Epstein-Tod: Neue Recherche entkräftet Mordtheorien
Epstein-Tod: Neue Recherche entkräftet Mordtheorien

Epstein-Tod: Neue Recherche entkräftet Mordtheorien

Washington. Die „New York Times“ hat in einer umfassenden Recherche die letzten 35 Tage von Jeffrey Epstein rekonstruiert und kommt zu dem Schluss, dass Selbstmord als Todesursache immer wahrscheinlicher wird. Die neuen Erkenntnisse schwächen zwar Mordtheorien ab, belasten jedoch die Gefängniswärter schwer.

Die Tiefenrecherche basiert auf mehr als 40 Gesprächen mit Anwälten, Gefängniswärtern, Häftlingen und Forensikern sowie auf Gerichts- und Gefängnisakten. Demnach spricht heute mehr für Selbstmord als je zuvor – und gleichzeitig für ein atemberaubendes Versagen der Verantwortlichen, die Epstein hätten schützen müssen.

Die wichtigste neue Erkenntnis: Epstein zeigte bereits früher mehrfach suizidale Absichten. Sein damaliger Zellengenosse Nicholas Tartaglione berichtet, Epstein habe ihn gefragt: „Wie macht man eine Schlinge?“ Tartaglione informierte die Wärter, doch diese hätten ihn nicht ernst genommen. Offizielle Vermerke dazu fehlen.

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Ein weiterer Vorfall vom Juli 2019 erscheint durch die neuen Details weniger rätselhaft. Epstein schrieb „J’ACCUSE“ auf ein Blatt und wurde später mit Stoff um den Hals auf dem Boden gefunden. Widersprüchliche Erklärungen nährten Spekulationen, doch die Recherche zeigt, dass sie zu einem psychisch zerfallenden Mann passten.

Besonders schwer wiegt ein Zettel, den Tartaglione in einem Comicband fand. Darauf klagte Epstein: „Monatelang gegen mich ermittelt und nichts gefunden!!!“ und schrieb: „Es ist ein Vergnügen, den Zeitpunkt für den Abschied selbst wählen zu können.“ Andere Notizen lauteten: „Nur Schmerz für mich und andere in der Zukunft.“

Epstein verlor nach der neuen Bundesanklage wegen Sexhandels die Kontrolle über sein Leben. Einem späteren Zellengenossen sagte er: „Ich weiß, dass ich die Straße nie wiedersehen werde.“ Als dieser verlegt wurde, bat er das Personal, Epstein einen guten Zellengenossen zu geben, da er nicht allein sein könne.

Doch Epstein kehrte in eine leere Zelle zurück. Am selben Tag wurden neue Dokumente aus dem Verfahren von Virginia Giuffre öffentlich. In den frühen Morgenstunden des 10. August wurde er tot aufgefunden. Die Mordverdacht lebt von den Pannen jener Nacht: Epstein hätte nicht allein sein dürfen, die Wachleute machten keine Rundgänge, das Kamerasystem war teilweise ausgefallen, und die Beweissicherung war mangelhaft.

Der Befund der „Times“ ist unbequem: Er macht eine Mordverschwörung weniger plausibel, aber institutionelles Versagen fast unausweichlich. Epstein starb nicht wegen eines perfekten Plans, sondern weil ein kaputtes Gefängnis, gleichgültige Mitarbeiter und schlampige Sicherung einem suizidgefährdeten Häftling die Gelegenheit gaben.

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