Der Iran-Krieg dauert nun 100 Tage an. Begonnen am 28. Februar mit einem gemeinsamen Angriff Israels und der USA auf das Mullah-Regime, zeigen sich nun tiefe Risse in der Kriegsallianz zwischen US-Präsident Donald Trump (79) und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu (76). Der jüngste iranische Angriff auf Israel und die unterschiedlichen Vorstellungen über die Reaktion stellen die Freundschaft der beiden Politiker auf eine harte Probe.
Trump beansprucht Führungsrolle
Trump sendet seit Tagen klare Signale, dass er die Richtung der weiteren militärischen Schritte im Nahen Osten allein bestimmt. Nach den jüngsten iranischen Angriffen auf Israel erklärte er gegenüber der „Financial Times“, Netanjahu müsse ein künftiges Abkommen der USA mit dem Iran akzeptieren. „Ich habe absolut das Sagen. Er hat nicht das Sagen“, stellte er unmissverständlich klar. Netanjahu scheint jedoch nicht mehr bereit, sich dieser Linie zu beugen.
Uneinigkeit über den richtigen Ausstieg
Beide Länder sind sich einig, dass der Iran in die Schranken gewiesen werden muss. Doch über den Weg aus dem Krieg gehen die Meinungen auseinander. Trump strebt einen dauerhaften Waffenstillstand, die Öffnung der Straße von Hormus und ein neues Atomabkommen an. Netanjahu hingegen befürchtet, dass jeder Kompromiss dem Iran Zeit gibt, sich zu erholen. Daher hält Israel den militärischen Druck aufrecht, auch gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah im Libanon. Trump zeigte sich darüber verärgert und sagte: „Ich bin nicht glücklich darüber.“
Innenpolitischer Druck auf beiden Seiten
Politikwissenschaftler Thomas Jäger (65, Uni Köln) analysierte gegenüber BILD: „Trump dachte, der Krieg sei spätestens nach fünf Wochen mit einem großen Sieg beendet. Netanjahu ließ ihn in diesem Glauben, wusste es aber besser. Jetzt treibt sie auseinander, dass ein Großteil von Trumps Basis den Krieg ablehnt, Netanjahu aber auf Angriffe reagieren muss.“ Trump benötigt vor den Zwischenwahlen im November niedrigere Energiepreise und keinen weiteren Nahost-Ärger. Netanjahu hingegen muss vor der israelischen Parlamentswahl im Herbst Stärke demonstrieren – ein Kompromiss mit dem Iran könnte ihm von rechten Parteien als Schwäche ausgelegt werden.
Iran spielt seine Stärke aus
Der führende Iran-Experte in Israel, Raz Zimmt, sieht die Kooperation zwischen USA und Israel trotz der Differenzen nicht unmittelbar gefährdet. „Es ist nicht davon auszugehen, dass diese Zusammenarbeit vorerst endet. Allerdings könnte Trump bald den Druck auf Israel erhöhen, um eine weitere Eskalation zu verhindern und eine Wiederaufnahme der Waffenruhe zu erreichen“, so der Experte gegenüber BILD. Er warnt jedoch: „Die erneuten Angriffe könnten zu einer gefährlichen Eskalation führen, die in ein Wiederaufflammen eines umfassenden Krieges münden würde.“ Der Angriff auf Israel zeige erneut, „dass die gegenwärtige iranische Führung hart auftritt, kaum Einschränkungen unterliegt, fest zur Hisbollah steht und über ein hohes Maß an Selbstvertrauen verfügt“. Teheran wisse, dass Trump „aus dem Desaster einfach raus wolle“, ergänzt Jäger – und dieses Wissen spiele es rücksichtslos aus. „Zuerst trieb der Iran einen Keil zwischen die USA und die arabischen Staaten, jetzt zwischen die USA und Israel“, so der Experte. Davon profitiere vor allem der Gegner: Iran.



