Mehr als vier Monate nach der Tötung von Ajatollah Ali Chamenei durch einen israelischen Luftangriff am 28. Februar beginnen im Iran die öffentlichen Trauerfeierlichkeiten. Der Leichnam des früheren obersten Führers wird drei Tage lang in der Hauptstadt Teheran aufgebahrt, bevor er zu weiteren Zeremonien in die Pilgerstadt Ghom und anschließend in den Irak gebracht wird. Die Beisetzung ist für den 9. Juli in seiner Heimatstadt Maschhad geplant. Die Staatstrauer dient sowohl als Abschied für die Anhänger als auch als Machtdemonstration der Regierung.
Schiffsverkehr in der Straße von Hormus erholt sich
Der Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zeigt laut einer Analyse des maritimen Datenanbieters Lloyd's List Intelligence eine deutliche Erholung. In der vergangenen Woche durchquerten 258 Schiffe die Meerenge, verglichen mit nur 138 in der Woche vor den iranischen Angriffen auf zwei Handelsschiffe. Der Iran hatte am 26. und 28. Juni zwei Schiffe attackiert, die auf einer vom Oman in Abstimmung mit der UN-Schifffahrtsorganisation IMO festgelegten Route unterwegs waren. Teheran besteht darauf, dass Schiffe ausschließlich eine Route vor der iranischen Küste nutzen.
USA und Iran beenden Gespräche ohne Durchbruch
Die indirekten Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Doha sind Insidern zufolge ohne Anzeichen für eine Annäherung beendet worden. Die Unterhändler konzentrierten sich auf Themen wie den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus und finanzielle Anreize, die eigentlich bereits vor zwei Wochen hätten geklärt werden sollen. US-Präsident Donald Trump sprach zwar von Fortschritten bei der Einschränkung des iranischen Atomprogramms, doch Insidern zufolge war das Atomprogramm bei den Fachgesprächen kein Thema. Die Delegationen verhandelten über Vermittler aus Katar und Pakistan.
Katar: Weitere Gespräche so bald wie möglich
Katar kündigte an, dass weitere Gespräche zwischen den USA und dem Iran „zum frühestmöglichen Zeitpunkt“ nach der Beerdigung Chameneis stattfinden sollen. Der katarische Außenamtssprecher Madschid al-Ansari erklärte auf X, bei den Treffen seien „positive Fortschritte“ erzielt worden. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, waren zu Gesprächen in Katar, um ein dauerhaftes Ende des Krieges zu erreichen. Irans Chefunterhändler Kazem Gharibabadi war ebenfalls beteiligt.
Iran droht USA und Israel während Trauerfeier
Der Iran drohte den USA und Israel mit Vergeltung für den Fall von Angriffen während des Staatsbegräbnisses. Kommandeur Ali Abdollahi vom zentralen Hauptquartier Chatam al-Anbija erklärte in einer von staatlichen Medien verbreiteten Erklärung: „Wir warnen die Feinde des Iran, insbesondere die USA und das zionistische Regime, vor jeglicher Fehleinschätzung.“ Die Streitkräfte würden auf jede Bedrohung und Aggression mit einer harten Reaktion antworten.
Iran pocht auf Kontrolle der Straße von Hormus
Irans Streitkräfte beanspruchen weiterhin die Kontrolle über die Straße von Hormus. In einer Erklärung der Militärführung hieß es, alle Öltanker und Handelsschiffe seien verpflichtet, ausschließlich die vom Iran festgelegte Route zu nutzen. „Jede Missachtung dieser Vorgabe wird mit einer unverzüglichen und entschlossenen Reaktion beantwortet.“ Der Iran will Insidern zufolge eine dauerhafte formelle Anerkennung seines Kontrollrechts sowie Gebühren für die Schiffspassage durchsetzen, notfalls auch mit Gewalt.
Paris und London sichern Straße von Hormus mit Oman ab
Frankreich und Großbritannien haben mit dem Oman eine Zusammenarbeit zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus vereinbart. Der Oman erklärte sich bereit, mit beiden Ländern zusammenzuarbeiten, um die Sicherheit der Schifffahrt in seinen Hoheitsgewässern zu gewährleisten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einer „positiven Entwicklung“ nach „konstruktiven Gesprächen“ mit dem Sultan von Oman. Der französische Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ kehrt in seinen Heimathafen zurück, während Minenräumkräfte und ihre Eskorte vor Ort bleiben.
Türkischer Außenminister löst Empörung in Israel aus
Israels Außenminister Gideon Saar warf seinem türkischen Kollegen Hakan Fidan eine „Entmenschlichung des jüdischen Volkes“ sowie „Aufruf zum Völkermord“ vor. Fidan hatte die israelische Politik und Denkweise als eine Last bezeichnet, die die Menschheit nicht länger ertragen könne, und Israel als ein Problem für die gesamte Menschheit dargestellt. Anlass war Israels formelle Anerkennung des Völkermords an den Armeniern. Die türkische Regierung sprach von einem politischen Vergeltungs- und Ablenkungsmanöver.
