Seit sechs Monaten war BILD-Reporter Paul Ronzheimer nicht mehr in der Ukraine. Nun ist er zurück und berichtet über eine grundlegend veränderte Lage an der Front und in den Städten. Seine Analyse zeigt: Die Ukraine hat technologisch aufgeholt, doch der Preis dafür ist hoch – Russlands Diktator Wladimir Putin (73) antwortet mit verstärktem Raketenterror gegen die Zivilbevölkerung.
Technologischer Vorsprung verändert die Kriegsdynamik
Die Ukraine habe sich durch den Einsatz von Drohnen, Elon Musks Satelliteninternet Starlink und die Unterstützung Europas und der USA einen technologischen Vorsprung erarbeitet, so Ronzheimer. Viele, die vor wenigen Monaten noch einen russischen Sieg im Donbas für wahrscheinlich hielten, räumten inzwischen ein, dass sich die Lage geändert habe. Friedensgespräche nach den Vorstellungen von US-Präsident Donald Trump (80) und Putin, die wohl kaum mehr als einen Diktatfrieden gebracht hätten, seien vom Tisch.
Ukrainische Regierungsvertreter erwarten eine weitere Eskalation durch Putin. Niemand rechne mit ernsthaften Friedensgesprächen, ähnlich äußerten sich zuletzt auch russische Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Raketenterror gegen die Zivilbevölkerung
Die Zivilbevölkerung spürt derzeit auf brutalste Weise, wie Putin auf die Fortschritte der ukrainischen Verteidiger reagiert. Dutzende Ukrainer kamen in den vergangenen Tagen durch russische Angriffe ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt. Zum ersten Mal seit Beginn der russischen Vollinvasion sei auch Ronzheimer bei nächtlichem Raketenalarm in den Keller gegangen. Die Flugabwehr reiche vielerorts nicht mehr aus, vor allem ballistische Raketen schlügen immer häufiger ein – mit verheerenden Folgen.
Selenskyj unter innenpolitischem Druck
Für Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) wachsen die innenpolitischen Probleme. Die Kritik an ihm wird lauter: Er gehe nicht konsequent genug gegen Korruption vor, kontrolliere die Medien zu stark und beschäftige sich bereits taktisch mit möglichen Neuwahlen. Auch die Mobilisierung der ukrainischen Armee wird immer kontroverser diskutiert. Immer mehr Videos zeigen Männer, die gegen ihren Willen eingezogen werden. Die Frage nach der Gerechtigkeit wird lauter: Warum können sich manche dem Militärdienst entziehen, während andere seit Jahren an der Front kämpfen?
Ronzheimer fasst seine fünf wichtigsten Erkenntnisse zusammen: Die Ukraine habe sich einen technologischen Vorsprung erarbeitet, Friedensgespräche seien vom Tisch, Putins Eskalation treffe die Zivilbevölkerung hart, Selenskyj stehe innenpolitisch unter Druck und die Mobilisierung sorge für Unmut. Die Lage bleibe dynamisch und angespannt.



