Krokodil-Gefängnis: Gericht stoppt Ben-Gvirs umstrittenen Plan
Gericht stoppt Krokodil-Gefängnis in Israel

Das Bezirksgericht Jerusalem hat am Sonntag eine einstweilige Verfügung erlassen, die den Transport von Nilkrokodilen in das israelische Ketziot-Gefängnis vorerst untersagt. Damit ist der umstrittene Plan von Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir, die Reptilien als lebende Sicherheitsbarriere um die Haftanstalt einzusetzen, vorerst gescheitert. Das Gericht begründete die Entscheidung mit Bedenken um das Wohl der Tiere.

Hintergrund: Nilkrokodile als Gefängniswächter

Ben-Gvir, Minister für Nationale Sicherheit, hatte bereits im Dezember 2025 vorgeschlagen, palästinensische Häftlinge in einer von Krokodilen umgebenen Anlage zu verwahren. Nach israelischen Medienberichten sollte ein Pilotprojekt mit Tieren aus dem Wildreservat Hamat Gader in den besetzten Golanhöhen starten. Das Ketziot-Gefängnis in der Negev-Wüste, eines der größten Israels, beherbergt neben palästinensischen Sicherheitshäftlingen auch während des Gaza-Kriegs festgenommene Palästinenser.

Gericht: Sorge um Tierwohl

Der zuständige Richter sah die Befürchtungen einer Tierschutzorganisation als schwerwiegend genug an, um eine Untersuchung anzuordnen. Die Organisation hatte nach Bekanntwerden der Pläne gefordert, Nilkrokodile als geschützte Art einzustufen. Israels Umweltministerin Idit Silman hatte den rechtlichen Status der Tiere im vergangenen Monat geändert und sie als „gezüchtetes Wildtier“ eingestuft. Dadurch können Sicherheitsbehörden grundsätzlich Genehmigungen erhalten, die Reptilien zu Sicherheitszwecken zu halten – bislang war dies nur für Bildungs- und Forschungszwecke möglich.

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Kritik von Behörden und Experten

Die Pläne stießen auf breite Kritik. Sowohl der Rechtsberater des Umweltministeriums als auch die israelische Natur- und Parkbehörde warnten vor der Neueinstufung. Die Behörde argumentiert, Wildtiere müssten geschützt und dürften nicht als Sicherheitsinstrument eingesetzt werden. Zudem verweist sie auf frühere Probleme bei der Krokodilzucht: In der Vergangenheit seien Tiere aus Gehegen entkommen und hätten eine Gefahr für Menschen dargestellt.

Die Tierschutzorganisation warf der Ministerin vor, fachliche Gutachten ignoriert zu haben. Das Gericht folgte dieser Einschätzung und ordnete eine Prüfung an, bevor über eine endgültige Entscheidung befunden wird.

Ben-Gvirs provokante Reaktion

Ben-Gvir reagierte auf die Debatte mit einem provokativen Facebook-Post: „Denken Sie daran zu fliehen? Denken Sie noch einmal nach.“ Dazu veröffentlichte er ein KI-generiertes Bild, das ihn mit einem Krokodil an der Leine zeigt. Der rechtsextreme Politiker ist bekannt für seine harte Linie gegenüber palästinensischen Häftlingen.

Historische Parallelen

Gefängnisse, in denen Krokodile aktiv als Sicherheitsschranke eingesetzt werden, gibt es weltweit nicht. Die Pläne erinnern jedoch an die Abschiebeeinrichtung für Migranten im US-Bundesstaat Florida, die unter Präsident Donald Trump den Spitznamen „Alligator Alcatraz“ erhielt. Dort bildeten Sümpfe mit Alligatoren die natürliche Umgebung der Anlage. Die Einrichtung wurde jedoch nach weniger als einem Jahr im Mai wieder geschlossen.

Ausblick

Die einstweilige Verfügung bedeutet, dass Ben-Gvirs Plan vorerst gestoppt ist. Ob das Projekt endgültig aufgegeben wird, hängt von der geplanten Untersuchung ab. Die Entscheidung des Gerichts könnte weitreichende Folgen haben – sowohl für den Umgang mit Wildtieren als auch für die Sicherheitspolitik Israels.

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