Die Todesfahrt vom Tiergarten hat noch in der Nacht zu Sonntag massive Fahndungsmaßnahmen der Sicherheitsbehörden ausgelöst. Der Tatverdächtige Abdul B. ist flüchtig – die Polizei sucht ihn in ganz Berlin.
GSG 9 durchkämmt Anhalter Bahnhof
Am Sonntagmorgen durchkämmte die Anti-Terror-Einheit GSG 9 den Anhalter Bahnhof in Kreuzberg. Dieser befindet sich einige Hundert Meter südlich des Potsdamer Platzes und des Tatorts im südlichen Tiergarten. Der unterirdische S-Bahnhof ist in einer leichten Kurve lang gekrümmt, es gibt zwei Bahnsteige, an denen die Züge, die den Nord-Süd-Tunnel vom und zum Potsdamer Platz durchfahren, halten. Eines der vier Gleise – ein Stumpfgleis – endet vor einem Prellbock. Es liegt unter dem Rest der Ruine des historischen Anhalter Bahnhofs aus der Kaiserzeit, der im Zweiten Weltkrieg einen schweren Bombentreffer bekam und nach dem Krieg gesprengt wurde.
Mit mehreren Fahrzeugen war die GSG 9 am Sonntagmorgen am Anhalter Bahnhof im Einsatz. Mehrere dunkelgraue Fahrzeuge der GSG 9 standen am Morgen über Stunden an der Straßenkreuzung und den Eingängen zum Bahnhof. Die schwer bewaffneten Spezialkräfte, behelmt und vermummt, suchten den Bahnhof offenbar nach dem Tatverdächtigen ab. Der Einsatz am Anhalter Bahnhof dauerte mehrere Stunden an. Im Zwischengeschoss wurden Türen zu Räumen geöffnet, die sonst verschlossen sind. Abdul B. fanden die Einsatzkräfte nicht. Am späten Vormittag zogen sie ab. Im Zwischengeschoss gibt es zahlreiche verwinkelte Räume. Nirgendwo war der Tatverdächtige zu finden.
Meldeadresse in Tiergarten erfolglos durchsucht
In der Nacht hatte es die Polizei schon in der Bissingzeile im Ortsteil Tiergarten versucht, gleich an der Grenze zu Schöneberg und nicht weit vom Potsdamer Platz und dem Tatort entfernt. Dort ist die Meldeadresse von Abdul B. Auf dem Klingelschild ist sein Name jedoch nur per Klebestreifen ergänzt worden, eigentlich ist dort der Name der bundesweit verzweigten Großfamilie C. vermerkt. Ermittler rechnen einige Angehörige dem Clan-Milieu zu, sie gelten zudem als Anhänger der Hisbollah. Abdul B. soll mit dem „Islamischen Staat“ (IS) sympathisieren.
Die Polizeiaktion begann dort nach Informationen der „Welt“ gegen 1.10 Uhr. Demnach war in dem Mietshaus ein sehr lauter, explosionsartiger Knall zu hören. Laut „Welt“-Bericht rückte die Polizei gegen 1.25 Uhr wieder ab. Eine Festnahme gab es nicht. Niemand war in der Wohnung, auch Abdul B. nicht.
Erinnerungen an Anschlag auf Breitscheidplatz
Am Sonntagmittag ist Abdul B. weiterhin auf der Flucht. Erinnerungen an den großen Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz im Dezember 2016 werden wach: Damals dauerte die Suche nach dem Täter vier Tage – Polizisten erschossen ihn auf einem Bahnhof in Italien. Die Behörden halten alle Optionen offen. (mit pab)



