Fifa scheitert an Inklusivität: Menschenrechtsorganisationen kritisieren WM
Fifa scheitert an Inklusivität bei WM

Kurz vor dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA ziehen Menschenrechtsorganisationen eine vernichtende Bilanz. Auf einer Pressekonferenz in New York kritisierten Vertreter von Human Rights Watch, der Sport & Rights Alliance und Amnesty International USA scharf die mangelnde Inklusivität des Turniers. Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte vor der WM die „größte und inklusivste WM aller Zeiten“ versprochen – mit 48 Mannschaften und 104 Spielen wurde zwar die Größe erreicht, die Inklusivität aber nicht eingelöst.

Schweigeminute für ICE-Opfer gefordert

Minky Worden, Direktorin für globale Initiativen bei Human Rights Watch, forderte zu Beginn der Pressekonferenz eine Schweigeminute vor dem Finale. Damit solle an zwei Personen erinnert werden, die in diesem Monat von Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE erschossen wurden: ein Kolumbianer in Maine und ein Mexikaner in Houston. „Die beiden werden nicht in der Lage dazu sein, das Spiel zu schauen“, so Worden. „Wenn wir an diese WM denken, wird die Welt auch an die Tötungen durch ICE und die Abschiebungen durch ICE denken, die zeitgleich mit der Weltmeisterschaft stattfanden.“

Sportswashing und politische Instrumentalisierung

Jules Boykoff, ehemaliger Profispieler und Autor, warf der Trump-Regierung vor, die WM für politische Zwecke instrumentalisiert zu haben. „Wir haben definitiv Sportswashing gesehen. Die Menschenrechte und sozialen Probleme wurden einfach beiseitegeschoben. Die WM hat uns gezeigt, dass Sport Politik mit anderen Mitteln ist.“ Als Beispiele nannte Boykoff die Visumsprobleme vieler Fans und Spieler aus Ländern wie dem Iran, Irak oder Südafrika. Der somalische Schiedsrichter Omar Artan wurde kurz vor Turnierstart an der Einreise gehindert und konnte nicht am Turnier teilnehmen. Nach außen wirke dies unfair, nach innen signalisiere Trump damit Konsistenz, so Boykoff.

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Einflussnahme auf den Sport

Ein weiterer Vorfall betraf den US-Spieler Falorin Balgoun, der im Sechzehntelfinale eine Rote Karte erhielt und für das nächste Spiel gesperrt gewesen wäre. Nach einem Anruf Trumps bei Infantino wurde die Sperre aufgehoben, was von Fußballfans als Eingriff in die Autonomie des Sports kritisiert wurde. Boykoff kommentierte: „Nach innen gibt Trump sich so aber als starker Mann, dessen Willen sich sogar internationale Organisationen beugen müssen.“

WM nur für Privilegierte

Die Organisationen kritisierten zudem, dass die WM vor allem für wohlhabende Europäer zugänglich war. Fans aus Marokko, Jordanien, Ägypten, Irak und Usbekistan durften gar nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen einreisen. „Es war eine WM für ein paar glückliche Europäer, die sich die außerordentlichen Ticketpreise leisten konnten. Zum Glück gab es viele Fans in der Diaspora, die in den US-Stadien für Stimmung gesorgt haben. Aber mit ihrem Versprechen, eine WM für alle auszurichten, ist die Fifa gründlich gescheitert“, so Boykoff.

Queere Fans fühlten sich nicht willkommen

Lily Dong Li Rosengard von der queeren Dachorganisation Ilga-Europe wies auf die erschwerte Lage für queere Personen hin. „Viele Nationen fühlten sich nicht sicher, ihre LGBT-Communitys dazu zu ermutigen, zur WM hinzufliegen.“ Die WM sei „definitiv nicht inklusiv“ gewesen. In republikanischen Bundesstaaten wurden Gesetze verabschiedet, die LGBT-Rechte einschränken, und der Oberste Gerichtshof der USA erlaubte es Bundesstaaten, trans Sportlerinnen aus dem Frauen- und Mädchensport auszuschließen. „Der Sport ist ein Schlachtfeld für kulturelle Probleme und wird als Mittel genutzt, um Gemeinschaften weiter zu spalten“, so Rosengard. Sie kritisierte, dass die Fifa sich im Kampf gegen Queerfeindlichkeit nicht einbringe – eine „Kapitulation vor der Trump-Administration“.

Eingeschränkte Pressefreiheit

Gypsy Kaiser vom Committee to Protect Journalists (CPJ) bemängelte die zunehmend feindselige Umgebung für Journalisten in den USA. „Journalisten standen bei der Berichterstattung über diese Weltmeisterschaft vor einer Vielzahl von Herausforderungen, da das Umfeld für Reporter, insbesondere in den USA, zunehmend feindselig geworden ist.“ Im Vorfeld des Turniers hätten sie und ihre Kollegen außergewöhnlich viele Sicherheitsschulungen durchgeführt. „Die Fifa muss die Pressefreiheit gewährleisten.“

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