Die US-Streitkräfte haben in der vergangenen Nacht rund 140 iranische Militärziele mit Präzisionsmunition angegriffen. Die Attacke sei ein Vergeltungsschlag für den Angriff auf das Containerschiff „GFS Galaxy“ in der Straße von Hormus gewesen, teilte das US-Regionalkommando Centcom mit. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten daraufhin die Sperrung der Meerenge „bis auf Weiteres und bis zum Ende der amerikanischen Interventionen in dieser Region“.
Hintergrund der Eskalation
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hatte sich in der Nacht zum Sonntag dramatisch zugespitzt. Auslöser war der Beschuss des unter zyprischer Flagge fahrenden Containerschiffs „GFS Galaxy“ durch die iranischen Revolutionsgarden. Laut Centcom brach an Bord des Schiffes ein Feuer aus, und wegen erheblicher Schäden konnte es seine Fahrt nicht fortsetzen. Ein indischer Staatsbürger wird vermisst, wie das Außenministerium in Neu-Delhi mitteilte.
Die Revolutionsgarden hatten eigenen Angaben zufolge Warnschüsse auf das Schiff abgegeben, da es sich auf einer nicht genehmigten Route befunden habe. Sie drohten zudem mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Golfregion. Teherans Führer Modschtaba Chamenei kündigte Rache für seinen Vater an, während ein Berater die strategische Bedeutung der Straße von Hormus betonte: Sie sei „wichtiger als Dutzende von Atombomben“.
US-Angriffswelle mit 300 Zielen
Die US-Streitkräfte griffen mit land- und seegestützten Kampfflugzeugen, Drohnen und Marineschiffen an. Zu den Zielen gehörten iranische Raketen- und Drohnenstellungen, Marineeinrichtungen, Munitionslager, Kommunikationsnetze und Küstenüberwachungsstandorte. Insgesamt habe Centcom während der drei Angriffswellen binnen einer Woche auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump mehr als 300 Ziele getroffen, hieß es.
Nach iranischen Angaben wurde bei den US-Angriffen ein iranischer Soldat getötet. Der Marinesoldat sei einem Angriff auf den Hafen von Dschask im Süden des Landes zum Opfer gefallen, meldeten die Nachrichtenagenturen Mehr und Tasnim unter Berufung auf einen Behördenvertreter. Die USA erklärten, die Angriffe dienten dazu, die Fähigkeit des Iran zu schwächen, zivile Seeleute und Handelsschiffe anzugreifen.
Reaktionen der Golfstaaten
In mehreren mit den USA verbündeten Golfstaaten herrschte Alarm. Die Vereinigten Arabischen Emirate wehrten nach eigenen Angaben Angriffe mit Raketen und Drohnen aus dem Iran ab. Auch Kuwait meldete „feindliche Ziele“ im eigenen Luftraum, die von der Luftabwehr bekämpft wurden. In Bahrain ertönten Warnsirenen, und die Bewohner wurden aufgefordert, Schutz zu suchen. Katar riet zur vorübergehenden Einstellung des Schiffsverkehrs und meldete drei Verletzte durch herabfallende Trümmerteile.
Der Oman meldete Drohnenangriffe nahe der Straße von Hormus in der nördlichen Provinz Musandam. Die omanische Enklave ragt in die Meerenge hinein. Der Oman verurteilte die Attacken und kündigte Schutzmaßnahmen an. Zudem legte Maskat einen Vorschlag für eine gebührenfreie Durchfahrt der Straße von Hormus vor, über den noch verhandelt wird.
Iranische Vergeltungsschläge
Die iranischen Revolutionsgarden bekannten sich zu Angriffen auf US-Militärbasen in Jordanien und den Golfstaaten. Sie hätten „wichtige militärische Infrastruktur“ auf der Prince Hassan Air Base in Jordanien angegriffen, teilten sie mit. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen. In Jordanien waren zuvor drei iranische Raketen eingeschlagen, ohne dass es Verletzte gab. Der Iran drohte mit „noch schärferen Reaktionen“ auf die „fortgesetzte Aggression“ der USA.
Auswirkungen auf die Schifffahrt
Die Sperrung der Straße von Hormus hat unmittelbare Auswirkungen auf den Welthandel. Die Zahl der kommerziellen Durchfahrten sei bereits vor der Ankündigung drastisch gesunken, berichtete der Analyst Michael McDonough. In den letzten 24 Stunden wurden nur noch elf Handelsschiffe gezählt, darunter acht Tanker und drei Trockenfrachter – ein Bruchteil der üblichen 57 Durchfahrten. Die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO meldete, dass die Crew eines weiteren Containerschiffs nach einem Brand von Bord gegangen sei.
Katar empfahl eine vorübergehende Aussetzung aller meeresbasierten Aktivitäten, einschließlich Fischerei und Freizeitfahrten. Das Transportministerium des Golfstaats riet, Fahrten bis auf Weiteres zu unterlassen. Auch die USA betonten, die Durchfahrt von Handelsschiffen werde fortgesetzt, doch die Lage bleibt angespannt.



