Name von vermisster deutscher Frau in Epstein-Akten aufgetaucht
Im Zuge der Veröffentlichung von Dokumenten des US-Justizministeriums zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist offenbar der Name einer seit 2015 vermissten Deutschen aufgetaucht. Die Akten sollen E-Mails enthalten, in denen eine damals 22-jährige Frau namens Michele erwähnt wird – offenbar mit dem Ziel, sie an Epstein zu vermitteln. Das berichten der „Spiegel“ und das ZDF.
Demnach schickte ein mutmaßlicher Rekrutierer Epsteins im Jahr 2014 Fotos der jungen Frau und bat um ein Flugticket. In der begleitenden Nachricht habe es geheißen: „Du wirst sie lieben.“ Ob ein Treffen tatsächlich stattfand, ist unklar. Micheles Eltern sagten dem „Spiegel“, sie habe als Teenager von einer Karriere als Model geträumt.
Frau verließ Wohnung der Mutter und verschwand
Michele habe im September 2015 mit einem Koffer die Wohnung ihrer Mutter verlassen, berichten „Spiegel“ und das ZDF – seitdem fehle jede Spur von ihr. Angehörigen zufolge habe sie seit 2012 in Kontakt mit Daniel Siad gestanden, einem Schweden mit algerischen Wurzeln, der offenbar als Anwerber für Epstein tätig war und den Michele in Dubai kennenlernte.
In einer weiteren Nachricht an Epstein schrieb Siad dem Bericht zufolge: „Ich hatte zwei Mädchen aus Schweden, eine Slowakin, zwei Französinnen und die Russin … Die Französin ist 15. Ihre Eltern sind sehr glücklich, dass ihre Tochter Model wird.“
Siad taucht in den veröffentlichten Akten mehr als 1800 Mal auf. In Frankreich wird gegen ihn bereits wegen des Verdachts auf Menschenhandel und Vergewaltigung in anderen Fällen ermittelt. Er bestreitet die Vorwürfe. Auf Anfragen von „Spiegel“ und ZDF reagierte er nicht.
Micheles Familie gab im Oktober 2015 eine Vermisstenanzeige auf. Die Polizei prüfte damals, ob die junge Frau in einem Nachbarland oder einem angrenzenden Bundesland aufgegriffen worden war – ohne Ergebnis. Eine aktive Suche sei mangels Hinweisen auf eine Straftat nicht möglich gewesen, hieß es. Michele sei volljährig und dürfe gehen, wohin sie wolle.
Noch im Frühjahr 2026 habe die Polizei gesagt, eine öffentliche Fahndung nach Michele sei weiterhin nicht geplant, berichten „Spiegel“ und ZDF. Nun wollen die Behörden demnach prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden kann. Der Nachname und einstige Wohnort von Michele wurden auf Bitten der Eltern nicht veröffentlicht.
Der verurteilte Straftäter Jeffrey Epstein hatte zahlreiche Frauen und Minderjährige missbraucht. 2019 beging er in seiner Gefängniszelle Suizid.



