Die iranische Atomenergieorganisation hat den USA einen „aggressiven und brutalen Akt“ vorgeworfen: Ein im Bau befindliches Atomkraftwerk im Südwesten des Iran sei von US-Streitkräften mit mehreren Geschossen attackiert worden. Die Anlage Darchowin in der Provinz Chusestan nahe der irakischen Grenze sei Ziel des Angriffs gewesen, erklärte die Organisation in einer vom staatlichen Fernsehen verbreiteten Stellungnahme. Der Bau des Druckwasserreaktors mit einer geplanten Leistung von 300 Megawatt hatte Ende 2022 begonnen und sollte ursprünglich um 2030 fertiggestellt werden.
IAEA prüft Angriffsberichte
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte mit, sie prüfe die Berichte über den nächtlichen Angriff auf die Baustelle. Die Anlage befinde sich in einer sehr frühen Bauphase, und bei der letzten Inspektion habe sich kein nukleares Material in ihr befunden, so die IAEA. Angaben zu Schäden, Verletzten oder einer Freisetzung radioaktiver Stoffe machte die iranische Atomenergieorganisation bislang nicht. Eine Stellungnahme der USA liegt bisher nicht vor.
Eskalation zwischen USA und Iran
Der gemeldete Angriff erfolgte im Kontext der seit Tagen eskalierenden gegenseitigen Attacken zwischen den USA und dem Iran. Der Tod zweier US-Soldaten bei iranischen Angriffen am Wochenende hatte zu einer weiteren Verschärfung des Konflikts geführt. Iranischer Revolutionsführer Ali Chamenei drohte den USA zuvor mit „unvergesslichen Lektionen“.
Kuwait meldet iranischen Angriff auf Infrastruktur
In Kuwait hat ein iranischer Angriff auf eine Strom- und Wasseraufbereitungsanlage ein Feuer ausgelöst. Das Ministerium für Strom, Wasser und erneuerbare Energien erklärte auf X, die Anlage sei „infolge der abscheulichen iranischen Aggression zum zweiten Mal binnen zwei Tagen angegriffen“ worden. Eine „große Anzahl“ von Stromgeneratoren sei betroffen, ein Notfallplan wurde aktiviert. Bereits am Samstag war eine Ölanlage getroffen worden. Die Führung des Golfstaats rief die Einwohner zur Einschränkung ihres Stromverbrauchs auf.
Israel beobachtet Raketenbeschuss auf Akaba
Die israelische Armee gab bekannt, Raketenbeschuss aus dem Iran auf die jordanische Küstenstadt Akaba am Roten Meer beobachtet zu haben. Akaba liegt nur wenige Kilometer von der israelischen Grenze entfernt. Die Armee warnte vor möglichen Auswirkungen auf israelischem Gebiet. In mehreren Teilen Jordaniens ertönten Warnsirenen, wie der regierungsnahe Fernsehsender Al-Mamlaka berichtete.
Evakuierungsmeldungen widersprüchlich
Die US-Botschaft teilte mit, der Flughafen und Hafen in Akaba würden aufgrund einer „spezifischen und glaubwürdigen Bedrohung“ evakuiert. Jordaniens Kommunikationsminister Mohammed al-Mumani widersprach: Die Behörden hätten keine Evakuierungsanordnung erlassen, der Betrieb laufe normal. Die staatliche Nachrichtenagentur Petra und Al-Mamlaka bestätigten den regulären Betrieb.
Jordanische Streitkräfte fangen Raketen ab
Die jordanischen Streitkräfte haben nach staatlichen Angaben drei iranische Raketen abgefangen, die auf das Königreich abgefeuert worden waren. Eine vierte Rakete sei in einem abgelegenen Gebiet niedergegangen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur. Es gebe weder Opfer noch Sachschäden, so ein Militärvertreter. Akaba, die einzige Küstenstadt Jordaniens, liegt nahe der Grenzen zu Israel und Saudi-Arabien und ist ein wichtiger Touristenort mit Zugang zu Seewegen sowie Ausgangspunkt für Besuche in Wadi Rum und Petra.



