Rassistische Krawalle in Belfast: Messerangriff als Auslöser
Belfast: Rassistische Krawalle nach Messerangriff

Schwere Ausschreitungen in Belfast nach Messerangriff

In der nordirischen Hauptstadt Belfast ist es in der Nacht zum Mittwoch zu schweren rassistisch motivierten Krawallen gekommen. Auslöser war ein brutaler Messerangriff am Montagabend, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde. Ein aus dem Sudan stammender Flüchtling wurde daraufhin wegen versuchten Mordes angeklagt. Die Polizei hatte bereits vor möglichen Unruhen gewarnt, doch die Appelle von Politikern und Polizei zur Zurückhaltung blieben wirkungslos.

Brennende Autos und Häuser

Die Randalierer, meist junge Männer, zogen durch die Stadt und setzten mehrere Fahrzeuge in Brand. Aus brennenden Wohnhäusern mussten in verschiedenen Stadtteilen Bewohner gerettet werden. Auch Geschäfte wurden beschädigt, darunter ein türkischer Friseursalon. Auf der Fassade einer Imbissbude prangte ein islamfeindlicher Schriftzug, und die Randalierer skandierten immer wieder „Ausländer raus!“. Zwei Polizeibeamte wurden verletzt.

Reaktionen aus der Politik

Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte die Krawalle scharf. „Die Szenen in Belfast letzte Nacht waren schockierend und völlig inakzeptabel“, schrieb er auf X. Die nordirische Regierungschefin Michelle O'Neill sprach von „widerwärtiger Feigheit“ und kritisierte, dass maskierte Männer Familien aus ihren Häusern vertrieben hätten.

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Video des Angriffs angeheizt

Ein Video des Messerangriffs, das den Täter zeigt, wie er auf einem blutüberströmten Mann sitzt und auf ihn einsticht, wurde trotz Warnungen der Polizei in sozialen Medien vielfach geteilt. Dies trug maßgeblich zur Eskalation bei. Rechtsextreme Kreise nutzten die Aufnahmen, um Stimmung gegen Migranten zu machen.

Angst und Verzweiflung bei Anwohnern

Am Morgen nach den Krawallen kehrte zwar Ruhe ein, doch die Bewohner blickten auf verwüstete Straßen. Ein seit 2013 in Belfast lebender Migrant berichtete, seine Kinder hätten große Angst gehabt. „Ich frage mich, ob ich der Nächste bin“, sagte er. Ein anderer Anwohner, dessen Haus vollständig zerstört wurde, wusste nicht, wo er anfangen sollte. Der nordirische Polizeichef Jon Boutcher sprach von „hirnlosen Idioten, die nur ihre eigene Zukunft ruinieren“. Er betonte, dass in der Nacht viele Familien gerettet worden seien, darunter ein zwei Monate altes Baby.

Rolle der sozialen Medien

Rechtsextreme und rassistische Krawalle sind in Großbritannien kein neues Phänomen. Eine Schlüsselrolle spielen soziale Medien, wie die Labour-Abgeordnete Anna Turley betonte. „Böswillige Akteure, die oft weit entfernt sitzen, können diese Dinge leicht anfachen“, sagte sie. Auch US-Techmilliardär Elon Musk teilte vor den Protesten zahlreiche Beiträge zu dem Messerangriff und rief zur Teilnahme auf. Die nordirische Justizministerin Naomi Long warnte Agitatoren, sich von ihren Tastaturen fernzuhalten.

Hintergrund: Wiederholte Krawalle

Erst in der vergangenen Woche kam es in Southampton zu Krawallen, ausgelöst durch Bodycam-Aufnahmen eines Polizeifehlers nach einer tödlichen Messerattacke. Bereits 2024 hatte es in England und Nordirland wochenlange rassistische Ausschreitungen gegeben, damals ausgelöst durch den Mord an drei Mädchen in Southport. Falschgerüchte über einen muslimischen Asylbewerber als Täter hatten die Gewalt damals angeheizt.

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