Landrat kritisiert miese Pünktlichkeit des Prignitz-Express RE6
Prignitz-Express RE6: Pünktlichkeit unter 60 Prozent kritisiert

Der Landrat von Ostprignitz-Ruppin, Ralf Reinhardt (SPD), hat eine deutliche Verbesserung der Betriebsqualität auf dem Prignitz-Express RE6 gefordert. „Der Zug hat mittlerweile eine Pünktlichkeit von weniger als 60 Prozent“, sagte Reinhardt am Sonntag. „Das ist nur noch eine Zumutung für den Reisenden.“ Die Strecke verbindet Wittenberge über Neuruppin mit Berlin und ist für Pendler und Urlauber gleichermaßen wichtig.

Massive Verspätungen und Zugausfälle belasten Fahrgäste

Laut Reinhardt sind die Verspätungen und Zugausfälle in den letzten Monaten drastisch gestiegen. Viele Fahrgäste berichten von regelmäßigen Wartezeiten von mehr als 30 Minuten. Besonders problematisch sei die morgendliche Hauptverkehrszeit, wenn Berufspendler auf eine zuverlässige Anbindung angewiesen sind. „Wer pünktlich zur Arbeit kommen will, kann sich auf den RE6 nicht verlassen“, so der Landrat.

Die Unzuverlässigkeit hat laut Reinhardt auch wirtschaftliche Folgen: Unternehmen in der Region klagten über verspätete Mitarbeiter und Produktionsausfälle. „Wir brauchen dringend eine Stabilisierung des Fahrplans“, forderte er.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Alternativstrecke rückt wieder in den Fokus

Um den Druck auf die bestehende Verbindung zu mindern, bringt Reinhardt erneut eine Alternativstrecke ins Gespräch. Eine mögliche Option sei die Reaktivierung der Bahnlinie über Wittstock/Dosse oder die Nutzung von Buskorridoren. „Wir müssen alle Möglichkeiten prüfen, um die Anbindung der Region zu sichern“, sagte er. Konkrete Pläne lägen aber noch nicht vor.

Die Diskussion um eine alternative Route ist nicht neu. Bereits vor zwei Jahren hatte der Landkreis Vorschläge für eine zweite Schienenverbindung nach Berlin vorgelegt, die jedoch an fehlenden Investitionen scheiterte.

Reaktionen aus der Politik und von der Bahn

Das Verkehrsministerium des Landes Brandenburg hat auf die Kritik reagiert. Ein Sprecher kündigte an, die Pünktlichkeitszahlen des RE6 monatlich zu überprüfen. „Wir nehmen die Beschwerden ernst“, so der Sprecher. „Gemeinsam mit der DB Regio arbeiten wir an Maßnahmen zur Verbesserung.“

Die Deutsche Bahn verwies auf technische Störungen und Personalmangel als Hauptursachen für die Verspätungen. „Wir bedauern die Unannehmlichkeiten und tun alles, um die Situation zu verbessern“, teilte ein Bahnsprecher mit. Man setze auf zusätzliche Triebfahrzeugführer und optimierte Wartungsintervalle.

Fahrgäste fordern Entschädigung

In sozialen Medien und Bürgerforen äußerten sich betroffene Fahrgäste empört. Viele fordern nicht nur bessere Pünktlichkeit, sondern auch finanzielle Entschädigungen für wiederholte Verspätungen. Ein Pendler aus Neuruppin berichtete: „Ich habe in den letzten zwei Monaten fast 20 Euro für Taxifahrten ausgegeben, weil der Zug ausgefallen ist. Das kann nicht sein.“

Nach geltendem EU-Recht haben Fahrgäste bei Verspätungen ab 60 Minuten Anspruch auf eine Entschädigung von 25 Prozent des Fahrpreises. Viele wissen jedoch nicht, wie sie ihr Recht geltend machen können.

Auswirkungen auf den Tourismus in der Prignitz

Die mangelhafte Anbindung schadet auch dem Tourismus in der Region. Die Prignitz ist bekannt für ihre Natur- und Kulturangebote, doch viele Besucher scheuen die unzuverlässige Zugverbindung. „Gäste aus Berlin fragen uns, ob der Zug überhaupt fährt“, sagte ein Hotelier aus Wittenberge. „Das ist ein echtes Imageproblem.“

Der Landrat forderte daher auch vom Landtag mehr Mittel für den Ausbau der Schieneninfrastruktur. „Die Prignitz darf nicht abgehängt werden“, so Reinhardt. „Wir brauchen eine starke Schiene für die Zukunft der Region.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration