Archäologen entdecken Verstecke im Getto Bedzin: Zeugnisse jüdischen Widerstands
Verstecke im Getto Bedzin entdeckt: Zeugnisse des Widerstands

Verstecke im Getto Bedzin entdeckt

Bei archäologischen Ausgrabungen im früheren jüdischen Getto von Bedzin in Südpolen haben Forscher zwei unterirdische Verstecke entdeckt, in denen sich junge Menschen vor der SS verborgen hielten. Die Funde zeugen vom mutigen Widerstand gegen den nationalsozialistischen Rassenwahn während des Zweiten Weltkriegs.

Bis zu 60 Menschen in einem Versteck

In einem zweistöckigen Backsteinhaus, das einst im Getto lag, fanden die Archäologen einen Bunker und einen Tunnel. Die Organisation Cukerman's Gate Foundation leitete die Suche. Experten schätzen, dass sich in dem unterirdischen Versteck bis zu 60 Juden verbergen konnten. Der Zugang erfolgte durch einen Küchenofen, wie Piotr Jakoweńko erklärte.

Fundstücke mit Symbolkraft

Neben den Verstecken bargen die Forscher ein 1934 gedrucktes jüdisches Gebetbuch und ein Armband mit dem Davidstern. Karolina Jakoweńko von der Stiftung beschrieb den Fund als bewegend: „Es ist, als würde man das Böse direkt berühren, das Menschen anderen Menschen angetan haben.“ Das Armband sei ein eindringliches Zeitzeugnis.

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Geschichte des Gettos Bedzin

Die Stadt Bedzin in Oberschlesien gehörte ab 1918 zu Polen. Vor dem Krieg lebten dort rund 27.000 Juden. Nach der Besetzung durch die Wehrmacht im September 1939 begannen sofort antisemitische Übergriffe. Die Synagoge wurde niedergebrannt, Hunderte starben. Anfang 1940 mussten alle Juden in ein Getto umziehen, wo auf engstem Raum bis zu 24.000 Menschen lebten. Ab Mai 1942 deportierte die SS sie nach Auschwitz-Birkenau. Bis Sommer 1943 waren die meisten ermordet. Nur junge Männer und einige Frauen blieben zurück und bildeten eine Untergrundbewegung.

Widerstand mit und ohne Waffen

Als die SS am 31. Juli 1943 das Getto räumte, leisteten einige bewaffneten Widerstand. Sie hatten etwa 20 Waffen hineingeschmuggelt. Joanna Król-Komła vom Museum für die Geschichte der polnischen Juden betont: „Einige entschieden sich dafür, mit der Waffe in der Hand zu sterben.“ Doch auch das Verstecken von Angehörigen oder der Bau von Bunkern sei eine Form des Widerstands gewesen.

Einzigartiger Ort der Erinnerung

Das Haus diente als Stützpunkt einer zionistischen Jugendgruppe. Die Eigentümer, die katholische Familie Polak, lebten während des Krieges mit Juden zusammen und gewährten später Besuchern Zutritt. Sie verkauften das Anwesen an die Stiftung, die dort ein Museum einrichten will. Król-Komła hebt hervor: „In Bedzin wurde das Versteck von den Juden selbst organisiert – das ist selten.“

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