Im Gazastreifen blüht der Schwarzmarkt, während der Wiederaufbau nach dem verheerenden Krieg stockt. Besonders der Zigarettenschmuggel floriert und stärkt die islamistische Hamas. Eine vertrauenswürdige Quelle berichtet unserer Redaktion, dass die Gewinnspannen enorm sind: Eine Packung Zigaretten, die in Ägypten weniger als einen Euro kostet, wird im Gazastreifen für fast 200 Euro verkauft. Die Hamas soll einer der Hauptnutznießer sein.
Schmuggelring fliegt auf
Anfang Februar erschütterte ein Skandal Israel: Bezalel Zini, der Bruder des Chefs des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, wurde festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, an einem Schmugglerring beteiligt zu sein, der Zigaretten in den abgeriegelten Gazastreifen brachte. Auch israelische Reservisten und Palästinenser aus dem Westjordanland und Gaza sollen beteiligt sein. Für den Schmuggel von 14 Kartons Zigaretten soll Zini fast 100.000 Euro erhalten haben, wie israelische Medien berichten.
Schmuggel trotz Festnahmen
Trotz der Festnahmen gehen die Schmuggelaktionen offenbar weiter. Die Quelle berichtet, dass Zigaretten in Logistikzentren im ägyptischen El Arisch oder im israelischen Hafen Aschdod in Kartons verpackt werden, die eigentlich für Hilfsgüter bestimmt sind. Die israelische Regierungsbehörde COGAT, die für die Koordination zwischen Israel und Gaza zuständig ist, gibt sich bedeckt. Sie betont, dass täglich 600 Lastwagen mit humanitärer Hilfe einfahren dürfen, nach gründlichen Sicherheitskontrollen.
Hamas festigt Macht durch Schmuggel
Die Hamas hatte nach dem Krieg, den sie mit dem Terrorüberfall am 7. Oktober 2023 auslöste, erheblich an Schlagkraft verloren. Viele Führer und Tausende Kämpfer starben. Mit den Einnahmen aus dem Schmuggel kann die Hamas jedoch neue Rekruten gewinnen und sich neu strukturieren, warnten israelische Sicherheitsbehörden im Februar. Dies stelle eine erhebliche Bedrohung für Israels Sicherheit dar und verschlechtere die Lage der leidgeprüften Bevölkerung im Gazastreifen.
Friedensplan stockt
Der von US-Präsident Donald Trump im September verkündete Friedensplan kommt nicht voran. Ein Fonds mit 17 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau ist laut Financial Times leer. Israel pocht auf die Entwaffnung der Hamas, während diese auf eine vollständige Öffnung der Grenzübergänge drängt. Die Installation einer unabhängigen Zivilverwaltung (NCAG) zur Steuerung des Wiederaufbaus steht in den Sternen, da Israel die Einreise nicht erlaubt.
Fragiler Waffenstillstand
Die Waffenruhe ist brüchig. Die israelischen Streitkräfte haben eine Gelbe Linie im Osten und eine Orange Linie deklariert, in denen Zugang für Hilfsorganisationen koordiniert werden muss. Netanjahu kündigte an, die Kontrolle auf bis zu 70 Prozent des Gazastreifens auszuweiten. Die etwa zwei Millionen Bewohner werden auf immer kleinerem Raum zusammengedrängt, kritisiert Shai Grunberg von der israelischen Menschenrechtsorganisation Gisha. Sie fordert die verlässliche Öffnung der Grenzübergänge und vollständigen humanitären Zugang.
Schwarzmarkt als Folge der Isolation
Der anhaltende Schmuggel ist laut Grunberg eine Konsequenz der Isolierung des Gazastreifens. Wenn der Zugang zu Waren stark eingeschränkt und kontrolliert wird, entstehen zwangsläufig Schwarzmärkte. Diese stärken die Hamas und erschweren den Friedensprozess zusätzlich.