Ausländische Gäste zu Trauerfeier eingetroffen
Kurz vor Beginn der Trauerfeiern empfing der Iran zahlreiche Staatsgäste, darunter Regierungsvertreter aus China, Belarus, dem Irak und Turkmenistan. Das iranische Staatsfernsehen zeigte ihre Ankunft in Teheran. Zu den Zeremonien werden mehrere Millionen Menschen aus dem Iran und Nachbarländern erwartet. Der Sarg Chameneis wurde bereits in der Großmoschee Mosalla aufgebahrt.
Reederei CMA CGM: Normalisierung dauert Monate
Die französische Reederei CMA CGM rechnet damit, dass eine Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus mehrere Monate dauern wird. Konzernchef Rodolphe Saade sagte der Zeitung „Les Echos“, seit Beginn des Iran-Krieges säßen mehrere Schiffe im Golf fest. Derzeit führten rund 60 Prozent der Schiffe des Unternehmens durch den Suezkanal, während 40 Prozent die längere Route um Afrika nähmen.
Pistorius sieht vorerst keinen Hormus-Marine-Einsatz
Verteidigungsminister Boris Pistorius geht nicht von einer baldigen Beteiligung der Bundesmarine an einer Sicherung der Straße von Hormus aus. „Im Augenblick gibt es kein Szenario, das ich sehe, in den nächsten Tagen oder Wochen, dass der Korken schnell aus der Flasche kommt und wir in die Straße von Hormus einfahren könnten, um Minen zu räumen“, sagte der SPD-Politiker in Berlin. Zwei deutsche Minenräumschiffe liegen derzeit im Hafen von Dschibuti, wurden aber für den Fall eines Friedensschlusses entsandt. Pistorius nannte die iranische Ablehnung einer Minenräumung durch andere Staaten als Grund für seine Skepsis.
Irak: Drohnenangriff auf Lager iranischer Kurden
Eine mit Sprengstoff beladene Drohne hat irakischen Sicherheitskreisen zufolge ein Lager einer iranisch-kurdischen Oppositionsgruppe im Nordirak angegriffen. Bei dem Vorfall im Bezirk Koysandschaq östlich von Erbil brach ein Feuer aus. Berichte über mögliche Opfer liegen zunächst nicht vor. Die Verantwortung für den Angriff ist unklar.
Iran: Revolutionsgarden töten fünf kurdische Kämpfer
Die iranischen Revolutionsgarden haben im Nordwesten des Landes fünf Mitglieder der verbotenen Demokratischen Partei des Iranischen Kurdistans (PDKI) getötet. Die Gruppe sei in den bergigen Grenzgebieten nahe der Stadt Piranschahr in einen Hinterhalt geraten, berichteten staatliche Medien. Nach Angaben der kurdischen Menschenrechtsorganisation Hengaw ereigneten sich die Kämpfe am Mittwochabend.
Netanjahu befiehlt Zerstörung der Hisbollah-Infrastruktur
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Armee angewiesen, die Infrastruktur der schiitischen Hisbollah-Miliz im Südlibanon vollständig zu zerstören. Netanjahu bezog sich laut Regierungspresseamt auf alle ober- und unterirdischen Anlagen, die die Miliz für Angriffe auf Israel genutzt habe. Er sagte: „Das ist die Anweisung: Lasst nichts zurück, und genau das tun Sie.“ Netanjahu schloss einen Abzug der Armee aus dem Grenzgebiet aus, bis die Hisbollah vollständig entwaffnet sei.
Mindestens drei Tote bei neuen Angriffen in Gaza
Bei neuen israelischen Angriffen im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben mindestens drei Menschen getötet worden. Zwei von ihnen seien bei einem Luftangriff im Nordwesten der Stadt Gaza ums Leben gekommen, ein dritter bei einem Angriff auf ein Auto im Zentrum der Stadt, teilte der von der Hamas kontrollierte Zivilschutz mit. Das israelische Militär gab an, es habe sich um bewaffnete Kämpfer gehandelt.
Spionage für Iran: US-Bürger in Israel festgenommen
Die israelische Polizei hat einen 20 Jahre alten US-Bürger wegen des Verdachts auf Spionage für den iranischen Geheimdienst festgenommen. Der Mann aus dem Großraum Jerusalem habe „sensible Orte“ in Israel fotografiert und gefilmt, berichteten israelische Zeitungen. Er soll pro Auftrag bis zu Hunderte Dollar erhalten haben. Ihm droht eine Anklage wegen Kontaktaufnahme zu einem ausländischen Agenten und Gefährdung der nationalen Sicherheit.



