Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach einem russischen Raketenangriff nahe Kiew die Bestrafung verantwortlicher Militärs angekündigt. Bei dem Angriff vor einigen Tagen waren Munitionslager in der Stadt Wyschnewe getroffen worden. Selenskyj kritisierte in seiner abendlichen Videobotschaft, dass es eindeutig verboten gewesen sei, Depots in Wohngebieten anzulegen, diese Vorschriften jedoch missachtet worden seien. „Dabei gibt es genügend Plätze in der Ukraine, um solche Depots in sicherer Entfernung von Wohnhäusern aufzubauen“, so Selenskyj. Die Leiter zweier Staatsbetriebe seien für den Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften verantwortlich; gegen sie und andere Manager werde ermittelt.
Ukraine attackiert 21 russische Öltanker im Asowschen Meer
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben in der Nacht 21 russische Öltanker im Asowschen Meer mit Drohnen attackiert. Neben den Tankern hätten die Drohnen auch vier Schlepper, zwei Trockenfrachter und einen Schwimmbagger getroffen, teilte der Generalstab in Kiew auf Telegram mit. Das Ausmaß der Schäden werde noch geprüft. Es wäre die zahlenmäßig größte Attacke einer seit Tagen laufenden Angriffswelle. Russland machte deutlich geringere Angaben: Gouverneur Juri Sljussar aus der Region Rostow teilte mit, vier Schiffe seien angegriffen worden, ein Matrose sei getötet worden. Die Schäden seien gering, es bestehe keine Gefahr, dass die Fracht auslaufe. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht überprüfen.
Raketenangriff auf Kiew: Verletzte und Schäden
Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist in der Nacht erneut unter Raketenbeschuss geraten. Der Feind habe die Stadt mit ballistischen Raketen angegriffen, teilten Bürgermeister Vitali Klitschko und Militärgouverneur Tymur Tkatschenko auf Telegram mit. Sie riefen die Anwohner auf, sich in Schutzräume zu begeben. Ein dpa-Reporter berichtete von mehreren Angriffswellen. Mindestens zehn Menschen wurden verletzt, darunter ein Kind, teilte der Katastrophenschutz mit. In mehreren Bezirken sei es zu Bränden gekommen. Im Ostteil der Stadt entstanden Schäden, im Westteil brach ein Brand in einem Bürogebäude aus, und ein unbewohntes Gebäude wurde beschädigt.
Selenskyj kündigt Reform der Sturmtruppen nach Skandal an
Nach einem Skandal um Todesfälle in einer Militäreinheit hat Selenskyj eine Reform der Sturmtruppen angekündigt. „Es gibt viele Fragen, Probleme, die gelöst werden müssen. Vor allem im Umgang mit den Leuten“, sagte der Staatschef in einer Videoansprache. Es werde neben strafrechtlichen Ermittlungen auch Wechsel an der Spitze der Sturmtruppen geben. Im Juni hatte ein Medienbericht Aufsehen erregt: Beim Sturmregiment „Skelja“ waren innerhalb von sechs Monaten mehr als zwei Dutzend Rekruten in ihrer Grundausbildung ums Leben gekommen, nachdem sie verprügelt, erniedrigt und misshandelt worden sein sollen. Solche Praktiken sind Berichten zufolge auch in anderen Einheiten verbreitet.
US-Senator Graham: China soll Druck auf Russland ausüben
Der republikanische US-Senator Lindsey Graham sieht China in einer entscheidenden Rolle, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. „Der Weg zum Frieden führt mehr durch Peking als durch Washington, Kiew oder Moskau“, sagte Graham vor Reportern in Kiew. China habe einen übergroßen Einfluss und solle diesen zum Wohle der Welt nutzen. Graham hatte sich zuvor mit Selenskyj getroffen, um über den dringenden Bedarf an Luftverteidigung zu sprechen. Zudem unterstütze die US-Regierung unter Präsident Donald Trump ein seit Monaten geplantes Sanktionsgesetz gegen Russland, das die Finanzierungsquellen für Russlands Militäroperationen abschneiden solle. Selenskyj hatte nach dem Nato-Gipfel erklärt, er habe die Rolle Chinas auch mit Trump und europäischen Staats- und Regierungschefs besprochen.
Russland stoppt Schiffsverkehr durch Don-Asow-Kanal
Russland stoppt Insider-Informationen zufolge vorübergehend den Schiffsverkehr durch den Don-Asow-Kanal. Die Maßnahme sei eine Reaktion auf ukrainische Angriffe auf Tanker im Asowschen Meer, heißt es aus zwei Quellen der Getreideexportbranche. Die Sperrung könnte fast ein Viertel der russischen Weizenexporte betreffen. Wie lange sie andauern soll, ist unklar.
Russische Ölförderung sinkt wegen ukrainischer Drohnenangriffe
Die russische Ölförderung wird in diesem Jahr wegen ukrainischer Drohnenangriffe auf die Energieinfrastruktur voraussichtlich um etwa drei Prozent auf 8,9 Millionen Barrel pro Tag sinken, teilte die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem monatlichen Marktbericht mit. Gleichzeitig führt der Ausfall großer Raffinerien zu einem akuten Treibstoffmangel in Russland. Die Benzinproduktion fiel auf ungefähr 65 Prozent des saisonal üblichen Verbrauchs. Die IEA senkte ihre Prognose für die russische Ölförderung für dieses und das kommende Jahr um 85.000 beziehungsweise 150.000 Barrel pro Tag. Im vergangenen Jahr lag die Förderung noch bei 9,2 Millionen Barrel pro Tag. Russland erließ zudem ein Exportverbot für Diesel sowie Ausfuhrbeschränkungen für Benzin und Kerosin, um Engpässe auf dem heimischen Markt zu verhindern.
Weitere Entwicklungen: Feuer in Ölraffinerie Ilski gelöscht, Putin zu Pufferzone
Ein nach einem Drohnenangriff ausgebrochenes Feuer in der russischen Ölraffinerie Ilski in der Oblast Krasnodar ist gelöscht worden, teilten die örtlichen Behörden mit. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Präsident Wladimir Putin sei weiterhin offen für eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts, richte jedoch als Reaktion auf eine Eskalation seitens Kiews eine ausgedehntere Pufferzone in der Ukraine ein. Da die Ukraine derzeit kein Interesse an Verhandlungen zeige, setze Russland seinen Militäreinsatz fort. Zudem warnte Peskow vor der Einrichtung einer Flugverbotszone über der Ukraine, die einem aktiven Nato-Militäreinsatz gleichkäme.
Kiew: Russische Verluste hoch, Eroberungstempo halbiert
Das russische Militär hat nach Angaben aus Kiew im ersten Halbjahr 2026 trotz extrem hoher Verluste weniger als halb so viel ukrainisches Territorium erobert wie im Vorjahreszeitraum. Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj schrieb auf Telegram, Russland habe eine großangelegte Offensive geplant, aber praktisch keins seiner Ziele erreicht. Das schleppende Vorankommen bestätigen auch unabhängige Militäranalysten. Die Verluste der russischen Seite bezifferte Syrskyj auf monatlich knapp 32.000 Tote oder Schwerverwundete. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.



