Das US-Militär hat nach eigenen Angaben auf Befehl von Präsident Donald Trump neue Luftangriffe auf mehrere Ziele im Iran gestartet. Die Operationen begannen um 23:15 Uhr deutscher Zeit und wurden vom Regionalkommando Centcom als „Selbstverteidigungsschläge“ bezeichnet. In einer Mitteilung auf der Plattform X hieß es, die Angriffe seien eine Reaktion auf die „ungerechtfertigte und anhaltende Aggression des Iran“. Kurz zuvor hatte Trump bereits weitere Schläge für den Tag angekündigt.
Explosionen an der Südküste
Iranische Staatsmedien berichteten von Explosionen nahe der Städte Minab und Sirik an der Südküste. Auch auf der Insel Gheschm und in der Hafenstadt Bandar Abbas seien Detonationen zu hören gewesen. In der vergangenen Nacht hatte das US-Militär bereits Sirik am Golf von Oman angegriffen. Aus anderen Landesteilen gab es unbestätigte Meldungen über Aktivitäten der Flugabwehr.
Verteidigungsminister droht mit weiteren Schlägen
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth drohte dem Iran ebenfalls mit neuen Angriffen. Er betonte jedoch, dass es nicht um eine Wiederaufnahme des Krieges gehe, sondern darum, die Bedingungen für eine Einigung zu schaffen. Trotz der geltenden Waffenruhe hatte es in den vergangenen Tagen erneut gegenseitigen Beschuss gegeben. Am Sonntag feuerte der Iran erstmals seit zwei Monaten wieder Raketen auf Israel, woraufhin Israel Ziele im Iran angriff. Trump rief beide Seiten zur Einhaltung der Waffenruhe auf, was diese auch zusagten.
In der Nacht zu Mittwoch bombardierte das US-Militär als Reaktion auf den Abschuss eines Apache-Hubschraubers Flugabwehrsysteme, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen im Iran. Trump machte Teheran für den Absturz verantwortlich und kündigte Vergeltung an. Iranischen Angaben zufolge wurden bei den Bombardierungen auch zwei Wasserspeicher und damit zivile Infrastruktur zerstört.
Scharfe Kritik aus Teheran
Irans Präsident Massud Peseschkian verurteilte die Angriffe scharf. Auf X schrieb er: „Die Infrastruktur eines Landes ist die Lebensader der Menschen. Wer mit Angriffen auf Verkehrsnetze, Stromversorgung oder Wasserindustrie droht, demonstriert keine Stärke, sondern nur Verzweiflung.“ Als Vergeltung griff der Iran Medienberichten zufolge US-Stützpunkte in der Golfregion und in Jordanien mit ballistischen Raketen an. Die Flugabwehr Kuwaits war im Einsatz, auch in Bahrain heulten die Sirenen. Die Golfstaaten wurden im Iran-Krieg bereits mehrfach attackiert, darunter ihre Metropolen und Energieanlagen.
Sorge vor neuer Eskalation
Die USA und Israel hatten Ende Februar ihren Krieg gegen den Iran begonnen. Die jüngsten militärischen Spannungen und gegenseitigen Angriffe schüren erneut Ängste vor einer regionalen Eskalation. Seit Wochen verhandeln die Kriegsparteien über ein dauerhaftes Ende des Konflikts, jedoch ohne Durchbruch. Erst am Mittwoch traf eine Delegation aus Katar in Teheran ein, um zu vermitteln.
Hintergrund: Streit um die Straße von Hormus
Trump hatte dem Iran Anfang April, kurz vor einer Einigung über eine Feuerpause, mit Vernichtung und Angriffen auf Kraftwerke und zivile Infrastruktur gedroht. „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren“, warnte er. Rund 90 Minuten vor Ablauf eines Ultimatums kündigte er dann eine Waffenruhe an. Auslöser des Konflikts war der Streit um die Straße von Hormus. Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die Meerenge übernommen, die für den Export von Dünger, Öl und Flüssiggas von großer Bedeutung ist. Die USA verhängten eine Seeblockade, um den Iran am Ölexport zu hindern. Washington drängt seit Wochen auf eine Wiederherstellung der freien Durchfahrt. Mit Kriegsbeginn waren die weltweiten Energiepreise stark gestiegen.



