Doppelbeben in Venezuela: 164 Tote, Tausende befürchtet – Hilfe aus USA und EU
Doppelbeben in Venezuela: 164 Tote, Tausende befürchtet

Ein Doppelbeben hat Venezuela am Mittwochabend erschüttert und schwere Verwüstungen angerichtet. Die Regierung in Caracas bestätigte mindestens 164 Tote und über 900 Verletzte. Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez sprach von einer Tragödie „noch nie dagewesenen Ausmaßes“ und befürchtet, dass die Opferzahlen deutlich steigen könnten, da aus dem besonders betroffenen Bundesstaat La Guaira noch keine Daten vorliegen.

Die Beben: Stärke, Epizentrum und Ursache

Das erste Beben ereignete sich um 18:04 Uhr Ortszeit (00:04 MESZ) mit einer Stärke von 7,2. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in 21,9 Kilometern Tiefe. Nur 39 Sekunden später folgte ein zweites, noch stärkeres Beben der Stärke 7,5 in nur etwa zehn Kilometern Tiefe, wenige Kilometer nördlich des ersten. Aufgrund der geringeren Tiefe waren die Auswirkungen dieses Bebens verheerender. Die USGS gab für beide Beben einen „roten Alarm“ aus, was auf große Schäden und viele Opfer hindeutet.

Laut USGS ist das zweite Beben das stärkste in Venezuela seit über einem Jahrhundert. Ein noch heftigeres Beben der Stärke 7,7 hatte es zuletzt im Jahr 1900 nordöstlich von Caracas gegeben. Seismologe Adam Pascale vom Seismology Research Institute in Australien erklärte bei CNN: „Eine Stärke von 7,5 mag nicht viel größer erscheinen als 7,2, ist aber aufgrund der Funktionsweise der Skala tatsächlich doppelt so stark. Die Erschütterungen haben deutlich länger angehalten, da zunächst ein erstes Beben die Erschütterungen ausgelöst hat und dann Sekunden später ein stärkeres Beben folgte.“

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Ursache der Beben ist die Bewegung der karibischen und der südamerikanischen Erdplatte, die im Norden Venezuelas auf einer Strecke von vielen hundert Kilometern aneinander vorbeiziehen. Aufgrund von Verwerfungen und Brüchen an den Plattengrenzen baut sich Spannung auf, die sich in Erdbeben entlädt. Marco Bohnhoff vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam erklärte: „Bei einem Erdbeben dieser Stärke verschieben sich die Platten dann plötzlich um mehrere Meter. Da kann man leicht nachvollziehen, wie viel Energie dabei freigesetzt wird.“

Schäden und Rettungsarbeiten

In Caracas stürzten zahlreiche Gebäude ein, darunter Wohnhäuser und Teile des Flughafens. Innenminister Diosdado Cabello bestätigte den Einsturz mehrerer Gebäude in der Hauptstadt. Die Rettungsarbeiten laufen auf Hochtouren. Bürgermeister Gustavo Duque aus der Gemeinde Chacao berichtete in einem Instagram-Video: „Glücklicherweise hören wir Menschen, die noch am Leben sind, und wir werden sie retten. Wir werden diesen Ort nicht verlassen, bis wir die letzte Person gerettet haben, die wir noch lebend retten können.“ Bisher seien 23 Menschen gerettet worden. Viele Bewohner verbrachten die Nacht aus Angst vor weiteren Einstürzen unter freiem Himmel.

Die Zerstörung ist so groß, weil die beiden starken Beben dicht aufeinander folgten und Gebäude, die beim ersten Beben geschwächt wurden, beim zweiten einstürzten. Zudem waren die Beben relativ flach, was die Auswirkungen auf Siedlungen verstärkt. „Weil sie relativ flach waren, sind die Auswirkungen für Siedlungen und Städte besonders groß“, so Bohnhoff.

Internationale Hilfe

Die USA haben bereits Hilfe zugesagt. Außenminister Marco Rubio schrieb auf X: „Amerika steht dem venezolanischen Volk in dieser schwierigen Zeit zur Seite, und auf Anweisung von Präsident Trump entsendet das Außenministerium unverzüglich Such- und Rettungsteams, medizinische Hilfsgüter und humanitäre Hilfe nach Venezuela.“ Rodríguez bedankte sich für die Unterstützung.

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Aus der EU ist ebenfalls Hilfe angelaufen. EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib erklärte auf X, das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus sei aktiviert worden, um Satellitenaufnahmen für die Lageeinschätzung zu liefern. Deutschland bot bis zu sechs Transportflugzeuge A400M der Bundeswehr an, so Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Spanien und China sagten ebenfalls Hilfe zu. Caritas International stellte 100.000 Euro für erste Nothilfen bereit. Jonas Brenner von Caritas international betonte: „Unsere Partnerinnen und Partner der Caritas Venezuela mit ihrem Netzwerk von 30.000 freiwilligen Helferinnen und Helfern sind tief in den Gemeinden verwurzelt.“ Das Beben treffe vor allem Familien, Ältere und Kranke in einem Land, das sich seit Jahren in einer humanitären Krise befinde – geschätzt 7,9 Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen.