Die vereinbarte Waffenruhe im Konflikt zwischen den USA und Iran ist auch in der Nacht zum Dienstag gebrochen worden. Um 16.45 Uhr US-Ostküstenzeit (22.45 Uhr MESZ) starteten die Streitkräfte eine neue Angriffswelle, teilte das zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) auf X mit. Es war die dritte Nacht in Folge, in der US-Truppen Ziele in Iran bombardierten.
Centcom: Angriffe schränken Irans Fähigkeiten ein
Die Angriffe würden die Fähigkeit Irans weiter einschränken, unschuldige Zivilisten und die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus zu attackieren, hieß es in der Centcom-Mitteilung. US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor weitere Angriffe auf Iran angekündigt. Das US-Militär werde heute Abend und morgen hart zuschlagen, sagte er am Montagnachmittag (Ortszeit) in einem Radiointerview. Iran könne nichts dagegen tun.
Trump droht mit Angriff auf „Pickaxe Mountain“
Trump suggerierte in dem Interview auch, dass die USA eine tief unter der Erde gelegene Einrichtung angreifen könnten, die auch als „Pickaxe Mountain“ bekannt ist. Über ihren Zweck wird wegen der Nähe zur Atomanlage Natans schon länger spekuliert. Eine These lautet, dass Iran dort eine geheime Anlage zur Anreicherung von Uran errichten wolle, das für den Bau von Atomwaffen verwendet werden könnte. Pickaxe sei „ein mögliches Ziel“ für einen „großen, fetten“ Angriff, sagte Trump. Wahrscheinlich werde es „relativ bald“ passieren.
Iran attackiert zwei Tanker der Emirate
Iran hat nach Angaben der Vereinigten Arabischen Emirate zwei Tanker der Emirate in der Straße von Hormus angegriffen. Wie das Verteidigungsministerium des US-Verbündeten auf X bekannt gab, wurden die Schiffe bei der Durchquerung auf der südlichen Schifffahrtsroute innerhalb der omanischen Hoheitsgewässer von zwei Marschflugkörpern getroffen. Dabei sei ein indisches Besatzungsmitglied getötet worden, zudem seien acht verletzt worden, vier davon schwer.
Bei den Verletzten handele es sich um sechs indische und zwei ukrainische Staatsangehörige, hieß es weiter. Zudem seien Brände auf beiden Tankern ausgebrochen, schließlich aber unter Kontrolle gebracht worden. Der Angriff stelle einen „schwerwiegenden Verstoß und klaren Bruch des Völkerrechts“ dar, erklärte das Verteidigungsministerium. Die Emirate behielten sich vor, auf diese Eskalation zu reagieren. Der Golfstaat war bereits zuvor wiederholt unter Beschuss geraten.
Explosionen an Irans Südküste gemeldet
Nach Beginn der erneuten US-Angriffe auf Ziele in Iran haben örtliche Medien Explosionen an der Südküste des Landes gemeldet. Laut der den iranischen Revolutionswächtern nahestehenden Nachrichtenagentur Fars sowie dem regierungstreuen Sender Press TV gab es in der Nacht mehrere Detonationen auf der Insel Kisch am Persischen Golf. Auch aus dem Bereich der Hafenstadt Buschehr, der Insel Qeschm in der Straße von Hormus sowie der Großstadt Bandar-e Abbas wurden Explosionen gemeldet.
Trump informiert Kongress über neue Kampfhandlungen
US-Präsident Trump hat dem Kongress offiziell mitgeteilt, dass die Kampfhandlungen gegen Iran am 7. Juli wieder aufgenommen wurden. Seine Regierung sieht in diesem Schreiben die Eröffnung eines neuen 60-tägigen Zeitfensters für einen Militäreinsatz in der Region ohne Zustimmung des Kongresses. „Ich habe diese Militäraktion im Einklang mit meiner Verantwortung für den Schutz der Amerikaner und der nationalen Sicherheits- und außenpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten angeordnet“, erklärte Trump in dem Schreiben vom 10. Juli, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag.
Laut US-Verfassung hat allein der Kongress, nicht der Präsident, das Recht, einen Krieg zu erklären. US-Präsidenten beanspruchten jedoch seit Langem das Recht, kürzere Militäreinsätze ohne Zustimmung des Kongresses anzuordnen, um die Sicherheit der USA zu gewährleisten. Der War Powers Act verpflichtet den Präsidenten, den Kongress innerhalb von 48 Stunden nach Beginn der Kampfhandlungen zu informieren. Militäraktionen, die ohne Zustimmung des Kongresses begonnen wurden, müssen innerhalb von 60 Tagen beendet werden.
Im Fall des Irankriegs endete die erste 60-Tage-Frist am 1. Mai. Der republikanische Präsident erklärte jedoch, diese Frist gelte nun nicht mehr, da er die Kampfhandlungen zuvor durch einen Waffenstillstand für beendet erklärt habe.



