnenministerium sprach von einem „hohen Maß an Straftaten“. Laut der Berliner Generalstaatsanwaltschaft hatte der 21-Jährige 2025 versucht, sich im Libanon der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Dafür wurde er dort zu einer Haftstrafe verurteilt, im Mai 2025 in Deutschland zu einer Bewährungsstrafe. Der Mordanschlag am CSD scheint das Ende einer zunehmenden Radikalisierung zu sein.
Reaktionen und Zusammenhalt
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) besuchte am Sonntag den Tatort und legte mit anderen Spitzenpolitikern weiße Blumen nieder. In einer Andacht in der Marienkirche rief er zur Geschlossenheit auf: „Diese Taten haben nur einen Zweck: Sie wollen unsere Gesellschaft spalten, sie wollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben, nämlich unsere Offenheit und unsere Freiheit. Lassen sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern.“ Auch am Brandenburger Tor versammelten sich Hunderte zu einer Gedenkfeier. Auf Plakaten stand „Hass ist tödlich“ und „Ein Angriff auf eine ist ein Angriff auf uns alle“. Menschen legten Blumen nieder, zündeten Kerzen an und umarmten sich.
Ein Radfahrer, der den Tatort betrachtete, sagte unter Tränen: „Da spürt man wieder den ganzen Hass der islamistischen Welt auf den Westen.“ Ein anderer Mann erinnerte an den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz vor fast zehn Jahren. Die Vorsitzende eines queeren Chores betonte: „Jetzt erst recht. Man darf sich nicht einschüchtern lassen. Sonst erreichen diese Menschen ihr Ziel. Wir dürfen uns nicht den Mut nehmen lassen.“
Ermittlungen und Folgen
Die Polizei sperrte den Tiergarten weiträumig ab und suchte mit Wärmebildkameras nach dem Täter. Insgesamt waren Dutzende Einsatzwagen und Sanitäter im Einsatz. Dem Anschlag vorausgegangen war ein bunter CSD-Umzug mit mehr als 80 Trucks, der den ganzen Samstag über stattfand. Die Abschlussparty am Brandenburger Tor wurde durch die Tragödie abrupt beendet. Die Behörden ermitteln nun zur genauen Tatvorbereitung und zur Frage, ob der Täter Helfer hatte.



