120 ballistische Raketen und rund 90 nordkoreanische Soldaten sollen in der westrussischen Region Woronesch stationiert werden. Das teilte der Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Andrij Tschernjak, mit. Damit weitet sich die militärische Kooperation zwischen Moskau und Pjöngjang weiter aus. Bereits 2024 hatten beide Staaten einen gegenseitigen Verteidigungspakt geschlossen.
Ausweitung der Militärkooperation
Nordkorea hat bereits Millionen von Artilleriegranaten an Russland geliefert. Ukrainischen Angaben zufolge befinden sich zudem etwa 9500 nordkoreanische Soldaten in der russischen Region Kursk, die direkt an die Ukraine grenzt. Vergangene Woche wurden durch eine nordkoreanische Rakete im Dorf Raduschne mindestens fünf Menschen getötet, so ukrainische Behörden.
Die Ukraine hat Schwierigkeiten, sich gegen ballistische Raketen zu verteidigen. Es fehlen moderne Flugabwehrsysteme. Russland nutzt diese Schwachstelle aus, indem es vermehrt ballistische Raketen einsetzt, die schwer abzufangen sind. Militärexperte Rob Lee von der Denkfabrik Foreign Policy Research Institute in Philadelphia sagte, die nordkoreanischen Waffen stellten eine erhebliche Bedrohung für Kyjiw dar. Besonders besorgniserregend sei der Zustand der Luftverteidigung im kommenden Winter, wenn Russland erneut das Stromnetz angreifen könnte.
Raketen mit größerer Reichweite, aber ungenauer
Die nordkoreanischen Raketen vom Typ KN-23 und KN-24 haben eine größere Reichweite als das russische Äquivalent Iskander. Allerdings sind sie ukrainischen Militärangaben zufolge weitaus ungenauer und werden mit Angriffen mit hohen zivilen Opferzahlen in Verbindung gebracht. Russland setzt diese Raketen seit Ende 2023 ein.
Das russische Verteidigungsministerium und die nordkoreanische UN-Vertretung in New York reagierten zunächst nicht auf Anfragen der Nachrichtenagentur Reuters.
Japan rüstet auf, Nordkorea droht
Unterdessen wachsen auch die Spannungen zwischen Nordkorea und Japan. Die japanische Regierung sieht angesichts der militärischen Aktivitäten Nordkoreas, Chinas und Russlands dringenden Bedarf für einen weiteren Ausbau seiner Streitkräfte. Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi erklärte, es sei „unerlässlich“, Japans Verteidigungsfähigkeiten mit einem stärkeren „Gefühl der Dringlichkeit und Krise als je zuvor“ auszubauen und umzustrukturieren.
Japan hat bereits seine Verteidigungsausgaben erhöht, Raketen auf abgelegenen Inseln stationiert und Fähigkeiten für Gegenangriffe aufgebaut. Im April lockerte Tokio zudem seine selbst auferlegten Beschränkungen für Waffenexporte erheblich.
Nordkorea droht mit „zusätzlichen militärischen Optionen“
Nach der Bekanntgabe japanischer Pläne will Nordkorea nach eigenen Angaben „zusätzliche militärische Optionen“ schaffen. Kim Ju Ae, die einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong Un, warf Japan laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA die „Verwandlung in einen Kriegsstaat“ vor. „Wir werden niemals ein passiver Zuschauer der militärischen Entwicklung Japans bleiben, die eine ernste Bedrohung darstellen könnte“, erklärte sie demnach.



