Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Die Luftabwehr sei im Einsatz, schreibt der Bürgermeister auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Der Angriff erfolgte in der Nacht zum Dienstag und reiht sich ein in eine Serie russischer Attacken auf die ukrainische Infrastruktur.
Russische Reederei Fesco stoppt Schwarzes Meer-Geschäft
Der russische Logistik- und Schifffahrtskonzern Fesco nimmt nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf eines seiner Schiffe keine neuen Frachtaufträge für das Schwarze Meer mehr an. Die „Janina“ sei in der Nacht zum Samstag durch ukrainische Seedrohnen beschädigt worden und gesunken, teilt der staatliche russische Atomkonzern und Fesco-Eigentümer Rosatom mit. Dieser Schritt zeigt die wachsenden Risiken für die Schifffahrt in der Region.
Russland meldet derweil Angriffe auf Schiffe in ukrainischen Häfen. Drei Schiffe im Hafen Mykolajiw sowie ein weiteres im Schwarzen Meer vor Odessa seien attackiert worden, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Diese würden „im Interesse des ukrainischen Militärs“ genutzt. Im Hafen von Tschornomorsk seien zudem ein Containerterminal und eine Lagerhalle für Drohnen getroffen worden.
Polen fängt russischen Aufklärer ab
Die polnische Luftwaffe hat nach Regierungsangaben bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Tage ein russisches Aufklärungsflugzeug über der Ostsee abgefangen. Der russische Aufklärer vom Typ Il-20 sei 56 Kilometer nordöstlich von Koszalin unterwegs gewesen, schrieb Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf der Nachrichtenplattform X. Zwei polnische Kampfjets hätten ihn abgefangen. Der polnische Luftraum sei nicht verletzt worden, hieß es aus dem Verteidigungsministerium.
Bereits am Montag und am vergangenen Freitag war es zu ähnlichen Vorfällen gekommen. Die russischen Erkundungsflüge vor der Küste des Nato-Mitglieds Polen hätten zuletzt wieder zugenommen, so Warschau. Schon Mitte Juli fing die polnische Luftwaffe an drei Tagen in Folge russische Kampfflugzeuge ab. „Russland führt erneut provokative Aktionen in der Nähe der Grenzen der Nato-Staaten durch und testet damit die Wachsamkeit und Einsatzbereitschaft der Verteidigungssysteme des Bündnisses“, sagte Kosiniak-Kamysz.
Vier Tote bei Schüssen auf der Krim
Auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim hat ein Soldat das Feuer auf Kameraden und Zivilisten eröffnet und vier Menschen getötet. Vier weitere Menschen seien verletzt worden, teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, am Dienstag mit. Der Vorfall ereignete sich im Dorf Chmelnyzke. Der Schütze wurde festgenommen, zum Motiv machte Raswoschajew keine Angaben.
Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Lagerhallen
Bei ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Lagerhallen sind nach offiziellen Angaben in der Nacht zum Dienstag fünf Menschen ums Leben gekommen. In der Region Moskau habe eine Drohne in der Stadt Tschechow ein Lagerhaus in Brand gesetzt sowie ein Umspannwerk und ein weiteres Gebäude beschädigt, sagte Gouverneur Andrei Worobjow. Bei zwei weiteren Attacken in der Nähe von St. Petersburg und im Gebiet Twer wurden Einrichtungen des russischen Online-Händlers Wildberries getroffen. Dort gab es den örtlichen Behörden zufolge keine Toten oder Verletzten.
Russland baut LNG-Schattenflotte aus
Die russische Schattenflotte aus Gastankern für den LNG-Transport hat sich im Vorfeld des EU-Verbots von russischem Erdgas ab 2027 vergrößert. Wie die „Financial Times“ (FT) berichtet, hat Moskau im vergangenen halben Jahr mindestens acht gebrauchte Tanker gekauft, hinzu kommen zwei Neubauten. Damit steigt die Flottenstärke auf 25 Schiffe an, so die FT unter Berufung auf Daten des Schifffahrtsdatenunternehmens Windward. Durch die Vergrößerung soll Russland auch ab 2027 weiterhin Gas in die EU verschiffen können. Die Öl-Schattenflotte umfasst bereits mehr als 1000 Schiffe.
Ukraine warnt vor Einbruch der Getreideexporte
Wegen der massiven russischen Angriffe auf ukrainische Schwarzmeerhäfen muss die Ukraine verstärkt auf alternative Exportrouten ausweichen. Diese dürften jedoch frühestens Ende August die erforderliche Kapazität erreichen und nur rund die Hälfte der bisherigen Ausfuhrmengen bewältigen, sagte Landwirtschaftsminister Taras Wyssozkyj der Nachrichtenagentur Reuters. Seit fast zwei Wochen seien keine Schiffe mehr in die Häfen rund um Odessa eingelaufen. Die direkten Verluste für den Agrarsektor könnten sich in diesem Jahr auf 1,5 bis drei Milliarden Dollar belaufen. Als wichtigste Ausweichroute gilt der Schienenverkehr, da die Donau wegen niedriger Wasserstände kaum nutzbar ist. Die zusätzlichen Kosten für Landwirte betragen 45 bis 50 Dollar pro Tonne, die Inlandspreise für Getreide und Ölsaaten seien um durchschnittlich 30 Prozent eingebrochen. Wyssozkyj warnte vor einem Anstieg der weltweiten Lebensmittelpreise und rief die Verbündeten zur Hilfe bei der Sicherung des Schwarzen Meeres auf.
Weitere Entwicklungen im Überblick
Ein bei einem ukrainischen Drohnenangriff getroffenes Lagerhaus des Online-Händlers Wildberries in der russischen Region Samara ist vollständig ausgebrannt. Die Türkei fordert Russland und die Ukraine auf, die Schifffahrtssicherheit im Schwarzen Meer zu gewährleisten, nachdem ein türkisches Schiff in der Nähe von Noworossijsk angegriffen worden war. In einem Verteilzentrum des russischen Lebensmittelhändlers Lenta bei St. Petersburg brach nach einem Drohnenabsturz ein Brand aus. Russland meldet zudem, 320 ukrainische Drohnen abgefangen zu haben, und gibt an, sieben Frachtschiffe angegriffen zu haben.
Der ehemalige ukrainische Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj hält einen Nato-Beitritt für ausgeschlossen. „Leider werden wir niemals wirklich beitreten“, sagte er laut „Evropeiska Pravda“. Die Ukraine erfülle die militärischen Standards nicht. Präsident Selenskyj hat die Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, entlassen. Die Frachtraten für russisches Öl sind wegen der Risiken im Schwarzen Meer um 50 Prozent gestiegen. Selenskyj hofft, Russland bis Herbst zu einem Frieden zu bewegen. Bei einem russischen Angriff auf eine Tankstelle in der Südostukraine sind mindestens drei Menschen getötet worden, darunter ein achtjähriger Junge.



