Bei erneuten russischen Raketenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw sind in der Nacht mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Fünf weitere Personen wurden verletzt, darunter ein Kind, teilten die Rettungsdienste mit. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete auf Telegram von Einschlägen in zwei Stadtteilen: In einem Lager im Westen und einem unbewohnten Haus in einem östlichen Bezirk seien Brände ausgebrochen. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, das russische Militär habe in zwei Wellen mindestens acht ballistische Raketen auf die Dreimillionenstadt und ihre Umgebung abgefeuert.
Schwierige Abwehr ballistischer Raketen
Ballistische Raketen sind aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit deutlich schwieriger abzuwehren als Marschflugkörper. Während die ukrainische Flugabwehr eine relativ hohe Trefferquote gegen Drohnen und Marschflugkörper erzielt, ist sie gegen ballistische Raketen weitgehend machtlos. Die Angaben der Regierungen und Armeen sowie Bilder und Videos aus der Region lassen sich nicht immer unabhängig verifizieren.
Starmer reist nach Kiew
Der scheidende britische Premierminister Keir Starmer reist am Donnerstag zu Gesprächen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Kiew. Sein Büro teilte mit, es handle sich um einen der letzten Auslandsbesuche Starmers vor seinem Rücktritt am Montag. Geplant sind Gespräche über die Fortschritte bei der militärischen Ausrüstung der Ukraine und die künftige Ausrichtung der Verbündeten. Nachfolger Starmers soll Labour-Politiker Andy Burnham werden.
Erneut Tote in Saporischschja
Im südostukrainischen Gebiet Saporischschja sind mindestens fünf Zivilisten durch russische Angriffe getötet worden. In der Gebietshauptstadt Saporischschja starben drei Menschen, 15 wurden verletzt, teilte Gouverneur Iwan Fedorow auf Telegram mit. Zuvor hatte er zwei getötete Männer durch Drohnenangriffe in der frontnahen Stadt Orichiw gemeldet.
Ukrainischer Verteidigungsminister Fedorow erklärt Rücktritt
Der ukrainische Verteidigungsminister Mychailo Fedorow hat seinen Rücktritt erklärt. „Es war eine große Ehre, dem ukrainischen Volk als Verteidigungsminister zu dienen“, schrieb er auf Telegram. Präsident Selenskyj hatte am Sonntag eine Regierungsumbildung angekündigt, die auch den Rücktritt von Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko vorsah. Fedorow zählte in einer langen Stellungnahme die Erfolge seines Ministeriums auf, in einer kürzeren legte er seine Misserfolge dar. Selenskyj begründete die Umbildung mit „neuen Herausforderungen und neuen Aufgaben“ und kündigte auch Wechsel bei Strafverfolgungsbehörden an. Die Umbildungen bedürfen der Zustimmung des Parlaments, das sich seit Kriegsbeginn weitgehend hinter den Präsidenten gestellt hat.
Russische Energiekonzerne bitten Indien um Benzin
Führende russische Energiekonzerne bitten indische Raffinerien um Benzinlieferungen, nachdem ukrainische Angriffe einen erheblichen Teil der russischen Raffineriekapazitäten lahmgelegt haben. Mindestens eine Ladung indischen Benzins sei bereits nach Russland unterwegs, weitere würden erwartet, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Zu den Unternehmen, die Kontakt aufgenommen haben, gehören Rosneft, Gazprom Neft und Lukoil. Drei indische staatliche Ölverarbeiter erklärten, sie hätten keine Überschüsse für den Export.
Russland wirft Ukraine Tötung von Chefingenieur vor
Der Chefingenieur des von Russland kontrollierten Atomkraftwerks Saporischschja, Alexej Jakowlew, ist nach russischen Angaben bei einem ukrainischen Angriff getötet worden. Eine Drohne habe einen Dienstwagen zwischen dem Kraftwerk und der Stadt Enerhodar getroffen, teilte der Chef des staatlichen Atomkonzerns Rosatom, Alexej Lichatschow, mit. Jakowlew und sein Fahrer seien ums Leben gekommen. Russland warf der Ukraine einen „gezielten Terroranschlag“ vor. Eine Stellungnahme der Ukraine liegt zunächst nicht vor.
Selenskyj: Keine Entscheidung über Verteidigungsminister
Präsident Selenskyj erklärte, dass über die künftige Rolle von Mychajlo Fedorow noch keine endgültige Entscheidung getroffen sei. Er wolle vor einer Personalentscheidung Gespräche mit der Führung des Verteidigungsministeriums und dem militärischen Oberkommando führen. Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine berichtet unter Berufung auf Quellen von erheblichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Fedorow und dem Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj über die Kriegsführung und die Rüstungsbeschaffung.
