Krieg in Nahost: Warum Iran trotz US-Behauptungen Raketen abfeuern kann
Der Konflikt im Nahen Osten eskaliert weiter. Der Iran hat erneut Raketenangriffe auf Israel durchgeführt, obwohl US-Präsident Donald Trump zuvor behauptet hatte, das iranische Raketenprogramm sei zerstört worden. Wie ist das möglich? Im Interview erklärt Sicherheitsexperte Timur Kadyshev die Hintergründe und zeigt auf, wo die Schwachstellen der US-Verteidigung liegen.
Die anhaltende Bedrohung aus Teheran
Die jüngsten Angriffe zeigen, dass der Iran weiterhin über bedeutende militärische Fähigkeiten verfügt. Kadyshev betont: „Der Schaden ist real, aber nicht so umfassend, wie Trump es darstellt.“ Das iranische Raketenprogramm sei dezentralisiert und nutze mobile Abschussrampen, die schwer zu orten und zu zerstören seien. Zudem verfüge der Iran über ein großes Arsenal an Kurz- und Mittelstreckenraketen, die auch nach gezielten Schlägen noch einsatzbereit seien.
Schwachstellen der US-Verteidigung
Der Experte weist auf mehrere Defizite der US-Luftabwehr hin. „Die amerikanischen Abwehrsysteme sind nicht perfekt. Sie können nicht alle Raketen abfangen, insbesondere wenn sie in großer Zahl und aus verschiedenen Richtungen abgefeuert werden.“ Hinzu komme, dass die USA nicht über ein flächendeckendes Radarnetz in der Region verfügten, um frühzeitig zu warnen.
Die strategische Bedeutung der Angriffe
Die iranischen Raketenangriffe dienen nicht nur der militärischen Schädigung, sondern auch der Demonstration von Stärke. „Der Iran will zeigen, dass er trotz internationaler Sanktionen und militärischer Schläge handlungsfähig ist“, so Kadyshev. Dies habe auch eine innenpolitische Komponente: Das Regime stabilisiere seine Macht, indem es sich als entschlossener Gegner Israels und der USA präsentiere.
Ausblick: Eskalation oder Deeskalation?
Die Frage, ob die Situation weiter eskaliert, hängt von mehreren Faktoren ab. Kadyshev sieht die Gefahr einer Spirale der Gewalt: „Jeder Angriff wird mit einem Gegenschlag beantwortet. Ohne diplomatische Initiativen droht ein langwieriger Konflikt.“ Die internationale Gemeinschaft sei gefordert, vermittelnd einzugreifen, bevor die Lage außer Kontrolle gerate.
Das Interview zeigt: Die militärische Realität im Nahen Osten ist komplexer, als es die simplen Behauptungen aus Washington vermuten lassen. Der Iran bleibt ein ernstzunehmender Akteur, und die US-Verteidigung hat ihre Grenzen.