Vorerst keine EU-Einigung auf Russland-Sanktionen
Die 27 EU-Staaten haben sich nicht auf ihr geplantes 21. Sanktionspaket gegen Russland einigen können, dafür aber den Ölpreisdeckel kurzfristig verlängert. Der Preisdeckel werde bis zum 23. Juli auf dem aktuellen Niveau eingefroren, um ein Ansteigen zu verhindern, teilten Diplomaten in Brüssel mit. In der kommenden Woche sollen die Vertreter erneut über das vollständige Sanktionspaket verhandeln. Die EU hatte einen dynamischen Ölpreisdeckel eingerichtet, um den Höchstpreis für russisches Öl unter dem Weltmarktpreis zu halten. Angesichts steigender Ölpreise infolge des Iran-Kriegs will die EU diese Anpassung aussetzen, um eine Erhöhung der Preisobergrenze von derzeit rund 44 Dollar pro Barrel zu vermeiden.
Baltenstaaten warnen vor russischen Provokationen
Die Präsidenten Litauens und Lettlands, Gitanas Nauseda und Edgars Rinkevics, haben vor möglichen russischen Provokationen an der Nato-Ostflanke gewarnt. Sie berichteten von Geheimdienstinformationen über russische Pläne für Sabotageversuche und hybride Angriffe auf kritische Infrastruktur. „Wir müssen äußerst auf die Phase des Krieges in der Ukraine vorbereitet sein, in der Russland keine Siege mehr erringt“, sagte Rinkevics. Russland könnte dann dazu übergehen, indirekt den Nato-Beistandsartikel 5 zu testen. Nauseda sagte, Russland sei zwar nicht zu einem großangelegten Militärschlag gegen die Nato fähig, könne aber kleinere Operationen vorbereiten, die kritischen Infrastrukturen erheblichen Schaden zufügen könnten.
Selenskyj: Ukraine kann Patriot-Raketen bis Jahresende selbst bauen
Die Ukraine dürfte nach Einschätzung von Präsident Selenskyj das US-Luftabwehrsystem Patriot bis zum Jahresende selbst herstellen können. Er rechne damit, dass sein Land bis dahin technisch dazu in der Lage sein werde, sagte Selenskyj vor Journalisten. Die Ukraine verfüge zudem über einen Entwurf für eine Startrampe und eine Rakete für das europäische Raketenabwehrprojekt Freyja.
Tote und Verletzte in Ostukraine
Durch russischen Beschuss sind im ostukrainischen Gebiet Donezk mindestens zwei Menschen getötet und acht verletzt worden, teilte Militärgouverneur Wadym Filaschkin mit. Die Siedlung Jasna Poljana und die nahe Stadt Kramatorsk, nur etwa zwölf Kilometer von der Frontlinie entfernt, waren Angriffsziele. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion.
Selenskyj schlägt Naftogaz-Chef als neuen Ministerpräsidenten vor
Präsident Selenskyj will den Chef des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz, Serhij Korezkyj, zum neuen Ministerpräsidenten nominieren. „Die Prioritäten sind klar – die Vorbereitung auf den Winter“, erklärte Selenskyj. Das Parlament soll voraussichtlich am Donnerstag über die Personalie abstimmen. Eine Zustimmung gilt als sicher. Die bisherige Regierungschefin Julija Swyrydenko wurde entlassen. Der Rücktritt der Ministerpräsidentin zieht automatisch die Demission des gesamten Kabinetts nach sich.
Ukraine: Haben wichtiges Kraftwerk auf Krim angegriffen
Das ukrainische Militär hat eigenen Angaben zufolge ein Kraftwerk in Sewastopol auf der von Russland annektierten Krim angegriffen. Bei der nächtlichen Attacke sei das Wärmekraftwerk Balaklawa getroffen worden, teilten die ukrainischen Spezialkräfte mit. Die Anlage ist für fast die Hälfte der Stromerzeugung auf der Halbinsel verantwortlich. Nach ukrainischen Angriffen wird in Sewastopol stundenweise der Strom abgeschaltet.
Merz: Selenskyj lehnt assoziierte EU-Mitgliedschaft nicht ab
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Vorschlag einer assoziierten EU-Mitgliedschaft nach den Worten von Kanzler Friedrich Merz nicht abgelehnt. Er habe nur innenpolitisch ein Problem mit dem Begriff, weil dieser durch die innerukrainische Debatte im Jahr 2013 negativ besetzt sei, betonte Merz in der Bundespressekonferenz.
Sanktionen für Käufer russischer Energie: China weist US-Pläne zurück
China hat US-Pläne zu verschärften Sanktionen für Käufer russischer Energie scharf kritisiert. Außenamtssprecher Lin Jian warf Washington einen „doppelten Standard und Nötigung“ vor. China gehört zu den größten Abnehmern russischen Öls. Ein überparteilicher Gesetzesentwurf von vier US-Senatoren hatte die Zustimmung von US-Präsident Donald Trump gefunden, der damit Strafzölle und Sanktionen verhängen könnte. „China lehnt einseitige Sanktionen entschieden ab, die nicht im Völkerrecht verankert sind“, sagte Lin.



